Die Engel in Orange

Auf dem Baubetriebshof in Seesen herrscht reges Treiben

Von Laura Böckem, Luisa von Hof, Celina Heitmann, Anastasia Sander (Klasse 8l)

Das Klimmpern eines Schraubensschlüssels hallt über den Hof, ein Motorenbrummen ertönt, das Summen einer Kreissäge schallt aus einer Halle.
Schon von weitem erahnt man, dass der Baubetriebshof Seesen in der Nähe ist.
Bestimmt ist auch jedem schon mal eines der sechs großen, schweren Fahrzeuge aufgefallen, deren Aufgabe es ist die Stadt sauberzuhalten. Auch die insgesamt vier Gemeindearbeiter, die mit den Laubpustern und Rasenmähern hantieren hat man schon einmal gesehen. Außerdem gibt es auch noch zwei Friedhofsgärtner, die auf den drei städtischen Friedhöfen in Seesen, Münchehof und Rhüden gärtnerische Arbeiten und Instandhaltungen der Brunnnen durchführen beschäftigt.
Dazu gibt es drei Gärtner, welche für die regelmäßige Kontrolle und Pflege der 450.000 Quadratmeter Grünflächen in der Stadt und der Teichanlagen zuständig sind, sowie zwei Schlosser, die für die Reparatur und Pflege der Maschinen zugeteilt sind. Für den Neubau von Straßen sind ein Steinleger, der pflastert, und drei Straßenbauer, die teeren und Schlaglöcher stopfen, zuständig. Die Tischler bauen und konstruiren zum Beispiel Bänke und Kulissen für das Sehusafest, welche dann von einem Maler gestrichen werden.
In der Verwaltung arbeiten zwei Angestellte an ihren Unterlagen. Zu ihnen gehört Thorsten Vollbrecht, der Chef des Baubetriebshofes. Seine Aufgabe ist es, die Arbeiter zu koordinieren, Aufgaben zu verteilen, Materialien zu beschaffen und die Aufträge des Rathauses auszuführen. Außerdem koordiniert er die bekannteste Aufgabe des Baubetriebshofes: den Winterdienst.
Bei eventuellem Schneefall fährt morgens um vier Uhr ein Fahrer eine Kontrollstrecke durch Seesen und seine umliegenden Dörfer ab, weil es durch die geographische Lage Seesens zum Beispiel in Münchehof schneien und in Rhüden regnen kann. Danach entscheidet dieser, je nach Glätte oder Höhe des Schnees, ob es nötig ist, weitere Fahrzeuge in den den Dienst zu rufen.
In diesem Fall müssen alle Fahrer ausrücken um die rund 160 Straßenkilometer mit drei Unimogs, einem Lkw, einem Multicar und drei Kleinschleppern von Schnee und Eis zu befreien und zu streuen. Auflerdem rücken vier Handkolonnen mit sechs bis sieben Mitarbeitern, die mit einem Schneeschieber „bewaffnet“ sind, aus. Bei Dauerschnee sind alle von 4 bis 22 Uhr mit dem Räumen und Streuen beschäftigt. Insgesamt werden circa 500 Tonnen Salz verbraucht.
Gut koordinieren muss Thorsten Vollbrecht auch den Auf- und Abbau des Herbstfestes. Nach dem Fest wird die Innenstadt von Laub und Unrat befreit, diese Arbeit dauert so manches Mal bis zu zweieinhalb Stunden.
Den größten Aufwand bereite aber das Sehusa Fest, so der Leiter des Baubetriebshofes. Unter anderem muss ein Großteil der Kulissen von den Tischlern aufgebaut werden. Sitzgelegenheiten und Zäune werden aufgestellt. Doch sogar der Abbau des Festes bedeutet für die Mitarbeiter viel Aufwand. Denn schon am Sonntagmorgen müssen sie um 7 Uhr raus, um die 20 Tonnen Müll – hauptsächlich Biergläsereinzusammeln – von Ausschlafen keine Spur. Und dies sind nur zwei der Feste bei denen die Männer des Baubertriebshofes rund um die Uhr im Einsatz sind.
Denn jetzt, wo es wieder auf die Weihnachtszeit zugeht, waren es nicht die weißen Engel mit Heiligenschein, sondern die orangenen mit Leuchtstreifen, die den Weihnachtsmarkt aufbauten und für Ordnung sorgten. Und auch auf dem Frühlingsfest sind es nicht die zwitschernden Vögel die alles aufstellen, stattdessen sind es die pfeifenden Mitarbeiter des Baubetriebshofes.
Trotz des Aufwandes kommen jährlich massenhaft Anrufe von unzufriedenen Bürgern, die sich beschweren. Die Wege und Straßen seien nicht richtig geräumt oder die Räumungsmaschinen seien zu laut, sind wohl die häufigsten Beschwerden.
Dabei ist der Baubetriebshof rechtlich nicht dazu verpflichtet, die Straßen zu räumen. Sie haben sich diese Aufgabe freiwillig zum Wohle der Seesener Bürger auferlegt. Wahre Engel eben.