Dieseldiebe kommen glimpflich davon

Wegen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe und einer Geldauflage verurteilt

Seesen (hz). Besonders gesprächig waren die beiden Dieseldiebe aus Thale, die sich am gestrigen Mittwoch vor dem Seesener Amtsgericht verantworten muss­ten, nicht gerade. Wäh­rend der 39-jährige Angeklagte kommentarlos zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt wurde, muss sein 31-jähriger Bekannter nun 2.600 Euro an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zahlen.
Im Juli letzten Jahres zapfte der 39-Jährige gemeinsam mit seinem Bekannten Dieselkraftstoff aus dem Sattelzug eines Mineralölhandels, bei dem der Angeklagte als Fahrer angestellt war, ab. Aufmerksam gemacht wurden die Polizeibeamten aus Seesen von einem Passanten, der die Manipulation an dem Fahrzeug am Parkplatz „Kiliansloch“, beobachtet hatte. Beim Eintreffen der Beamten waren bereits drei 30-Liter-Kanister mit Diesel gefüllt; ein weiterer befand sich in dem Pkw des 31-Jährigen, der seinem Bekannten bei dem Diebstahl behilflich war.
Die beiden Angeklagten verweigerten vor Gericht die Aussage, ließen jedoch über ihren Verteidiger erklären, dass sie den Kraftstoff wegen Verunreinigungen zum Eigengebrauch abgezapft hatten. Die beiden Polizeibeamten konnten allerdings vor Ort feststellen, dass es sich um sauberen und nicht etwa verunreinigten Kraftstoff handelte – eine Schutzbehauptung, die auch der Vorsitzende Richter Frank Rüger für mehr als unglaubwürdig hielt.
Nachdem der Vorfall dem Arbeitgeber des 39-Jährigen gemeldet wurde, fiel auf, dass dieser wohl nicht zum ersten Mal unerlaubt Diesel „abgezwackt“ hatte: Der Verbrauch des Kraftfahrers hatte sich im Laufe der Zeit von 32 auf 47 Liter pro 100 Kilometer erhöht. Nach der fristlosen Kündigung liegt der durchschnittliche Verbrauch nun wieder bei 32 Litern.
Weil der Berufskraftfahrer bereits einschlägig vorbestraft ist, forderte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Rüger hingegen ließ Gnade walten und beließ es bei einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.