„Du stellst meine Füße auf weiten Raum!“

Rund 200 Mitglieder und Gäste kamen zum 100. Geburtstag der Frauenhilfe ins Kirchenzentrum.
 
Altbischöfin Maria Jepsen hielt den Festvortrag.

Frauenhilfe Seesen wurde 100 und wirkt trotzdem so jung wie nie

Die Frauenhilfe Seesen leistet seit 100 Jahren quicklebendige Arbeit. Das wurde auch am vergangenen Wochenende einmal mehr deutlich, als die Frauenhilfe ihr 100-jähriges Bestehen feierte. Der Vorstand unter der Federführung von Heike Gleicher hatte das Fest mit liebevoll gestalteten Einladungskarten vorbereitet.

Rund 200 Frauen waren dieser Einladung gern gefolgt und fanden sich in der St.-Andreas-Kirche ein. Propstei-Kantor Andreas Pasemann hatte seine Mädchen-Kantorei aktiviert, um ihr das aktuell gelebte Programm aktiver Frauenarbeit am Harz nahezubringen.
Propst Thomas Gleicher ging in seiner Festpredigt auf die einzelnen Fußspuren aus 100 Jahren Geschichte ein. Unter dem Motto „Auf weitem Raum“ begleitete er die Inszenierungen der Seesener Frauen. Von den Kinderschuhen angefangen ging es über Lackschuhe zu den Wanderschuhen. Dann kamen die Tanzschuhe dran. Die Schuhe stehen für alle Abschnitte eines zugewandten Lebens. Alle Aspekte dieses Lebens spiegeln sich in der 100-jährigen Geschichte der Seesener Frauenhilfe wider, so der Propst.
Aus den Kinderschuhen entwachsen, verlieh die klare Auftragslage in der Zeit des Zweiten Weltkrieges der Frauenhilfe eine sehr stabile Zukunft. Die Wanderschuhe stehen für den nicht immer einfachen Weg nach dem Zweiten Weltkrieg. Viele Ortsgruppen haben sich mittlerweile aufgelöst, weil niemand mehr die Hauptverantwortung übernehmen mochte.
Die Seesener Frauenhilfe steht für die zuletzt vorgestellten Schuhe: die Tanzschuhe. In der Tat: Die Seesener Frauenhilfe hat einen wichtigen Übergang geschafft. Vor zehn Jahren hatte Annelies Popp die bestehende Arbeit aus Gründen der Überalterung aus bestem Grund für beendet erklärt.
Heike Gleicher jedoch nahm die mögliche Herausforderung an und sorgte mit Gleichgesinnten dafür, dass vor Ort ein neuer Typ Frauenhilfe aus der Taufe gehoben werden konnte. Seit der Zeit treffen sich engagierte Frauen aus Seesen nun nicht mehr am Nachmittag, sondern am Abend nach der Arbeit und behandeln aktuelle Themen der Gegenwart.
Die Beitragsfrage des Landesverbandes ist derzeit flexibel geregelt. Schließlich liegt es ja im Interesse des Landesverbandes, dass es weiterhin Frauenhilfen-Gruppen gibt. Viel wichtiger aber ist, dass die Seesener Frauen „ihren“ Tag unbeschwert genießen konnten. Dazu trug nicht zuletzt der sehr engagiert vorgetragene Festvortrag von Alt-Bischöfin Maria Jepsen bei. Sie ermutigte aufgrund der eigenen biographischen Erfahrungen als seinerzeit erste deutscher Bischöfin in Deutschland die Seesener Frauen zu unerschrockenem Umgang mit den kirchlichen Herausforderungen der Zukunft.
In ihrem Festvortrag zeichnete Maria Jepsen die Hauptlinien der Beteiligung der Frauen an der christlichen Bewegung nach. Es habe lange gedauert, bis die Frauen als gleichberechtigte Partnerinnen in der Kirche volle Anerkennung gefunden haben. Selbst Martin Luther habe sich die Frauen nicht auf der Kanzel vorstellen können.
Dies habe sich erst im letzten Jahrhundert geändert, als in den Landeskirchen nach und nach die Frauen-Ordination zum Pfarrdienst eingeführt wurde. Maria Jepsen wünschte der Frauenhilfe Seesen, dass sie das neue Frauenbild bewahren und fortentwickeln könne. Die Unterstützung des neuen Landesbischofs Dr. Meyns sei ihnen dabei gewiss, habe er doch bei seiner Amtseinführung am selben Tag ein klares Bekenntnis zur Frauenhilfe abgelegt.
Bei dem sich anschließenden Festmahl an den liebevoll geschmückten Tafeln musizierten Kai Gehrling und Petra Fritsche-Grothe von der Formation „Jangster“ aus Alfeld sensibel lauschige Tafelmusik. Im Nachgang zu dieser wirklich schönen Kirchen-Veranstaltung war zu erfahren, dass sogar noch die Tanz-Schuhe zum Einsatz kamen.