Die Reise ins Vergessen

Literarisches Konzert – Paritätischer (HilDe) hatte ins Bürgerhaus eingeladen

In der vergangenen Woche fand im Bürgersaal der Stadt Seesen ein Literarisches Konzert über die Reise ins Vergessen der ersten Alzheimerpatientin Auguste D. und den Arzt Dr. Alois Alzheimer statt.
Die Sprach- und Literaturwissenschaftlerin Andrea Freistein-Schade aus Goslar hatte den Text geschrieben, und die Seesener Musikerin Claudia Schaare begleitete sie am Steinwayflügel mit Musik von Franz Schubert, Eric Satie, Claude Debussy; Frederic Chopin und Arnold Schönberg.
Andrea Freistein-Schade ist es während der rund einstündigen Lesung in hervorragender Weise gelungen, die emotionalen Stimmungen der Auguste D. und des Dr. Alois Alzheimer wiederzuspiegeln. Sie wechselte ständig die Perspektive, sprach einmal aus der Sicht der Patientin, erzählte von ihren Empfindungen und ihrem Erleben der Erkrankung, dann nahm sie die Perspektive des Arztes ein, erzählte aus seinem Leben, von seinen Begegnungen mit & seinen Gedanken über Auguste D. Die Personen waren auf diese Art und Weise ganz eng miteinander verwoben und die von Claudia Schaare ausgewählten Musikstücke, vor allem ihre Interpretation, gaben dem stimmungsvollen Vortrag eine ganz besondere Note.
Roswitha Voss, Geschäftsführerin des Paritätischen Seesen, freute sich, rund 60 Besucher begrüßen zu können.
Bürgermeister Erik Homann sprach in seinem Grußwort die hohe Zahl der an Demenz erkrankten Menschen an und forderte zu einem verständnisvollen, toleranten Miteinander im alltäglichen Zusammenleben auf. Die Stadt Seesen sieht sich an dieser Stelle aufgefordert, Planungen in Richtung demenzfreundliche Kommune gemeinsam mit unterschiedlichen Akteuren zeitnah aufzunehmen, & in die Praxis umzusetzten. Der demografische Wandel in Seesen & im gesamten Landkreis Goslar erfordert von den Städten & Gemeinden Konzepte für neue Lebens- und Wohnformen, Infrastrukturmaßnahmen sowie Mitarbeiterschulungen & Informationsveranstaltungen für die Bürger.
Christiane Berndt-Knop, Leiterin des HilDe-Projektes im Paritätischen Sozialzentrum, erinnerte daran, dass das 2. Literarische Konzert anlässlich des Weltalzheimertages 2012 veranstaltet wurde. Jedes Jahr am 21. September findet der Weltalzheimertag statt, um den Menschen mit Demenz eine Stimme & eine Lobby zu geben, um das Engagement von pflegenden und betreuenden Familienangehörigen wertzuschätzen und zu würdigen, um zu informieren und land­auf landab gelungene Demenzprojekte vorzustellen, vor allem aber die Medien auf das Thema aufmerksam zu machen. Das Motto 2012 ist „Demenz – gemeinsam leben“.
Menschen mit Demenz gehören in die Mitte unserer Zivilgesellschaft und alles was heute auf den Weg gebracht wird, kommt den Erkrankten von morgen zugute. Eine wichtige Botschaft war: Zwei Drittel der älteren, hochbetagten Menschen sind geistig fit und nur ein Drittel von ihnen leidet unter einem krankhaften Verlust des Gedächtnisses. Eine gesunde, bewusste Lebensführung, geistige & körperliche Bewegung sowie ein guter Ernährungsstatus sind die beste Vorsorge für ein gesundes Altern. Die Reihe der Literarischen Konzerte wird im Jahr 2013 fortgesetzt, voraussichtlich mit der Figur der Florence Nightingale.