Eifersucht ist das beste Genesungsmittel

Szene mit Rolf Schmidt, Anita Bierwirth, Jessica Kamps und Manfred Wode (von links).
 
Dem Dreiakter fehlte bei der Premiere nichts.

Dreiakter von Beate Irmisch „Suche Mann für meine bessere Hälfte“ / Karten sind im Gasthof „Ohnesorge“ erhältlich

„Fehlen tut dir nichts, denn du hast ja schon alles“, diesen Satz richtete Renate, die Rabiate, ihres Zeichens Gemeindeschwester auf der Bühne des „OhneSorge“-Saales, an den Jungbauern Max, welcher Molières eingebildeten Kranken große Konkurrenz machte. Und damit traf sein den berühmten Nagel auf den Kopf. Denn dem Dreiakter von Beate Irmisch „Suche Mann für meine bessere Hälfte“ fehlte in der Premiere der Schwiegershäuser Dorfbühne wirklich überhaupt nichts. Da stimmte alles, ob es nun die Monologe oder Dialoge, die Gestik, die Mimik, die Kostüme und Masken, das Bühnenbild und die Besetzung sowie die Inszenierung betraf.
Das Leben hätte das Spiel um Gier, Liebe, Eifersucht und Happy End nicht besser schreiben können. Darin waren sich die Zuschauer einig, denn der Szenenapplaus war spontan und der Schlussapplaus tobte vor Begeisterung und Anerkennung. Dass dem so war, dafür sorgte jeder einzelne Darsteller mit der Interpretation seiner Rolle.
Sven Wassmann schlüpfte in den rosafarbenen, am Hintern leicht gelöcherten Schlafanzug, und überzeugte als Jungbauer Max Wode, der meinte, alle Krankheiten in seinem Körper vereint zu haben, welche Mensch und Tier ereilen können. Erst die Eifersucht sollte sich als Allheilmitteln rausstellen. Jessica Kamps gab der Rosi, der gestandenen Bäuerin und Frau des Max einen überzeugenden Charakter.
Rolf Schmidt wiederum wusste den Vater von Max äußerst gut ins Bild zu rücken, wobei nicht nur der vom Keiler leicht in Mitleidenschaft gezogene Hintern ein wichtiger Fakt war. Angela Schmidt überzeugte als Schwägerin des Altbauern und Tante des Max. Mag sein, dass sich die eine oder andere darin wieder erkannt hat. Denn viele konnten bestimmt bestätigen, dass Liebe recht blind macht.
Melanie Wode vollzog eine gekonnte Verwandlung zur herzensguten und mit fast allen Wassern gewaschene Magd Olga Kempinksi, die nicht einmal den Dialekt ihrer Heimat vergaß. Und Reiner Wode sollte sich nicht wundern, wenn ihm mal angeboten wird, auf die Kanzel zu treten, um eine liturgischen Feier zu gestalten. Denn den gutmütigen, leicht aufdringlichen Pastor, der sich auch schon mal mit Hühnerfedern schmückt, nahm man ihm ohne Wenn und Aber ab.
Manfred Wode betrat nicht als J. R. Ewing aus Dallas, sondern als J. R. vom Eichsfeld, auch Grapscher genannt, mit Cowboyhut, Lederjacke und Gerissenheit die Bühne. Dabei rückte er das Ansehen eines Viehhändlers gekonnt ins Volksmundlicht. Bloß gut, dass seine Kalkulation am Ende nicht ganz aufging.
Und da war Renate Großkopf, welche sich einen kräftigen Hintern und Busen zugelegt hatte, um Gemeinschwester Renates deftiges, unerschütterliches Auftreten noch zu unterstreichen. Ein gestandenes Frauenzimmer von der ersten bis zur letzten Minute.
Da an eine guten Suppe Fleisch und Salz gehören, fehlten in dem kräftig auf die Schippe genommene Hofleben, während dem durchaus Tee getrunken wurde, in dem zuvor ein Hintern gebadet hatte, auch nicht der Aufklärungsunterricht, gewürzt mit scharfer Wortspielerei. So war beispielsweise zu vernehmen, dass es auch die Blumenhochzeit gibt, in welcher die Frau verwelkt und der Mann verduftet. Und die Magd gab dem J. R. aus dem Eichsfeld zum Thema Männlichkeit und Kinder zeugen mit auf dem Weg, dass bei drei Platzpatronen kein Schießstand mehr eröffnet werden sollte. Das Herumlümmeln sowie das verpönte, aber heiß begehrte Schlüssellochgucken sollten sich außerdem zu dem überaus wichtigen i-Pünktchen entpuppen.
Wer neugierig geworden ist und erfahren möchte, was es mit der Liebe und dem Verkuppeln so auf sich hat, sollte sich schnell für einen Kartenkauf entscheiden. Denn für alle noch anstehenden Auftritte sind nur noch wenige Karten zu haben. Montags, dienstags, donnerstags, freitags und samstags kann man sie ab 17 Uhr im Gasthof „OhneSorge“ erwerben.