Die Visitenkarte der Innenstadt

Aktuell macht die Straße „Am Markt“ nicht viel her. Das soll sich ändern. Im Zuge der Stadtsanierung soll dieser Bereich herausgeputzt werden. Die Straße soll zur Visitenkarte der Stadt werden.
 
„Die Straße „Am Markt“ soll ein Hingucker werden und die Menschen in die Stadt locken. Das belebt dann auch den Einzelhandel.” Professor Dr. Rainer Hobigk Infraplan Gesellschaft für Infrastrukturplanung mbH
 
„Die verschiedenen Pflasterarten werden für die Abtrennung zwischen Straße, Parkplätzen und Bürgersteigen sorgen. Zudem werden die Bürgersteige breiter.” Andreas Heiko Metzing (Ingenieurbüro Metzing)

Stadtsanierung beginnt im Frühjahr in der Straße „Am Markt“ / Kosten liegen bei 575.000 Euro

Die Seesener Innenstadt soll schöner werden. Dies ist das erklärte Ziel von Bürgermeister Erik Homann, seinem Mitarbeiterstab sowie dem Rat der Stadt Seesen. Als Erstes soll die Straße „Am Markt“ im Zuge der Stadtsanierung umgestaltet werden. Der Baubeginn ist für das Frühjahr 2013 anvisiert. Eine Kollision der Bauarbeiten mit dem Sehusafest schließt der Verwaltungschef aus.
Die Straße „Am Markt“ ist quasi das Tor zu Seesens „Flaniermeile“, versprüht aber bisweilen keinen wirklich einladenden Charme. Diese Meinung vertritt auch Professor Dr. Rainer Hobigk (Infraplan Gesellschaft für Infrastrukturplanung mbH), der für die optische Neuerung der Straße verantwortlich zeichnet.
Am Montagabend stellte sich der Professor zusammen mit den Mitarbeitern der Seesener Baubehörde, Bürgermeister Erik Homann und Andreas Heiko Metzing (Ingenieurbüro Metzing) den Fragen der Bevölkerung im Bürgerhaussaal. Es war die zweite Sitzung dieser Art.
Gleich zu Beginn machte Homann deutlich, dass es sich bei dieser Zusammenkunft nicht um ein Gremium mit Entscheidungskompetenz handelt, sondern dass die Veranstaltung alleine der Information dient. Die Entscheidungen obliegen dem Verwaltungsausschuss und dem Rat der Stadt. Dennoch, und das betonte der Verwaltungschef gleich mehrfach, sind ihm und seinen Mitarbeitern, die Anregungen aus der Bevölkerung wichtig.
Professor Dr. Hobigk erläuterte zunächst den Stand der Planung. „Der Bereich der Straße „Am Markt“ ist die Visitenkarte der Stadt und sollte auch entsprechend präsentiert werden.“ so Hobigk. Aus diesem Grund soll die Straße auch genau das vermitteln was sie ist. Der Eingang zur Innenstadt mit Einzelhandelsgeschäften und Restaurants.
Das bisherige Erscheinungsbild ist vor allem geprägt durch große Parkflächen, eine kaputte Straßendecke, einen alten Baumbestand und einen viel zu schmalen Bürgersteig. Am Ende der Sanierung soll die Straße freundlicher und großzügiger wirken. Deshalb soll die aktuelle Länge der Parkplätze auch verringert werden, um mehr Platz für die Bürgersteige zu schaffen. Diskutiert wird eine Länge von fünf Metern, und eine Breite von 2,75 Metern. Insgesamt würden so sieben Parkplätze verschwinden, was nach Ansicht von Peter Schuster, Anlieger in der Straße „Am Markt“, nicht weiter stören sollte. „Die Parkplätze auf der Seite des Amtsgerichts werden fast nicht genutzt, was wahrscheinlich auch damit zusammenhängt, dass sie kosten­pflichtig sind“, so Schuster. Zudem soll der Bereich in eine verkehrsberuhigte Zone umgewandelt werden.
Auch der Baumbestand in der Straße soll dezimiert werden. Die Platanen, die gegenwärtig dort stehen, sollen allesamt gefällt und durch neue ersetzt werden. Diese Pläne stießen bei den Zuhörern am Montagabend jedoch auf ein geteiltes Echo. Nach aktuellem Planungsstand sollen insgesamt sechs neue Platanen gepflanzt werden. Alle Bäume sollen gesäumt sein von einem Beet mit einer Dauerbepflanzung. Die Bürger vertraten jedoch die Meinung, das ruhig weitere Bäume eingeplant werden sollten, auch, wenn das auf Kosten weiterer Parkplätze ginge. Die Mitglieder des extra für die Stadtsanierung geschaffenen Arbeitskreises nahmen die Vorschläge dankend an, und werden sie in der Ratssitzung am 21. November einbringen.
Als weitere Maßnahme soll am Eingang der Straße eine Art Stadttor entstehen. „Ein Erkennungszeichen“, wie es der Infrastrukturplaner Professor Hobigk formulierte. Es soll aber kein Stadttor werden, was sich über die gesamte Breite der Straße erstreckt. Vielmehr wird überlegt auf beiden Seiten, jeweils zwei gegenüberliegende Betonpfeiler in den Boden einzubringen, und in der Mitte das „Fenster zum Harz“ zu installieren. „Dies wäre dann auch eine Fortschreibung des Marketingkonzeptes der Stadt“, sagt Professor Hobigk.
Im Zuge der Sanierung sollen auch die Höhenunterschiede zwischen Bürgersteig und Straße verschwinden. Für eine Unterscheidung zwischen Straße, Parkplätzen und Bürgersteig sorgen unterschiedliche Pflasterungen.
Ingenieur Andreas Heiko Metzing führte aus, dass bei der Sanierung der Straße keine tiefe Auskofferung vorgenommen werden muss. Der Untergrund ist frostsicher und standfest. Im Bereich der Bürgersteige sieht das jedoch anders aus. Dort muss der Untergrund verbessert werden, um langfristig Stabilität zu gewährleisten.
Bürgermeister Erik Homann zeigte sich Ende der zweiten Infoveranstaltung zufrieden mit deren Verlauf. „Die Atmosphäre war harmonisch und konstruktiv. Die Anregungen der Bürger werden wir auf jeden Fall in der weiteren Planung berücksichtigen“, erklärt der Verwaltungs-Chef.
Die endgültige Entscheidung über die Sanierungsmaßnahme soll der Rat in seiner Sitzung am 21. November fällen. Vorausgesetzt die Pläne passieren den Verwaltungsausschuss.
Im Gespräch mit dem „Beobachter“ machte Homann am Tag nach der Veranstaltung nochmals deutlich, dass das Sehusafest von der Baumaßnahme nicht beeinträchtigt wird. „Die Hauptarbeiten werden Ende August abgeschlossen sein. Und mögliche fehlende Pflastersteine auf den Gehwegen sollten auch keine Probleme darstellen. Im Mittelalter gab es ja auch keine derart befestigten Straßen“, so der Bürgermeister.

