Ein anschauliches Stimmungsbild der Seesener Nachkriegszeit

Ausstellung „Denn gelöst sind die Bande der Welt” wird im Städtischen Museum eröffnet

Am kommenden Donnerstag, 13. Oktober, wird um 19 Uhr im Städtischen Museum eine Ausstellung zur Seesener Nachkriegsgeschichte eröffnet.

„Denn gelöst sind die Bande der Welt", so der Titel, der dem Versepos „Hermann und Dorothea" von Johann Wolfgang von Goethe entnommen ist.
Dieser habe sein Werk zwar bereits vor über Zweihundert Jahren verfasst, so Dirk Stroschein, der die Ausstellung zusammengestellt hat, doch beweise es im Bezug auf Flüchtlings- und Vertreibungsgeschichte eine bis heute zeitlose Aktualität.
Die Seesener Ausstellung will dementsprechend Einblicke in eine Zeit vor rund 70 Jahren vermitteln, die von Unrast und Umwälzungen, Not und Auflösungserscheinungen geprägt war. Im Auftrag der Stadt Seesen erforscht Dirk Stroschein seit Längerem diese Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in der Harzstadt sowie ihren Stadtteilen.
Im Zentrum der Recherchen stehen die Auswirkungen der bereits während des Krieges einsetzenden Bevölkerungsbewegungen auf die alteingesessene Bevölkerung sowie Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur vor Ort.
Zu den Ausgebombten aus der Region kamen nach dem Krieg Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus den Ostgebieten Deutschlands nach Seesen, später gefolgt von Ostzonenflüchtlingen. Als weitere Aspekte der Seesener Nachkriegsgeschichte werden die Heimkehrer, die Displaced Persons sowie die Rolle der Besatzungsmächte und der Aufbau einer Selbstverwaltung in der neuen Demokratie berücksichtigt.
Die Ausstellung im Städtischen Museum zeigt zeitgenössische Exponate und vermittelt durch Originaldokumente und Lesestücke ein anschauliches Stimmungsbild der Nachkriegsgesellschaft. Die Besucher sollen auch dazu angeregt werden, mit eigenen Erinnerungen, Dokumenten und Materialien noch zum laufenden Forschungsprojekt beizutragen.
Die Ausstellung ist bis zum 30. Dezember im Städtischen Museum, Wilhelmsplatz 4, zu den Öffnungszeiten, Dienstag bis Freitag, 11 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag, 14 bis 17 Uhr, zu sehen. Weitere Begleitveranstaltungen sind geplant.