„Die Hütte brennt, doch die Leute drinn feiern Party!“

Die Gitarren-AG der Hauptschule intonierte zum Auftakt „Love Me Do“.
 
Schulleiter Eberhard Hey bei seiner Begrüßung in der Aula.

Hauptschule läutet den Reigen der Entlassfeiern ein / 22 Realschulabschlüsse vergeben / Gedanken zum Schuljahr 2011/2012

Von Gerd Jung, Seesen

Die Hauptschule Seesen läutete als erste Bildungsstätte in der Vorharzmetropole den Reigen der diesjährigen Ent-­­­ la­ssfeiern ein. In der nicht gerade üppig gefüllten Aula am Sonnenberg hieß Rektor Eberhard Hey neben den jungen Leuten, für die ein neuer Lebensabschnitt begonnen hat – das Gros wird vermutlich weiterhin die Schulbank drücken – , auch den familiären Anhang sowie die pädagogischen Mitstreiter und Mitstreiterinnen willkommen. Zuvor hatte die Gitarren-AG das Auditorium mit dem Lennon-McCartney-Song „Love Me Do“ begrüßt – eine Reverenz an die „Beatles, die diesen Hit vor 50 Jahren, genauer: am 5. Oktober 1962, auf ihrer ersten Single veröffentlichten.
Zu Beginn seiner Begrüßung entfaltete Hey gemeinsam mit Bernhard Thy ein von den Entlassschülern gestaltetes Transparent mit der Aufschrift „Die Hütte brennt, doch die Leute drinn feiern Party!“ Das, merkte Hey an, sei die reifste Leistung dieses Entlass-Jahrgangs gewesen. Hey: „So viel Einsicht und Selbstkritik hatte ich euch gar nicht zugetraut!“
In seinem kurzen Rückblick auf das zu Ende gehende Schuljahr betonte Hey, dass alle Jugendlichen sicherlich mit der Absicht angetreten seien, es genau so gut wie oder sogar noch besser zu machen als im Jahr davor. Aber: Nach wenigen Tagen schon hätten zwei Schüler den Weg zur Schule überhaupt nicht mehr gefunden. Zudem hätten einige Absolventen Probleme gehabt, den Beginn der Unterrichtsstunden zeitlich einzuordnen oder die schulischen Arbeitstage mental vom Wochenende und von Ferienzeiten zu trennen...
Darüber hinaus, auch dies ließ Hey nicht unerwähnt, seien die Unterrichtsinhalte nicht immer auf eine positive Resonanz gestoßen und hätten oft der kritischen Würdigung durch den jugendlichen Geist nicht standgehalten. So habe man sich während der Unterrichtszeit mehr den wirklich brennenden Fragen der aktuellen Jugendkultur gewidmet. Die Systemkritik am Prinzip Schule habe sichtbar ihren Gipfel darin gefunden, dass für den Englischunterricht gedachte CD-Player und Schultaschen aus dem Fenster geflogen seien – Hey: „Solch aktive Protesthaltung braucht man in demokratischen Strukturen!“ Und: Zum Ende hin seien einige Schüler von diesen lang währenden Anstrengungen so ermattet gewesen, dass sie sich den Mühen der Abschlussprüfung nun wirklich nicht mehr hätten unterziehen können.
Aber, meinte Hey, es gäbe auch eine andere Seite der Bilanz. Zum einen hätten auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Hauptschul- und Realschulabschlüsse vergeben werden können, und zum anderen sei es überaus erfreulich gewesen, dass eine Schülerin sprichwörtlich den Dreh um 180° geschafft und einen Erfolg erzielt habe, der nach den bisherigen Erfahrungen nicht zu erwarten gewesen sei. Allen, die ihr Ziel erreicht hätten oder ganz dicht an dieses herangekommen seien, gratuliere die Schule herzlich. Für alle anderen Schülerinnen und Schüler gelte: Der bisher zurückgelegte Weg sei keine Einbahnstraße, man könne darauf aufbauen; von ganz unten her sei das sicherlich recht zäh, aber es gehe. Man müsse es nur wirklich wollen. Dass dieses „wirklich Wollen“ Durchhaltevermögen und psychische Kraft erfordere, befand Hey, sei keine Frage. Aber ein Ziel erreicht zu haben, darauf dürfe man dann ruhig ein bisschen stolz sein.
Im weiteren Verlauf der Entlassfeier informierte Konrektor Horst Bökemeier über die „Preisverteilung“ nach dem abgeschlossenen Schuljahr 2011/2012. Seinen Angaben zufolge wurden summa summarum 22 Realschulabschlüsse vergeben. Ferner listete er die nach der 9. beziehungsweise 1o. Klasse erzielten Hauptschulabschlüsse auf und benannte die Zahl jener Schüler(innen), die die Schule ohne Abschluss verlassen; drei, die das Ziel Realschulabschluss heuer nicht geschafft haben, gehen als Wiederholer noch­mals ins „Rennen“.
10-b-Klassenlehrer Bernhard Thy ließ dann das Schuljahr aus verschiedenen Blickwinkeln Revue passieren, trug das Resultat seiner Suche nach motivierenden Erfolgssprüchen vor und gab schließlich seiner Hoffnung darüber Ausdruck, dass die Schülerinnen und Schüler ihren Weg machen würden.
Carola Zisser, Vertreterin des Schulelternrates, wünschte den Entlasschülern für die Zukunft alles erdenklich Gute.
Bevor die begehrten Abschlusszeugnisse übergeben wurden, erfreuten Entlassschüler mit einem Sketsch, in dem die Schwierigkeiten des „Lehrkörpers“ mit den Probanden thematisiert wurden, und brachten Xavier Naidoos „Dieser Weg wird kein leichter sein“ zu Gehör.