Hintergrund zur Stadtsanierung

Die Seesener Innenstadt soll im Rahmen des Stadtsanierungsprogramms in den kommenden Jahren Stück für Stück umgestaltet und saniert werden. Das Programm, das vom Bund aufgelegt und von den einzelnen Ländern umgesetzt wird, sieht im Grundsatz eine Belebung der Innenstädte vor. Aufgenommen in das Programm werden jedoch nur Städte, die förderungswürdig sind. Das heißt, es muss sich um Innenstädte handeln, die ein „gewisses Potenzial“ aufweisen. Dabei geht es unter anderem um den Ausbau des Einzelhandels und die Steigerung der Einkaufsattraktivität und -qualität. Die Kosten für die jeweiligen Maßnahmen werden zu je einem Drittel von Bund, Land und Kommune getragen. Dabei gilt es aber eine vorher festgelegte Obergrenze einzuhalten. Der Ausbau der Straße „Am Markt“ in Seesen schlägt nach vorläufiger Kostenberechnung mit rund 575.000 Euro zu Buche. Bürgermeister Erik Homann teilte auf Nachfrage mit, dass dieser Betrag etwas über dem vorgegebenen Förderbudget liegt; was aber damit zusammenhängt, dass die Preissteigerung bei Festlegung der Bemessungsgrenze nicht eingerechnet wurde. Erik Homann ist froh darüber, dass das Land die Stadt Seesen als förderungswürdig einstuft. Seiner Ansicht ist dies ein klares Signal. Die Stadt Seesen hat trotz mannigfaltiger Probleme großes Potenzial, das genutzt werden muss.