Die Verherrlichung des Chlodwig Poth

Die Hauptakteure des Abends: F. W. Bernstein und Anna Poth. (Foto: Oliver Jung)
 
Mehr als 50 Gäste folgten der Einladung in das Städtische Museum. (Foto: Oliver Jung)

Anna Poth las im Wechselspiel mit F. W. Bernstein

Die Stadt Seesen und der Freundeskreis Städtisches Museum hatten jetzt die große Freude, Anna Poth, Witwe des verstorbenen Satirikers, Karikaturisten und Comiczeichners Chlodwig Poth, und F. W. Bernstein (bürgerlicher Name: Fritz Weigle), Lyriker, Graphiker, Karikaturist und Satiriker, zu einer Lesung im Städtischen Museum begrüßen zu dürfen.
Vor mehr als 50 Gästen stellte Bürgermeister Hubert Jahns die Protagonisten der Veranstaltung vor und definierte den Begriff Komik. Sie sei keine Comedy, sondern weise ein gerüttelt Maß mehr an „Tiefgang“ auf – das Gehirn werde verstärkt gefordert.
Grundsätzlich, so konstatieren Wissenschaftler, die sich „ernsthaft“ mit der Materie befasst haben, durchbreche Komik Erwartungshaltungen. Die überraschende Konfrontation mit Missverhältnissen oder -verständnissen zeitige unwillkürliches Lachen.
Bernstein, der ab 1972 als Kunsterzieher an der Pädagogischen Hochschule in Göttingen wirkte und 1984 bis zu seiner Pensionierung als Professor für Karikatur und Bildgeschichte in Deutschland an der Hochschule der Künste Berlin fungierte, mischte ab April 1964 in der Redaktion des satirischen Monatsmagazins „Pardon“ mit. Wenig später hob er im Schulterschluss mit Robert Gernhardt und F. K. Waechter die Pardon-Beilage „Welt im Spiegel“, die „unabhängige Zeitung für eine sauberere Welt“, aus der Taufe. Zudem legte F. W. Bernstein gemeinsam mit Robert Gernhardt, Eckhard Henscheid, Chlodwig Poth, Bernd Eilert und Hans Traxler den Grundstein für die „Neue Frankfurter Schule“, deren „Resultate“ im Satiremagazin „Titanic“ ihren Niederschlag fanden. Aus dieser „Schulzeit“ resultierten unter anderem die Gemeinschaftswerke „Die Drei“ und „Die Wahrheit über Arnold Hau“ – herrlich intelligenter Nonsens.
Chlodwig Poth begann schon in jungen Jahren mit dem Zeichnen und ließ sich dabei zunächst von Wilhelm Busch inspirieren. 1947 nahm er ein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Angriff, arbeitete ab 1948 für die Zeitschrift „Der Insulaner“, gehörte zu den Initiatoren der Satire-Zeitschrift „Pardon“ und war Wegbereiter der „Titanic“. Nach dem Umzug in den Frankfurter Vorort Sossenheim befasste sich Poth in den Bildern von „Last Exit Sossenheim" mit seiner neuen Wahlheimat – seine Sossenheim-Arbeiten bescherten ihm den Titel „Moderner Zille“.
Bernstein führte zu Beginn der Lesung ins Programm ein, kündigte die „Verherrlichung von Chlodwig Poth“ sowie Kostproben aus dem Themenkomplex „Wagner, SPD und Sossenheim“ an.
Anna Poth, die aus dem schier unerschöpflichen Werk ihres Mannes wählen kann, brachte unter anderem Heiteres aus dem Buch „Leben eines Taugewas“ zu Gehör – so erfuhr das Auditorium beispielsweise wie Heintje im Tonstudio fast zum Kastraten avanciert und wie schwer es sein kann, einen Kopfhörer-Adapter zu erwerben...
F.W. Bernstein, der nicht nur aus seinen und anderen Schmunzelwerken vortrug, sondern auch auf die Gründungszeit der „Titanic“ zu sprechen kam, erfreute zum guten Schluss anhand einer Karikatur mit Klangedichten (Sonetten) und spiegelte damit die von Altkanzler Schröder zitierte „Wirkliche Wirklichkeit“ Sossenheims wider.
Bürgermeister Hubert Jahns bedankte sich für die erbauliche Lesung bei Anna Poth mit einem Blumenstrauß und bei F. W. Bernstein mit dem aktuellen Bildband der Stadt Seesen. oj/am