„Die Welt schaut auf Seesen, und das muss sie auch!“

   

Feierliche Wiedereröffnung des Städtischen Museums: Gäste und Gratulanten überschlagen sich in Superlativen

Build the best piano possible –so lautet die Philosophie des Unternehmens Steinway & Sons, dass der Seesener Henry E. Steinway mit seinen Söhnen 1853 in New York gründete. Man könnte meinen, Seesens Bürgermeister Hubert Jahns habe denLeitsatz der berühmten Familie leicht modifiziert übernommen. „Gestalten Sie das bestmögliche Museum für Seesen!“

Wer am Freitag bei der feierlichen Eröffnung des Seesener Museums dabei war, durfte gleich eine ganze Reihe Gäste erleben, die sich in Superlativen übten. So beispielsweise Manfred Sitz (Director Finance Steinway & Sons Hamburg), der konstatierte, dass das Unternehmen stolz sei, dass dem großen Pionier im Klavierbau nun in Seesen mit einem Museum gehuldigt werde.
Das Interesse an der Wiedereröffnung des Museums war riesengroß. Weil absehbar war, dass der Rahmen, die Räumlichkeiten im „kleinen, aber feinen Museum“ (Hubert Jahns) nicht ausreichen würde, wechselte man ins angrenzende Kirchenzentrum, wo der Bürgermeister der Stadt Seesen Gäste und Sponsoren gleichermaßen willkommen hieß.

Der Ablauf der Feier entsprach an diesem Abend der inhaltlichen Strukturierung des Museums. Dem Geigenvirtuosen Louis Spohr, dem ein eigener Ausstellungsbereich imMuseum gewidmet ist, wurde durch die musikalische Umrahmung der beiden Spohrpreisträgerinnen Stephanie Appelhans an der Geige und Julia Rinderle amKlavier gewürdigt, natürlich an einem Steinway-Flügel.
Der umfassende Vortrag von Prof Dr. jur. Gunther Kühne ‘Von Seesen in die Welt – Das Reformjudentum’ würdigte die Geschichte und die Bedeutung Israel Jacobson, und da natürlich auch die Dosenfabrikation durch den Namen Züchner und seine Konserven untrennbar mit der Stadt Seesen verbunden ist, gelang es Hubert Jahns auch hier, den Zusammenhang herzustellen. „Aber keine Angst, wir servieren Ihnen heute keinen Dosenfraß“, so Jahns, dem anzusehen war, wie stolz er auf die punktgenaue Fertigstellung des Museums ist. Ein Dankeschön schickte er an die am Umbau beteiligten Unternehmen. „Es war eine Menge Arbeit, die sich gelohnt hat.“

Mit Hinweis auf kleine Schwierigkeiten, die sich beim Schlussspurt ergeben hätten, merkte er mit einem Augenzwinkern an: „Manches wurde übertüncht. Das werden Sie aber gar nicht sehen!“ Stimmt, denn beim anschließenden Rundgang durch das neue Schmuckstück der Stadt war von ‘Übertünchtem’ nichts zu sehen. Im Gegenteil. Alle Besucher zeigten sich unisono beeindruckt von dem, was hinter verschlossenen Türen nach rund einjähriger Bauzeit nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Der Umbau des Museums hat – wie erwähnt – ein gutes Jahr gedauert und rund 900.000 Euro gekos­tet. Ermöglicht wurde dieses Bauvorhaben vor allem durch Mittel, die der Stadt von der N-Bank (Niedersachsen Bank) zur Verfügung gestellt wurden. Die N-Bank war mit etwa 400.000 Euro beteiligt.

Als weitere Investoren haben sich die Stiftung Nord LB/Öffentliche, die Niedersächsische Sparkassenstiftung und die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz mit jeweils rund 150.000 Euro engagiert. Die Stadt Seesen musste einen Betrag von 150.000 Euro aufwenden, um die hohen finanziellen Zuschüsse bewilligt zu bekommen. Allen, die sich dafür eingesetzt haben (Jahns: „Auch ich selbst habe Gas gegeben!“) dankte der Bürgermeister ausdrücklich.

Anfangs wurden Überlegungen angeführt, das Museum als Steinway-Museum zu betiteln. Weil das aber den erwähnten Spohr, Züchner und Jacobson wiederum nicht gerecht geworden wäre, hat das Museum keinen neuenNamen erhalten. Als touristischenLeuchtpunkt verspricht sich Seesen dennoch einiges.

In Kooperationen beispielsweise mit Besuchen in Bad Gandersheim und einemBesuch im nahegelegenen Wilhelm-Busch-Haus verspricht man sich Anreize im touristischen Bereich zu schaffen. „Die Besucherahlen werden ansteigen. Das ist sicher,“ soJahns, der alle Besucher animierte, für die Museum zu werben. „Es möge eine lebendige Stätte kulturellen Lebens werden, die Vergangenes und Gegenwärtiges zusammenführt.“ SeinenWorten schlossen sich Axel Richter (Stiftung Nord/LB Öffentlich) Propst Thomas Gleicher als „Hausherr“ des Kirchenzentrums, und Manfred Sitz von Steinway & Sons aus Hamburg an.
Richter sparte nicht mit Lob und sagte dann den Satz, der wohl mit Blick auf die Neugestaltung wohl am prägnantesten ausdrückt, was hier geschaffen wurde: „Die Welt schaut auf Seesen, und das muss sie auch!“

Propst Thomas Gleicher wiederum verstand sich in seiner Rolle nicht allein als Vertreter der Kirche, sondern vielmehr als ein„Bürger dieser Stadt“. Das Museum und allen voran die Finanzierung sind ein Glücksfall für Seesen“, so Gleicher, der auch Gedankenspiele anhand der Definition des Wortes Museum vom International Council of Museums (ICOM) bemühte. Sein Dank galt neben Hubert Jahns auchAxel Henniges von der Stadt Seesen und dem Museumsleiter Friedrich Ohrend, der in der Zeit der Umbauphase im Kirchenzentrum „beherbergt“ wurde.

Bevor Professor Kühne mit seinem rund 25-minütigenund mit Bildern unterlegten Vortrag zu Israel Jacobson, der durch die religiöse Entwicklungslinie den Namen Seesen in die Welt getragen hatte, den Wiedereröffnungsfeier schloss, ergriff Manfred Sitz das Wort und erinnerte noch einmal an das große Wirken Henry E. Steinways. Ausgehend vom Küchenflügel, den Steinweg im Jahr 1836 in seiner Küche fertigte, entstanden in der Produktion von Steinway & Sons bis heute mehr als 590.000 Flügeln und Klavieren.
Nach wie vor gibt es nur zwei Produktionsstätten weltweit. Während die Fabrik in New York für den amerikanischen Markt zuständig ist, beliefert Hamburg den so genannten „Rest der Welt“. Sitz empfand, dass eine „Wallfahrt“ nach Seesen nun Pflicht für jeden Steinway-Liebhaber sei. Seesen sei zum „must have“ geworden.

So viel Lob tat gut, machte natürlich aber auch neugierig, und so strömten die Besucher durch den Seitenausgang des Kirchenzentrums durch die Kälte der anbrechenden Novembernacht ins Museum, um sich selbst ein Bild zu machen von der Neugestaltung. Den sich anschließenden Gesprächen war zu entnehmen, dass sich im Vorfeld niemand zu weit aus dem sprichwörtlichenFester gelehnt hatten.