Eckpfeiler diakonischer Arbeit in Rauna

Kräftig anpacken hieß es, als die insgesamt elf Tonnen Hausrat und Bekleidung verladen wurden.
 

Nachschub für Kleiderladen in der lettischen Partnergemeinde auf den Weg gebracht

Als der allerletzte Karton passgenau in die noch verbliebene Lücke eingebracht worden war und sich der Fahrer des Sattelzuges anschickte, die Plane mit geübten Griffen zu vertäuen, atmeten die freiwilligen Mitstreiter aus den Reihen der Kirchlichen Lettlandhilfe zunächst einmal kräftig durch, und dann erleichtert auf. Waren sie doch bereits am frühen Donnerstagvormittag auf das Gelände der ehemaligen Teigwarenfabrik geeilt, um jene Sachspenden zu verladen, die nicht nur die Seesener Bürger dort Ende vergangenen Monats angeliefert hatten.
Insgesamt elf Tonnen Hausrat und Bekleidung, so resümierte der Vorsitzende der Kirchlichen Lettlandhilfe, Pastor i. R. Kurt Hoppe, gegenüber dem „Beobachter“, wären im Verlauf der von fünf auf drei Tage reduzierten Sammelaktion zusammengekommen; ein Ergebnis, mit dem man zwar „irgendwie schon gerechnet hatte“ – allerdings nicht in so kurzer Zeit. Und so bat er denn auch noch einmal um Verständnis dafür, dass „uns nichts anderes übrig blieb, als die Dauer der Aktion entgegen der ursprünglichen Planung zu verkürzen“.
Elf Tonnen Hausrat und Bekleidung – für ihn zum einen ein deutliches Zeichen dafür, dass der Wille, den Menschen in Rauna helfen zu wollen, nach wie vor ungebrochen ist; zum anderen aber auch Anlass, all denen im Namen des Vorstandes Dank zu sagen, die sich in die diesjährige Herbst-Sammelaktion zugunsten der lettischen Partnergemeinde Rauna eingebracht hatten.
Abermals hätten sie nämlich einen wertvollen Beitrag dazu geleistet, die im Rahmen des Projektes „Hilfe zur Selbsthilfe“ in Rauna freigesetzten Aktivitäten besonders mit Blick auf die alten und kranken Menschen, auf die kinderreichen Familien und auf die, in denen die Eltern oder Erziehungsberechtigten keine Arbeit haben, auf eine auch weiterhin sichere und gesicherte Basis zu stellen.
Schon seit einiger Zeit, so erinnerte Hoppe, würden die im Kleiderladen erzielten Einnahmen nicht nur zur Deckung der dort anfallenden Miet- und Nebenkosten sowie zur Finanzierung des Transports der Hilfsgüter von Seesen nach Rauna dienen. Vielmehr könnten die dort tätigen Frauen zudem in einem – wenngleich eher bescheidenen Umfang – für ihren Einsatz im Kleiderladen entlohnt werden.
Nach den Worten der Vorsitzenden des Stiftungsrates der Evangelisch-lutherischen Gemeinde Rauna – Diakonisches Zentrum, Anita Lubuze, sei es nunmehr außerdem möglich, auch andere diakonische Maßnahmen finanziell zu begleiten – so zum Beispiel die Arbeit in der neuen Altenbegegnungsstätte.
Dass darüber hinaus die direkte Hilfe nicht zu kurz kommt, versteht sich von selbst. Denn die Mitarbeiterinnen in dem Kleiderladen kennen die Menschen, die zu ihnen kommen; wissen um deren finanzielle Situation und um deren Bedürftigkeit. Und sie machen an diesen Kriterien die Höhe der ohnehin niedrig angesetzten Verkaufspreise fest. Im Klartext heißt das, dass da ein Mantel schon einmal für ein oder zwei Lat (ein Euro entspricht rund 0,703 Lat) über den Verkaufstresen geht. Es bedeutet aber auch, dass – sollte die finanzielle Notlage besonders groß sein – auf einen finanziellen Obolus ganz und gar verzichtet wird.
Eine Praxis, die sich – wie Anita Lubuze berichtet – bewährt habe. „Vor allem die, für die ein warmer Wintermantel, ein Paar neuer oder fast neuer Schuhe, ein Kaffee- oder Essservice aus Porzellan oder Keramik, ein oder zwei Wolldecken, ein Paar Skier oder aber Spielzeug für die Kinder über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg zu den Wünschen zählten, die sich nicht erfüllen ließen, haben durch die Spendenbereitschaft der Bürger aus dem Raum Seesen, durch das Engagement der Kirchlichen Lettlandhilfe sowie durch die hier von Ort freigesetzten Aktivitäten die Möglichkeit erhalten, ihren Lebensalltag und ihr unmittelbares Umfeld nachhaltig zu verbessern.“
Und so reiht denn auch sie sich in den Reigen derer ein, die Dank sagen. Die abermals große Spendenbereitschaft würde zeigen, dass sich „viele Menschen aus Seesen und der Umgebung von Seesen Gedanken über die Situation der Bürger in Rauna machen, dass sie sich in deren Lage zu versetzen suchen, und dass sie die Notwendigkeit erkennen, solidarisch zu handeln.“
Ihr Dank und der des Vorstandes der Kirchlichen Lettlandhilfe, galt nicht nur den Spendern, sondern vor allem auch den ehrenamtlichen Mitstreitern, die auch dieses Mal wieder die Sachspenden entgegen genommen, versandfertig gemacht und schließlich auf den Weg nach Rauna gebracht hatten.