Ehemalige Polizistin hält das Amtsgericht auf Trab

Seesener Vermieter muss sich wegen des Vorwurfs des Hausfriedensbruchs verantworten

Seesen (mn). Wer kennt sie nicht? Geschichten über komplizierte Mieter, die ihren Vermietern sprichwörtlich die Hölle heiß machen. Das Privatfernsehen wimmelt von derartigen Berichten. Vor dem Seesener Amtsgericht kam es gestern nun zu einer Verhandlung, die durchaus in diese Schublade gesteckt werden kann.
Ein 53-jähriger Großgrundbesitzer und Vermieter aus Seesen musste sich vor Richter und Staatsanwalt wegen Hausfriedensbruchs verantworten. Zur Anzeige brachte dies seine ehemalige Mieterin. Eine 34-jährige Hausfrau aus Seesen.
Schon beim Verlesen der Klageschrift wurde deutlich, dass es sich bei dem Fall um eine sehr vielschichtige Angelegenheit handelt.
Die Geschichte zwischen dem Großgrundbesitzer und der Hausfrau begann im Jahr 2000. Zunächst zog die junge Frau gemeinsam mit einem Kind in eine Wohnung des Angeklagten in Kirchberg ein. Schnell zeichnete sich ab, dass es nicht bei einem Kind bleiben sollte. Peu à peu kamen weitere Kinder und ein Lebensgefährte hinzu. Es musste eine neue, eine größere Wohnung her. In der gleichen Wohnanlage konnte die rasch wachsende Familie eine 120 Quadratmeter Wohnung beziehen. Der Vermieter blieb derselbe. In der neuen Wohnung setzte sich der Familienzuwachs fort. Zeitweise lebten dort bis zu acht Personen.
Ein Zustand, der für das Klima in der Wohnanlage, laut Aussage des Seesener Großgrundbesitzers, nicht zuträglich war. Ständige Streitereien zwischen den Kindern der 34-jährigen Hausfrau und anderen Mietparteien wurden dem Angeklagten zu viel.
Im April 2009 klopfte eine günstige Gelegenheit an die Tür. Die Versicherung des Vermieters verpflichtete ihn, ob der Zustände in der Wohnung, umfassende Renovierungsarbeiten durchführen zu lassen. Die Brandschutzvorschriften entsprachen nicht mehr den gesetzlichen Rahmenbedingungen. Bewaffnet mit den Auflagen der Versicherung machte sich der Angeklagte auf den Weg zu seiner Mieterin. Das war im September 2009. Der 53-Jährige machte der Mieterin deutlich, dass sie die Wohnung räumen müsse. Und zwar noch vor Weihnachten. Er bot ihr umfassende Hilfe an. Er beteiligte sich bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung, stellte die Kaution von 1600 Euro, besorgte einen Lkw, Umzugskartons und zehn tatkräftige Helfer. Vermieter und Mieterin einigten sich auf einen Umzugstermin Ende November. Der Vermieter mit Lkw, Umzugskartons und Helfern erschien zum vereinbarten Zeitpunkt an der Wohnung der Hausfrau. Diese sagte kurzfristig per SMS ab.
Eine neuer Termin musste gefunden werden. Die Parteien einigten sich auf einen Termin kurz vor Weihnachten. Was dann folgte, entbehrt fast jeglicher Beschreibung.
Der Vermieter reiste erneut mit Lkw, Umzugskartons und Helfern an. Die Mieterin ließ wieder auf sich warten. Ob der vorausgegangenen Absprache ging der Seesener Großgrundbesitzer davon aus, den Umzug auch ohne die Vermieterin beginnen zu können. Doch da hatte er die Rechnung ohne die Hartz-IV Empfängerin gemacht. Er ließ das Schloss von einem Tischler aufbohren und verschaffte sich Zugang zur Wohnung. Als das Umzugsteam schon munter beim Einpacken der Einrichtung war, tauchte die Mieterin auf. Sie rastete aus. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien drohte zu eskalieren. Die Polizei musste eingeschaltet werden.
Nach Klärung der äußerst undurchsichtigen Situation übergab der Vermieter den Lkw-Schlüssel an die Hausfrau und dessen Lebensgefährten. Sie sollten den Umzug nun alleine bewerkstelligen. Dieser Aufgabe kamen die Hartz-IV Empfängerin und ihr Lebensgefährte nur unzureichend nach. Sie kutschierten eine Fuhre mit ihrem Hab und Gut in die neue Wohnung, ließen den Lkw offen vor der Tür stehen und bemühten sich nicht wirklich, die Wohnung in Kirchberg besenrein zu hinterlassen.
Anstelle den Umzug schleunigst über die Bühne zu bringen zeigte die Mieterin indes ihren Vermieter wegen Hausfriedensbruchs an. Ein Mediationsgespräch beim Anwalt der Mieterin sollte Klärung schaffen. Im Raum stand neben dem Vorwurf des Hausfriedensbruchs auch die Behauptung der Mieterin, dass ihr während des Umzuges Wertgegenstände geklaut wurden. Am Ende der Mediation einigten sich die beiden Streithähne in einem einvernehmlichen Schreiben. Der Vermieter sollte für den angeblich entstandenen Schaden aufkommen. Die Mieterin zieht im Gegenzug ihre Anzeige zurück.
Beides ist nicht geschehen. Deshalb kam es zur Verhandlung vor dem Seesener Amtsgericht.
Die Mieterin, die als Zeugin in dem Prozess auftrat, behauptete eisern, dass der Vermieter an einem falschen Termin angereist war. Auch von der angeblich unterschriebenen Vereinbarung wusste die 34-Jährige inzwischen nichts mehr. Ein weiterer Zeuge brachte dann Licht ins Dunkel. Die Schilderungen des Vermieters entsprachen der Wahrheit. Für den Umzug war ein Freitag vor Weihnachten anberaumt. Die Aussagen der Mieterin entbehrten also jeglicher Grundlage.
Trotz des begangenen Hausfriedensbruchs stellte Richter Rüger das Verfahren ein. Der Vermieter hat mit seinen Auslagen in Höhe von etwa 6000 Euro schon genug zu Schultern. Natürlich hatte der Seesener Großgrundbesitzer nur eines im Sinn. Er wollte die nervige Mieterin loswerden. Dass ihm dabei fast jedes Mittel recht war kann man ihm indes nicht unterstellen. Sein Einsatz ist zwar nicht auf reine Nächstenlieb zurückzuführen, doch irgendwie verständlich.
Die Mieterin hat indes Schadensersatzansprüche in Höhe von 18.000 Euro gegen ihren ehemaligen Vermieter geltend gemacht. Ob sie damit durchkommt ist eher fraglich. Auf die Mieterin, die mit Adiletten zur Verhandlung erschien, warten in den nächsten Wochen und Monaten noch einige Verfahren vor dem Amtsgericht. Unter anderem muss sie sich wegen Beamtenbeleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt verantworten. Eine fantastische Karriere, bedenkt man, dass sie früher selber einmal Polizistin war.