Eigene Grenzen erkennen und verteidigen

Schüler der Sehusaschule und der IGS Oker wurden für das Thema sensibilisiert.
 
Übergriffe passieren oft im vertrauten Umfeld – wie der Clique.

Sehusaschule nimmt an dem Projekt „Grenzgebiete – Sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen“ teil

Sexuelle Übergriffe unter Gleichaltrigen werden häufig nicht öffentlich bekannt, da sie nicht aufgedeckt und angezeigt werden. Die jährliche polizeiliche Kriminalstatistik vermerkt jedoch in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg von Anzeigen gegen Jugendliche. Übergriffe passieren vor allem im vertrauten Umfeld, in der Clique, in Vereinen, auf Partys oder zu Hause. Die Täter sind in der Regel keine „Fremden“ sondern Bekannte und Freunde. Betroffene haben es daher schwer sich zu wehren und Hilfe zu bekommen, obwohl sie nötig wäre. Nicht zuletzt deswegen haben das niedersächsische Sozialministerium und die Landesstelle Jugendschutz im letzten Jahr eine Präventionskampagne gegen sexuelle Gewalt gestartet, die eine Fortbildung für pädagogische Fachkräfte, Infoveranstaltungen und ein Theaterprogramm der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück beinhaltet. „Grenzgebiete – Sexuelle Übergrife unter Jugendlichen“ heißt das dreijährige Projekt für Jugendarbeit und Schule.

Was, wenn aus Flirten Grabschen wird?

Das für dieses Pojekt von der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück erarbeitete Stück „EinTritt ins Glück“ beschäftigt sich mit dem Thema „Sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen“ und gibt mit schnellen jugendsprachlichen Dialogen und Monologen einen direkten Einblick in die Gefühlswelt vier Jugendlicher. Das theaterpädagogische Konzept befasst sich mit schweren Fragen, die recht einfach beantwortet werden können. Fragen wie: Wenn aus Flirten und Necken plötzlich Grabschen und sexuelle Nötigung wird – wie bringe ich mich dann in Sicherheit? Wo finde ich Unterstützung? Und was kann ich tun, um anderen zu helfen? Nach der Aufführung entwickeln die Schauspieler gemeinsam mit den Schülern Strategien, um sich in ähnlichen Situationen besser schützen zu können. Gemeinsam wird das Erlebte reflektiert.

Sehusaschule nimmt an Fortbildung teil

Im Rahmen des Kinder- und Jugendtages, der unter der Federführung des Landkreises Goslar, dem Jugendtreff Gleis 95 in Oker, der Integrierten Gesamtschule in Oker, der Sehusaschule Seesen sowie der Jugendfreizeitstätte und Jugendpflege Seesen stattfand, war die Theatergruppe am Mittwoch zu Gast in der Seesener Sehusaschule, um die 6. bis 10. Klassen sowie zwei 7. Klassen der IGSOker mit dem Thema vertraut zu machen. In Absprache mit der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen wurde für die Lehrkräfte bereits vor den Sommerferien eine Fortbildung organisiert. Hierbei wurden sie für das Thema sensibilisiert und bekamen konkrete Handlungsorientierungen vermittelt. Die Teilnehmer erhielten dabei Anregungen, wie sie sich verhalten können, wenn sie einen sexuellen Übergriff beobachten oder vermuten. Vermittelt wurden auch Methoden, wie man das Thema künftig behandeln und in die pädagogische Arbeit integrieren kann, und die helfen, über sexuelle Übergriffe zu sprechen und sexuellen Grenzverletzungen vorzubeugen.

Auch Eltern sollten sensibilisiert werden

Kompakte Informationen sind auch für alle Erwachsenen wichtig, die für Kinder und Jugendliche Verantwortung tragen. Daher findet in der kommenden Woche eine zusätzliche Infoveranstaltungen für die Eltern der Sehusaschüler statt, bei der sie grundlegende Informationen zu sexuellen Übergriffen unter Jugendlichen erhalten. Sie erfahren, wie sie ihre Kinder vor allem darin unterstützen können, sich gegen Grenzverletzungen zu wehren.

Ohne gute Gefühle läuft garnichts!

Ein selbstbewusstes Gefühl für die eigenen Bedürfnisse ist der beste Schutz vor sexuellen Übergriffen. Mit dem Theaterstück „EinTritt ins Glück“ wurden die Jugendlichen ermutigt „Nein“ zu sagen, sobald sie sich körperlich unwohl fühlen. Gleichzeitig wurden sie aber auch darin bestärkt „Ja“ zu sagen, wenn sie etwas mögen und schön finden. Denn nur wer klar kommuniziert und genau hinhört kann die eigenen Grenzen erkennen und verteidigen – und die Grenzen anderer respektieren.