„Die Renten werden weiter sinken“

Wolfgang Ebersen informierte beim ver.di-Ortsverband über die Zukunft der Renten.  Foto: Hoffmann

Wolfgang Ebensen informiert beim ver.di-Ortsverband Seesen über Rentenentwicklung

Wer glaubt, das Thema Altersarmut liegt noch in weiter Ferne, der täuscht sich.

Das wurde am vergangenen Donnerstag deutlich, als die Gewerkschaft ver.di Seesen zu einem Diskussionsabend ins Bürgerhaus eingeladen hatte. Ortsverbandsvorsitzender Charly Gottschalk begrüßte die Gäste im Bürgerhaus und machte darauf aufmerksam, dass gerade junge Menschen die leidtragenden sind und sein werden.
Zu Gast war an diesem Abend Wolfgang Ebensen vom ver.di-Ortsverband Celle. Er referierte über die vergangenen und zukünftigen Veränderungen der Rentenwerte. „Rentner und Rentnerinnen werden in der Zukunft ihren bisherigen Lebensstandard nicht mehr halten können“, erklärte Ebensen den Gäste in seinem Vortrag. Oft müsse das Sozialamt einspringen, um für die Lebenskosten der Rentner aufzukommen. Drunter leiden vor allem Kinder und Enkelkinder, denn meist verpflichtet das Sozialamt Familienmitglieder die Kosten der Eltern oder Großeltern zu übernehmen um diese finanziell zu unterstützen.
Doch das sei nicht das einzige Problem. Mit der Deutschen Einheit im Jahr 1990 wurden alle DDR-Bewohner in die Rentenversicherung Westdeutschlands übernommen, die sozialen Kosten dafür wurden der Rentenkasse zu Lasten gelegt, ebenso wie viele weitere versicherungsfremde Leistungen. Die Kosten für dieses Verfahren laufen erst im Jahr 2030 aus.
Ein weiteres Problem stellen die rund acht Millionen Spätaussiedler dar, denn auch hier würden die Kosten den Rentnern und versicherungspflichtigen Arbeitnehmern zur Last gelegt. Wolfgang Ebensen betonte, man könne nicht einfach nur zusehen, wie das Rentensystem kippe, man müsse handeln und die Parteien noch vor den nächsten Wahlen überzeugen, Änderungen im aktuellen Rentensystem vorzunehmen sowie den staatlichen Missbrauch der Rentenbeiträge einzudämmen.
Schon seit Jahren versuche man außerdem, den Rentenwert Ostdeutschlands auf den Stand des Wertes in Westdeutschland anzuheben, doch dies geschieht eher anders herum, da der Rentenwert im Westen immer weiter sinkt.
Doch wann muss der Gesetzgeber den Rentenwert ändern? Sinkt der Wert des Rentenwertes bis zum Jahr 2020 unter 46 Prozent des Nettobetrags ohne Steuer, so muss der Gesetzgeber unverzüglich Änderungen vornehmen. Unterschreitet der Rentenwert bis 2040 einen Wert von 43 Prozent des Nettobetrags ohne Steuern, muss eine abschließende Stabilisierung vorgenommen werden. Mit der Unterschreitung von 43 Prozent werde allerdings schon weit vor 2030 gerechnet.
Wer vor dem Regelalter in Rente geht, der muss mit einer Rentenkürzung von zirka 0,3 Prozent pro Monat rechnen, dies gelte zunächst nicht für die Altersrente nach 63 Lebensjahren oder einem Mindestwert von 45 Beitragsjahren. Doch aufgrund des hohen Rentenalters steige auch die Zahl der Nutzer der Erwerbsminderungsrente, diese reicht allerdings kaum zum Leben.
Schuld daran sei auch der viel zu hohe Rentenabschlag, erklärt Wolfgang Ebensen. Der Rentenabschlag wurde mit einer längeren und früheren Bezugsdauer der Rente begründet, dies sei aber nie eingetreten, erzählte Ebensen weiter. Die Rentenbezugsdauer sei zwischen 1995 und 2013 lediglich von 14 auf 17 Jahre gestiegen.
Laut Experten seien vor allem die CDU/CSU und die FDP Schuld an der großen Renten-Misere, denn sie führten den Nachhaltigkeitsfaktor und auch den Rentenabschlag ein. Die Parteien schwächten die Rentenfinanzen also nachhaltig mit ihren Entscheidungen.
Aber auch die SPD und Grüne entlasteten ihre Wähler 1998 nicht, sondern kürzten im Laufe der Zeit sogar die Renten, inklusive der Witwenrente. Außerdem stimmten sie einer Teilprivatisierung der Rentenversicherung entgegen dem Willen der Bevölkerung zu.
Zum Ende seines Vortrages wies Wolfgang Ebensen auch auf den aktuellen Aufstand der Senioren in Schleswig-Holstein hin. Unter dem Slogan „Wer Rentner quält, wird nicht gewählt“ kämpfen die Senioren um ihre Rente und somit gegen eine weitere Senkungen des Rentenniveaus und erreichen damit deutschlandweite Unterstützung. Ziel sei es, die Parteien so unter Druck zu setzen, dass sie sich gezwungen sehen etwas zu ändern.
Ebensen kämpferisch: „Wir müssen uns überlegen, wie wir uns nun gegenseitig helfen können, wie wir uns zuhause privat organisieren um den Rückgriff auf unsere Rente nicht möglich zu machen.”
Den Menschen müsse klar gemacht werden dass ein schwerwiegendes Problem vorliege, gegen das man gemeinsam vorgehen müsse. Auch riet er, schon jetzt Geld zu sparen und vorzusorgen, um für den besagten Zeitpunkt vorbereitet zu sein.