Die Ceres von Seesen

Die Ceres von Seesen.

Neue Beobachter-Serie: Ausstellungstücke aus dem Städtischen Museum

In einer neuen Serie stellt der Seesener „Beobacher“ in Zusammenarbeit mit dem Städtischen Museum interessante Ausstellungsstücke aus dem Museum vor. Im ersten Teil wird die Ceres-Figur vorgestellt, die lange Zeit vor dem ehemaligen Rathaus, dem heutigen Ratskeller, gestanden hat.

Die Göttin Ceres war im alten Rom für Ackerbau und Fruchtbarkeit zuständig. Ihr Wirken entschied, ob es den Menschen gut ging und sie satt wurden, oder ob sie Hunger leiden mussten.
Damit man gleich wusste, welche der vielen Gottheiten die jeweilige Statue darstellen sollte, gab man ihnen Erkennungszeichen. Bei der Ceres waren dies ein Kranz auf dem Kopf und eine Ährengarbe im Arm. Die Ährengarbe enthält nicht nur die wichtigen Feldfrüchte Roggen, Weizen, Gerste und Hafer, sondern auch Feldblumen. Der Mohn war der Ceres heilig; seine vielen Samenkörner standen für Fruchtbarkeit. Die alte Göttin Ceres lebt in unseren heutigen Getreideprodukten, den Zerealien, weiter.
Im Jahr 1887 sollte eine schöne Brunnenanlage in Seesen vom Schnittpunkt der Markt- und Baderstraße vor das damalige Rathaus, den heutigen Ratskeller, verlegt werden. Bei dieser Gelegenheit wollten die Seesener den Brunnen mit einer Figur der Ceres verschönern. Seesen war dabei, eine Industriestadt zu werden und die Ceres sollte an die Vergangenheit als alte Ackerbürgerstadt erinnern.Weil man fürchtete, eine aus Ton gefertigte Figur könne „leicht durch Frevel beschädigt“ werden, entschloss man sich, eine metallene Ceres bei der „Hof- Zinkgußwarenfabrik F. Kahl&Sohn“ in Potsdam zu bestellen. Am 11. April 1888 wurde die Ceres zusammen mit vier wasserspeienden Löwenköpfen für den Sockel geliefert. Es wurde empfohlen, die blanke Metallfigur in einem hellen Sandsteinton zu streichen.
Bis zur Straßenerweiterung 1963 blieben Brunnen und Ceres als sichtbares Zeichen Seesener Bürgerstolzes an ihrem Platz. Dann wurde der Brunnen abgebrochen und die Ceres zog mit ihrem Sockel auf eine Rasenfläche neben dem Ratskeller. Der Sockel mit den Löwenköpfen steht immer noch dort. Die Ceres aber ist 1986, wie 100 Jahre zuvor befürchtet, von ihrem Sockel gestürzt. Dank kluger Materialwahl ist sie aber nicht in tausend Scherben zerbrochen, sondern hat nur ihren linken Arm verloren.