Dr. Georg Ruppelt hält Festvortrag

Dr. Georg Ruppelt, Direktor der Leibniz Bibliothek in Hannover, richtet sein Wort am 10. Juli an die Gäste des Stifterfestes in Seesen.

Stiftung „Kirche in unserer Zeit“ feiert Stifterfest am Freitag, 10. Juli

„Am 7. Mai 1756 ließ der einflussreiche König Alaungphaya in Mynamar einen Brief auf Feingold schreiben und mit 24 wertvollen Rubinen schmücken. Adressat dieses Kunstwerkes war der britische König Georg II., der dem deutschen Adelsgeschlecht der Welfen entstammte und zu der Zeit in Personalunion auch das Kurfürstentum, beziehungsweise das spätere Königreich von Hannover regierte. Dieser Brief blieb im Eigentum des Königsreiches Hannover und wurde in der kurfürstlichen Bibliothek, in der der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz 40 Jahre lang wirkte, bis heute sorgfältig aufbewahrt. Tausende von Menschen drängten sich bei Ausstellungen um diese Kostbarkeit.“ Mit diesen Worten vermittelte mir der Direktor der Leibniz Bibliothek in Hannover, Dr. Georg Ruppelt, einen exemplarischen Eindruck der großartigen Exponate dieser berühmten Bibliothek. Unter anderem beherbergt diese hochkarätige Stätte der Kultur auch den gesamten Nachlass von Gottfried Wilhelm Leibniz, dessen Briefwechsel zum Weltdokumentenerbe der UNESCO gehört. Wenn die Niedersächsische Landesbibliothek zum Jahresende nach einer umfangreichen Kernsanierung erneut ihre Pforten öffnet, werden ihre musealen Kostbarkeiten wieder der Allgemeinheit zugänglich sein. Um nun auch jüngere Menschen an Kultur und Kulturtechniken heranzuführen, ist Dr. Ruppelt darüber hinaus intensiv eingebunden in die Arbeit der Akademie für Leseförderung Niedersachsen und der Stiftung Lesen. Diese Arbeit ist hocherfolgreich. Wenn auch das aktuelle Zeitungswesen gegenüber den schnelleren digitalen Informationsmedien etwas abnimmt, so kann sich der Verlags- und Buchbereich über deutlichen Zuwachs freuen. Es gab weltweit noch nie so viele veröffentlichte Bücher wie in unseren Tagen. Und dabei bekämen „Bibliotheken mehr und mehr die Funktion eines Dorfbrunnengeschehens vergangener Zeiten“, erläutert Dr. Ruppelt, „hier konzentriert sich der Austausch von Wissen und kulturellen Bedeutsamkeiten.“ Darüber hinaus gebe es noch immer kein Medium, das Wissen zuverlässig speichern könne, wie Bücher und Schriften. Die aktuelle Forschung des umfassend gebildeten und beeindruckenden Leiters der Leibniz-Bibliothek bezieht sich auf das Thema „Displaced-Persons-Camps“. Damit sind die Konzentrationslager gemeint, die nach der Befreiung durch die Alliierten zunächst als Übergangswohnstätten für die ehemals geschundenen und gequälten Inhaftierten dienten; beispielsweise auch Bergen-Belsen. Alle diejenigen, die damals keinen anderen Ort zum Leben mehr hatten, richteten sich dort ihre vorläufige Lebenswelt ein. Sie organisierten unter anderem eine eigene Verwaltung, gestalteten ein eigenes Kulturleben und betrieben Druckereien. Zu diesem Thema wird noch vieles zukünftig an die Öffentlichkeit gelangen.
Dr. Ruppelt wird anlässlich des Stifterfestes der Stiftung „Kirche in unserer Zeit“ den Festvortrag halten und mit den Gästen eine literarische Reise unternehmen: „Von Bibliophilen und Bibliofilous in der Literatur.“ Dabei wird es um Bücherfreunde und kleine Büchergauner gehen. Auf die Frage wie denn der gebürtige Niedersachse zum Lesen gekommen sei, antwortete er: „Ich war schon in früher Jugend ein Vielleser, lesen hat mir immer schon viel Freude bereitet. Einen großen Anteil daran hatte auch die damalige „Fahrbücherei“, die nach dem Krieg von den Amerikanern eingerichtet wurde. Einmal in der Woche kam ein Bus als rollende Bibliothek nach Salzgitter-Lebenstedt und so konnte ich mich dort mit Lesestoff versorgen.“
Nach Abitur und Bundeswehrzeit studierte Ruppelt Geschichte, Germanistik, Pädagogik und Philosophie, um dann nach Staatsexamen und Promotion Leitungsfunktionen in unterschiedlichen Bibliotheken wahrzunehmen. Schließlich wurde er Stellvertreter des legendären Leiters der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, Paul Raabe, der für ihn Mentor und Freund war. Nach diesen wertvollen Jahren wechselte er 2002 als Direktor zur Niedersächsischen Landesbibliothek, die seit 2005 den Namen Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek trägt. Hier initiierte er unter anderem die Gründung der Akademie für Leseförderung und die Aufnahme des Leibniz-Briefwechsels in das UNESCO-Weltdokumentenerbe.
Darüber hinaus zeichnete er sich für zahlreiche Kongresse verantwortlich und sorgte für einen erheblichen Bedeutungszuwachs dieser erstklassigen Bibliothek. Dazu liegt ihm neben der ständigen inhaltlichen Erweiterung der Bibliothek auch deren räumliche Verbesserung am Herzen. Ende 2015 wird die Bibliothek in neuem Glanz erstrahlen. Ende des Jahres wird er dann in den Ruhestand überwechseln, mit 68 Jahren. Neben zahlreichen Ehrenämtern und hochrangigen Auszeichnungen weist sein Publikationsverzeichnis Hunderte von Veröffentlichungen aus; zahlreiche TV- und Hörfunksendungen kommen noch dazu. Die Propsteistiftung freut sich also sehr, mit Dr. Georg Ruppelt einen erstklassigen Festredner gefunden zu haben.
Das Stifterfest der „Kirche in unserer Zeit“-Stiftung findet am Freitag, 10. Juli, am Kirchenzentrum in Seesen statt. Eröffnet wird das Fest um 18 Uhr mit einem Gottesdienst, um 19 Uhr folgt die Festrede und ab 20 Uhr wird mit einem Buffet und interessanten Tischgesprächen gelockt. Anmeldungen werden unter der Rufnummer (05381) 94290 entgegengenommen.