Die Schlachten sind geschlagen - Kanonen- und Musketendonner verhallt

Eindrucksvolle Kulisse mit tollen Licht- und Nebeleffekten.
 
Kiloweise Champignons gingen über den Tresen. Schon die Zubereitung duftete köstlich.

Es ist seit 39 Jahren immer wieder das Gleiche und dennoch ist es von Jahr zu Jahr anders: Das Historische "Sehusa Fest" in Seesen hat Tradition und ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. In der gesamten Region genießt das Historienspektakel den Ruf, etwas Besonderes zu sein. Das Eintauchen in die mehr als 1000-jährige Geschichte Sehusens – und diese hautnah zu erleben, lockte ein Mal mehr Abertausende Besucher nach Seesen.

Alle Schlachten sind geschlagen, die Stände, Bänke, Zäune und Bühnenelemente auf den Weg trocken verstaut zu werden. Das Mittelalterfest, feierte am vergangenen Samstag seinen Auftakt zum 39. Mal. Das Wetter am Samstag stand unter einem guten Stern. Bei sommerlichen Temperaturen verfolgten viele Tausend Seesener und Gäste das Treiben auf dem Festareal.

Es sollte sich als ein ruhiges Sehusafest herausstellen, aber nur aus Sicht der Einsatzkräfte von Polizei, DRK und Feuerwehr. Trotz Tag der Niedersachsen am Wochenende zuvor, platzte die Innenstadt aus allen Nähten. Galt es doch, das historische Spektakel mitzuerleben und selbst ein Bad im Mittelalter zu nehmen. Bereits am Samstagmittag startete der historische Markt. Der Seesener Markt zur Renaissance im Schlosspark war gespickt mit allerlei Kram, Quacksalbern, Zahnbrecher, Zigeuner, Gaukler, Musikanten, Ackerbürgern, Landsknechte, Musketiere, Schutten, Herolde, Barbier, Ritter, Knappen, Marketenderinnen, Kanoniere, Gaukler, Landknechtswerbern und der schön legendären Rittertafel. Über 60 Handwerkskünste aus früherer Zeit konnten bestaunt und erlebt werden. Natürlich auch vieles käuflich erworben werden.

Nur wenige Ecken weiter empfingen Badefrauen Gäste für ein wohlfeines Zuberbad. Es fehlte an nichts, Massagen, „Speyß und Trank“ - fast jeder Wunsch zum Wohlfühlen - wurde erfüllt. Nach und nach füllten sich die Straßen, Gassen und Wiesen auf dem Festareal. So manch eine Küche blieb an diesen Tagen kalt. Der typische Sehusa-Duft nach brennendem Holz und allerlei Köstlichkeiten lag in der ganzen Innenstadt in der Luft. So konnte man sich an Gesottenem und Gebratenen in allen Varianten laben und sich mit leckeren Champignons, die in einer der großen Pfannen zubereitet wurden, eine Gaumenfreude bereiten. Überall brutzelten Steaks über dem offenen Feuer und auch Vegetarier kamen auf dem Fest nicht zu kurz. Nichts zu Spüren von den Schattenseiten einer der dunkelsten Zeit-Epochen der Geschichte. Ganz im Gegenteil: Die Stadt war bevölkert mit friedlichen Zeitreisenden, die ihren kurzweiligen Moment in Seesen in vollen Zügen genossen.

Das Mittelalterliche Open-Air-Konzert der beiden Mittelalterbands Cultus Ferox und Pestilenzia, startete am Samstag kurz nach der Sage vom Siberhohl und sorgte für ausgelassenes Open-Air-Feeling. Mehr als 2500 Besucher verfolgten das Mittelalterliche Konzert der beiden Mittelalterbands auf der Wiese vor der Burg Sehusa am Wilhelmsplatz. Bis tief in die Nacht feierten die Seesener und ihre Gäste.

Auch der Sonntag - mit dem Adlerschießen, Bärenfang, historischem Festzug, Belagerungsszenen der Schutten, Ringstechen, Schwertkämpfen, Schießvorführungen, Tänze aus dem Rokoko, Reiterquadrille und dem mystischen Feuerspectaculum - stand dem Samstag in nichts nach. Nur das Wetter machte zu Beginn seine Kapriolen. So startete der 30-jährige Krieg bei leichtem Regen, was jedoch nichts an seinem Ausgang mehr veränderte. Am Nachmittag nahm aber alles wieder seinen gewohnten Lauf bei gutem Wetter und angenehmen Temperaturen.

Die bevorstehende Bundestagswahl zog so einige prominente Besucher mit sich. SPD-Bundesvorsitzender Sigmar Gabriel schlenderte am Samstag mit Gefolge über das "Sehusa Fest" und Landesvater Stephan Weil wohnte am Sonntag bei. Der „Wahlkampf“ blieb aber eine Randerscheinung auf dem Historienfest. Diese „Schlacht“ entscheidet sich erst am 22. September, alle anderen Schlachten wurden bereits geschlagen.