Doppik-Einführung lässt die Beamten schwitzen

Die Einführung der doppelten Buchführung kostet die Stadt bis zu 600.000 Euro

Von Maximilian Strache, Seesen

Die Umsetzung des neuen kommunalen Rechnungswesens (Doppik) bringt die Mitarbeiter der Stadtverwaltung derzeit ganz schön ins Schwitzen. Denn spätestens ab dem 1. Januar 2012 muss auch die Stadt Seesen doppisch buchen.
Bei der sogenannten „Doppik“ handelt es sich um einen Kunstbegriff, der als Abkürzung für die doppelte Buchführung steht. Für Wirtschaftsunternehmen ist die doppelte Buchführung selbstverständlich. Die zuständigen Mitarbeiter in den Verwaltungen der Kommunen müssen sich dieses aufwendige Verfahren aber erst mühsam aneignen.
Bei der doppelten Buchführung muss jeder Geschäftsvorgang in zweifacher Weise erfasst werden. Präsentiert werden die Ergebnisse dann in einer Bilanz. Die Aktiv-Seite einer Bilanz weist die „Formen des Vermögens“ aus. Es beantwortet grundsätzlich die Fragen „worin investiert wurde“ und „wie die Mittel eingesetzt wurden“. Die Passiv-Seite gibt Auskunft über die Quellen der Finanzierung. Also „wie wurde finanziert“ und „woher stammen die Mittel“. Bisher hat die Stadt die kameralistische Buchführung angewendet. Die Kameralistik diente der systematischen Erfassung von Einnahmen und Ausgaben im städtischen Haushalt. Mit der Ergänzung der Kameralistik um die Doppik nach dem Haushaltsgrundsätzegesetz (HGrG) im Jahr 2006 wollte der Gesetzgeber zunächst die Weichen für eine höhere Transparenz der Kosten, Kostenvorteile und effizientere Arbeitsvorgänge schaffen. Mit der Modernisierung des HGrG im Jahr 2009 wurde dann die Möglichkeit vom Gesetzgeber geschaffen, die kamerale Haushaltswirtschaft durch die Doppik zu ersetzen.
Doch die Einführung der doppelten Buchführung auf kommunaler Ebene ist zunächst einmal mit erheblichen Kosten verbunden, wie Bürgermeister Hubert Jahns verrät. Insgesamt rechnet der Verwaltungschef mit bis zu 600.000 Euro an Ausgaben, bis die „Doppik“ vollständig umgesetzt ist. Vor allem Mitarbeiterschulungen sowie Neuanschaffungen von Software und Hardware verursachen immense Kosten. Geld, das dann womöglich an anderer Stelle des Haushalts fehlt.
Problematisch an der Umstellung ist vor allem, dass die Finanzstatistik nicht mehr mit einheitlich strukturierten und zuverlässigen Daten versorgt wird. Der Grund dafür liegt in der divergierenden Erlassung von Rechtsvorschriften in den einzelnen Bundesländern. Die zunächst viel beschworene Vergleichbarkeit der Haushalte bei der Änderung des HGrG geht somit verloren.
Auch die Räte der Kommunen sollen, so will es zumindest die Theorie, durch die Einführung des neuen Buchführungssystems bessere Steurungsmöglichkeiten an die Hand bekommen. Voraussetzung ist aber, dass die Ratsmitglieder in der Lage sind, die komplexen Bilanzen lesen zu können. Sind die Ratsmitglieder aber in der Lage, eine Bilanz kognitiv zu erfassen, hätten sie aber auch einen größeren Einblick in den Finanzfluss der Kommune als zuvor, ist sich Jahns sicher. In diesem Zusammenhang berichtet der Bürgermeister von Städten, die die Umstellung bereits vollzogen haben und bis dato zufrieden mit den neuen Abläufen sind. Für die Ratsmitglieder der Stadt Seesen soll deshalb eine Informationsveranstaltung ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Dort sollen die Kommunalpolitiker Einführungen in die Bilanzierung, das Controlling und die Buchungsvorgänge bekommen. Der neue Haushalt für 2012 wird übringens schon doppisch vorgelegt.