Die Euphorie erfasste die ganze Republik

Nachdem bereits am 31. Oktober 2013 der Raum des Harzklub-Zweigvereins im Bürgerhaus beim 1. Vortrag von Wolf-Dieter Ternedde förmlich aus allen Nähten platzte, war jetzt auch der Bürgersaal bis auf den letzten Platz gefüllt.
 
Referent Wolf-Dieter Ternedde (vorn sitzend) mit zahlreichen ehemaligen Seifenkistenfahrern, die zum Vortragsabend ins Bürgerhaus kamen.

Auch der zweite Vortrag über die historischen Seifenkistenrennen stößt auf großes Interesse

Der Freundeskreis Städtisches Museum hatte in der vergangenen Woche zum 2. Vortrag über die Seesener Seifenkistenrennen in den Bürgersaal geladen. Nachdem bereits am 31. Oktober 2013 der Raum des Harzklub-Zweigvereins im Bürgerhaus beim 1. Vortrag von Wolf-Dieter Ternedde förmlich aus allen Nähten platzte, war jetzt auch der Bürgersaal bis auf den letzten Platz gefüllt.

Die 1. Vorsitzende des Freundeskreises, Renata Jahns, konnte die Gäste und den Referenten willkommen heißen. Nach einer kurzen Rede übergab sie das Mikrofon an Wolf-Dieter Ternedde, der daraufhin mit seiner Power-Point Präsentation begann.
Vor dem eigentlichen Vortrag wies Ternedde die Besucher noch auf eine Ausstellung hin, die in Ergänzung der beiden Vorträge bis zum 28. Februar im Museum zu sehen ist. Hier können Interessierte, während der üblichen Öffnungszeiten, noch einmal eine Vielzahl von Bildern in Ruhe ansehen und Urkunden, Broschüren, Plaketten, Schärpen und sonstige Erinnerungsstücke von den Rennen bewundern.
Zu Beginn brachte Wolf-Dieter Ternedde die wesentlichen Punkte des 1. Vortrags in Erinnerung. In einer kurzen Zusammenfassung sprach er über die Entstehung der Kinderautomobile im Taunus vor 110 Jahren. Ohne die Entwicklung der großen Wagen und vor allem der großen Rennwagen, die 1904 erstmals Rennen bestritten, wären die kleinen Kisten nicht entstanden.
Die ersten organisierten Rennen fanden dann Mitte der 1930er Jahre in Amerika statt. Die Soap-Boxes, übersetzt: Seifenkisten, begeisterten die Massen. Zu den Derbys kamen bis zu 50.000 Zuschauer. Die amerikanischen Soldaten brachten nach dem Zweiten Weltkrieg den Seifenkistensport quasi nach Westdeutschland zurück.
Die ersten Rennen 1949 fanden noch unter der Schirmherrschaft von amerikanischen Offizieren statt. Die Euphorie erfasste bald die gesamte Republik. In vielen Gemeinden fanden Rennen statt und deutsche Meisterschaften wurden ausgetragen. Auch in Seesen fanden zwischen 1951 und 1955 insgesamt vier Rennen statt, auf die Ternedde zum Ende seines Rückblicks einging.
Anschließend konnten die Gäste Bilder von den vier Siegerehrungen, dem Besuch eines Reporters des NWDR 1954 in der Dehne und Impressionen von der Rennstrecke und aus Goslar sehen.
Ternedde begrüßte besonders Franz-Werner Zahn, den Sieger von 1951, der extra zu dieser Veranstaltung 350 Kilometer aus Südhessen angereist war, sowie Helmut Regenhardt aus Seesen, dem Sieger des Jahres 1953. Auch Ewald Henkel aus Seesen wurde erwähnt, der 1954 Dritter und 1955 Zweiter geworden ist.
Im ersten Hauptteil des Abends machte Ternedde die Anwesenden mit den 32 Firmen bekannt, die während der vier Rennen als Sponsoren auftraten und so erst den Bau der Seifenkisten ermöglichten. Von den meisten dieser Betriebe hatte Ternedde historische Aufnahmen gefunden, die bei den Besuchern Erinnerungen an die 1950er Jahre wachriefen.
Da 27 dieser Unternehmen überhaupt nicht mehr existieren, gaben die Fotos einen interessanten Einblick in die Geschäftswelt vor 60 Jahren. Zu den Betrieben wurden die jeweiligen Seifenkisten vorgestellt, sowie die Fahrer, die diese Kisten fuhren.
Während der Pause nutzten viele die Gelegenheit, Gespräche mit anderen Besuchern zu führen, die sie zum Teil etliche Jahre nicht gesehen oder gesprochen hatten. Bei diesen Zusammenkünften war manch bewegender Moment zu erleben. Die Bewirtung der Gäste hatte wieder der Harzklub übernommen.
Im letzten Teil zeigte Wolf-Dieter Ternedde einen Film von 1955, den seinerzeit der Seesener Fotograf Heinrich Breitenbach und der Geschäftsmann Horst Flechsig gedreht hatten. Es ist Gerd Friede aus Oker, selbst Fahrer 1954, zu verdanken, dass von dem ehemaligen Normal-8-Streifen eine Kopie auf DVD erhalten geblieben ist. Der Film, der sowohl schwarz-weiße als auch farbige Passagen enthält, beinhaltet Szenen vom Bau einer Seifenkiste und von der technischen Abnahme vor dem Rathaus. Ferner gibt es längere Passagen vom Autokorso durch die Stadt und vom Rennen selbst in der Dehne. Für Heiterkeit sorgten vor allem die Bilder, in denen die Fahrer mit ihren Kisten in die hinter der Ziellinie aufgehäuften Strohhaufen fuhren.
Renata Jahns dankte schließlich Wolf-Dieter Ternedde für den kurzweiligen Vortrag, der wieder auf ein so großes Interesse gestoßen ist. Sie nutzte ferner die Gelegenheit, auf die Arbeit des Freundeskreises einzugehen, und um Unterstützung des Vereins in Form einer Mitgliedschaft zuwerben.