Ehemalige „Eintracht“-Sänger waren wieder auf Tour – Mitteldeutschland war das Ziel

Gruppenfoto.
 
Panorama-Museum Bad Frankenhausen. (Foto: Sander)
Seesen (hs). Obwohl der Gemischte Chor „Eintracht“ in Seesen als Klangkörper nicht mehr existiert, bilden die Menschen um Jutta Lampe als ehemaliger Vorsitzenden dieser Vereinigung nach wie vor eine eingeschworene Gemeinschaft. Und als solche Einheit unternehmen sie einmal im Jahr zusammen mit Freunden und Bekannten eine gemeinsame dreitägige Busfahrt. Ausgearbeitet wird eine solche Reise stets vom Ehemann der einstigen Chorleiterin Claudia Schaare, Detlef Schaare, der seine Fahrgäste neben seiner eigentlichen Tätigkeit als Busfahrer auch immer mit den jeweiligen Sehenswürdigkeiten unterwegs bekannt macht und sie auf der gesamten Reise an seinem profunden Wissen über das Land, die Leute und die geschichtlichen Hintergründe teilhaben lässt.
War im vorigen Jahr die Vulkaneifel mit Altenahr das Ziel, so ging es dieses Mal nach Mitteldeutschland mit Merseburg an der Saale als Hotelstandort. Die Region Mitteldeutschland wurde ausgewählt, weil sie eine Fülle berühmter, geschichtsträchtiger Orte bietet und ihre Gäste durch eine Vielzahl an Kulturschätzen und Naturschönheiten beeindruckt. Und mit Merseburg, der Dom- und Hochschulstadt, eröffnet sich dem Besucher die burgenreiche Weinregion des Saale-Unstrut-Tales.
Doch bevor man diese Region erreichte, galt es, vom Bus aus einen Blick auf das monumentale Kyffhäuser-Denkmal zu werfen, wo Kaiser Barbarossa der Sage nach immer noch auf seine große Stunde warten soll.
In Bad Frankenhausen thront über der Stadt auf dem Schlachtberg ein zylindrisches Bauwerk, welches ein beeindruckendes Gemälde von 14 Metern Höhe und 123 Metern im Umfang birgt – das Panoramabild „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“. Dieses imposante Kunstwerk mit über 3000 Einzelfiguren, ausgeführt in Öl auf Leinwand von Werner Tübke, zählt zu den größten und figurenreichsten Gemälden der Kunstgeschichte.
In Bad Lauchstädt konnte das seit 1802 original erhaltene Goethe-Theater zwar nicht besichtigt werden, aber dafür wurde in der gepflegten Parkanlage eine nachmittägliche Pause eingelegt und ein Blick auf die historischen Kuranlagen des einstigen „sächsischen Pyrmont“ geworfen.
Am Hotelstandort Merseburg bestand ausreichend Gelegenheit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden, wobei ein Muss für jeden Besucher der Dom genannt werden soll. Dieser bildet zusammen mit dem Schloss das malerische vieltürmige Ensemble, welches oberhalb der Saale die Stadt überragt und an das sich der wunderschöne Schlossgarten mit seinem Schlossgartensalon angrenzt.(Der Folgetag war der Messestadt Leipzig vorbehalten. Im Rahmen einer ausgedehnten Stadtrundfahrt wurde sich zunächst ein gewisser Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Stadt verschafft. Und dann hieß es, ein weiteres monumentales steinernes Baudenkmal zu erkunden beziehungsweise zu erklimmen: das Völkerschlachtdenkmal. Auf über 500 teils recht engen Steinstufen ging es bis auf über 90 Meter ganz nach oben, doch dort angekommen, wurde die Mühe des Aufstiegs mit einem grandiosen Rundumblick über die Stadt und das weite Umland belohnt. Später in der City blieb dann die Qual der Wahl, ob zuerst die Nikolaikirche, Auerbachs Keller, das Rathaus, das „Kaufhaus mit Gleisanschluss“ (gemeint ist hier der Leipziger Hauptbahnhof), die Thomaskirche oder nur eben die Fußgängerpassage erlebt werden wollte.
Auf der Fahrt durch die Lande konnte bestaunt werden, wie die zur DDR-Zeit als „Dreckschleuder“ bezeichnete Region sich positiv verwandelt hat. Ehemalige Braunkohleabbaugebiete beispielsweise wurden renaturiert und geflutet und bilden heute wertvolle Naherholungsgebiete. In Lützen wurde die Gustav-Adolf-Gedenkstätte angefahren, unterhält die schwedische Nation mit diesem Grabmahl hier in Deutschland doch ein kleines exterritoriales Gebiet für ihren ehemaligen König, der dort während des 30-jährigen Krieges zu Tode kam und auch begraben wurde.
Nachdem man auch dem oberhalb der Jahn- und Weinstadt Freyburg gelegenen Schloss Neuenburg mit seinem romanischen Bergfried, dem „Dicken Wilhelm“, einen Besuch gemacht hatte, ging es an Bord des Ausflugsschiffes „Unstrutnixe“ flussabwärts Richtung Naumburg. Doch bevor dort der Dom mit seinen berühmten Stifterfiguren oder die Innenstadt mit ihren prächtigen Bürgerhäusern und dem Rathaus besucht werden konnte, musste noch am „Blütengrund“ die Saale mit einer von Hand betriebenen Fähre überquert werden.
Mit vielen eindrucksvollen Bildern vor Augen, traten die ehemaligen Sangesfreunde ihren Heimweg an und freuen sich schon auf eine wiederum schöne Fahrt im nächsten Jahr.