EHEC ist nun auch in der Vorharzstadt Seesen „angekommen“

Prof. Dr. Ortlepp. (Foto: Asklepios)

Zwei Patienten in den Asklepios Kliniken Schildautal behandelt – Bisher nur
milde Verläufe – Infektionsquelle ungewiss – Schutzmaßnahmen

Seesen (bo). Wie Professor Dr. Jan R. Ortlepp, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Intensivmedizin in den Asklepios Kliniken Schildautal Seesen, in einer Presseverlautbarung mitteilte, seien bereits zwei Patienten – einer mit gesicherter EHEC-Infektion, ein weiterer mit einem EHEC-Verdachtsfall – auch stationär im Seesener Krankenhaus behandelt worden. Professor Ortlepp: „Beide Patienten hatten nur einen milden Verlauf, konnten zügig entlassen werden und befinden sich in der ambulanten Nachsorge, um ein mögliches hämolytisch-urämisches-Syndrom (HUS) rechtzeitig zu erkennen.“ Während sich ein Patient mutmaßlich im Hamburger Raum infizierte, habe sich der andere aller Wahrscheinlichkeit in Seesen die Infektion zugezogen. Nach Untersuchungen an der Mikrobiologie der Uniklinik Göttingen und Münster handele es sich bei diesem Keim zwar um einen sehr resistenten ESBL-E. coli, jedoch nicht um den EHEC aus Norddeutschland. Der Erreger sei pathogener als bei bisheriger EHEC-Infektion, daher gelte auch ein besonderes Augenmerk der Prävention.
Professor Ortlepp und Andreas Tappe, Hygienefachkraft der Asklepios Kliniken, weisen nochmals auf die bereits in den Medien mehrfach publizierten Maßnahmen zum Schutz vor EHEC in Privathaushalten hin. Gesicherte Maßnahmen zum Schutz vor lebensmittelbedingten Infektionen im Privathaushalt sind:
•Hände vor und nach der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit rohem
Fleisch gründlich mit Wasser und Seife waschen und sorgfältig trocknen.
•Rohmilch vor dem Verzehr abkochen.
•Rohes Fleisch getrennt von anderen Lebensmitteln lagern und zubereiten.
•Flächen und alle Gegenstände nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich
reinigen und trocknen, Verpackungen oder Tauwasser sofort entsorgen.
•Wischtücher und Handtücher regelmäßig auswechseln und bei mindestens 60°C
waschen, Schwämme vermeiden.
• Rohes Gemüse und Obst vor dem Konsum schälen oder zumindest gründlich
waschen.
Bei blutigen Durchfall, heißt es in der Pressemitteilung weiter, sollte immer eine Stuhlprobe auf EHEC untersucht werden. Die Inkubationszeit für die Durchfallerkrankung betrage zwei bis zehn Tage. Das HUS könne im Mittel sieben Tage nach Beginn des Durchfalls entstehen, aber auch später. Die Infektiösität (Ansteckungsmöglichkeit) bestehe mehrere Tage bis mehrere Wochen, so dass die Benutzung einer eigenen Toilette für erkrankte Patienten dringend notwendig sei. Während die reine Durchfallerkrankung symptomatisch (in der Regel ohne Antibiotika) behandelt werde, erfolge beim HUS eine spezifische Therapie. Die internistische Intensivstation in Seesen habe zur Behandlung des HUS die erforderliche Ausstattung (Plasmapherese und Blutwäsche), so dass bereits Anfragen aus dem Hamburger Raum zur möglichen Übernahme solcher Patienten gestellt worden seien.