Drohende Moorlandschaften mit Kalk bekämpfen

Luftverschmutzung führt dazu das "saurer Regen" auf die Erde prasselt. Dies führt zur Übersäuerung der Böden.
 
Die Folgen niedriger PH-Werte sind nährstoffarme Böden. Die Vegetation verändert sich.

Hubschrauber kreisen seit 8 Tagen über den Forsten um Wolfshagen und Goslar

Im Jahr 1984 wurde die erste Forstkalkung im Harz durchgeführt. Damals wurden Testversuche über dem Lautenthaler Forst durchgeführt. Heute, etwa 20 Jahre später, ist die Forstkalkung technisch ausgereift. In den vergangenen acht Tagen kreisten nun die Hubschrauber über den Waldgebieten Nordberg, Grotenberg, Lüttgenberg und dem Kirchenwald Langelsheim und zogen lange Kalkfahnen hinter sich her.

Um die Kalkmischung zu laden müssen die zwei Piloten ihre Fluggeräte nicht landen. Die Behälter, die an langen Seilen hängen, werden zu Boden gelassen und Radlader befüllen die rund 750 Kilogramm fassenden Bottiche mit einer grobkörnigen Mischung aus Kalk und Magnesium. Revierförster Rainer Hoffmeister erklärt die chemische Zusammensetzung des Gemischs als Notwendigkeit: „Der Magnesiumanteil macht rund 35 Prozent des Gemisches aus und sorgt für wichtige Nährstoffe.“
Die Kalkung der Wälder ist nötig, weil sich die Waldböden durch Niederschläge verschiedener Art verändern, sie werden sauer. Schuld daran ist der Mensch. Abgase von Autos, Fabriken und Flugzeugen verpesten die Luft. Gebunden in Regen oder Schnee prasselt diese Verschmutzung auf Wiesen und Wälder. Saure Böden führen dazu, dass sich die Vegetation verändert. Im schlimmsten Fall könnten sich die heute prächtigen Laub- und Tannenwälder in karge Moorlandschaften verwandeln.
Um das zu verhindern wurde vor 20 Jahren mit der flächendeckenden Kalkung der Forste begonnen. Zehn Jahre hält eine Kalkung, dann muss sie erneuert werden, um die Übersäuerung der Böden zu neutralisieren. Insgesamt wurden 500 Hektar Wald in den vergangenen Tagen aus der Luft mit dem Hubschrauber gekalkt. 70000 Euro kostet die Aktion. Gelder, die streng genommen vom Steuerzahler aufgebracht werden. Für die Forstkalkung stehen Fördertöpfe zur Verfügung. Die Europäische Union, die Länder und der Bund sichern die Finanzierung.
Den Zuschlag für die Forstkalkung bekam nach bundesweiter Ausschreibung die Firma „Hetralog“ aus Westfalen. Mit zwei Hubschraubern, zwei Radladern, zwei Tankfahrzeugen und drei Lkws kam das Unternehmen am Montag vergangener Woche in den Harz gereist. Das Kalkgemisch kommt aus Osterode am Harz.
Geflogen wird von Morgens bis die Dunkelheit über den Wäldern hereinbricht. Gelandet wird nur zum tanken. Einmal in der Stunde müssen die Piloten runter um ihren Tank aufzufüllen. Die zu kalkenden Gebiete werden den Piloten mittels eines Navigationsgeräts gewiesen. Seen und Bachläufe werden ausgelassen. Sie werden weiträumig umflogen.
Die Waldgebiete werden von der Revierförsterei vor der Kalkung großflächig abgesperrt. Waldbesucher haben dann keinen Zutritt. „Es besteht jedoch keine Gefahr für den Menschen. Einzig der erhöhte Lkw-Verkehr bildet ein kleines Sicherheitsrisiko“, so Revierförster Hoffmeister. Auch für die Tiere bildet die Forstkalkung keine Beeinträchtigung. „Die Hubschrauber fliegen nur sehr kurz über die einzelnen Waldteile. Ich denke, dass die Tiere fast nichts von der Aktion bemerken“erläutert Hoffmeister.
Einen Zwang die Kalkung durchzuführen gibt es nicht. Die Forstbesitzer können selbst entscheiden, ob sie an der Maßnahme teilnehmen wollen. Da die Waldkalkung jedoch meist mit 90 bis 100 Prozent von den beschriebenen Fördertöpfen getragen wird, ist eine Ablehung der Waldbesitzer eher unwahrscheinlich.
Da es sich bei der Waldkalkung nur um die Bekämpfung der Symptome und nicht um die Bekämpfung der Ursachen für übersäuerte Boden handelt können Anstrengungen die Luftverschmutzung zu verringern nicht vernachlässigt werden. Zwar sei die Verschmutzung, laut Hoffmeister, in den letzten Jahren rückläufig, an der Waldkalkung führe jedoch auf absehbare Zeit kein Weg vorbei.