Ein außergewöhnliches Experiment

Auch vor dem Verlagsgebäude des „Beobachter“ filmte Jonas Matuschek Szenen für den geplanten Film.

Jonas Matuschek (27) wandert für ein Filmprojekt von Berlin über Seesen in das Bergische Land

Es ist ein außergewöhnliches Kunstprojekt, das den 27-jährigen Jonas Matuschek nach Seesen geführt hat. Genauer gesagt war Seesen nur die Durchgangsstation für den jungen Filmemacher aus Dresden. Von Berlin aus hatte sich Matuschek aufgemacht, um schließlich in Wipperfürth im Bergischen Land anzukommen.
Hier, auf einer unscheinbaren Wiese nahe der Ortschaft Stelberg, traf der junge Mann auf Emerson Culurgioni (29) und Nicolas Rossi (36), alle drei sind sie Absolventen der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Das Bergische Land bildete letztlich den geografischen Mittelpunkt der drei Städte Berlin, Zürich und Paris, von wo aus die drei Uni-Absolventen jeweils gestartet sind. In diesen drei Metropolen liegen die drei Filmemacher Harun Farocki (Berlin), Peter Liechti (Zürich) und Nicolas Rossi (Paris) – und genau dieser Umstand war die Triebfeder dieses ungewöhnlichen Experimentes. Während seiner Zwischenstation in Seesen suchte Jonas Matuschek den „Beobachter“ auf und berichtete in der Redaktion über die Hintergründe dieses ungewöhnlichen „Wander-Projektes“. Eigentlich handelte es sich weniger um eine Wanderung im eigentlichen Sinne, sondern viel mehr um eine Art Totenmarsch für die drei verstorbenen Filmemacher, die die jungen Menschen inspiriert haben. Jeder der drei Uni-Absolventen dokumentierte seine Erfahrungen und Eindrücke unterwegs mit einem anderen Medium. Während Jonas Matuschek unterwegs von Berlin ins Bergische Land seine Erlebnisse mit einer Videokamera filmte, zeichnete Emerson Culurgoni seine Erlebnisse auf eine Tonspur auf, Nicolas Rossi wiederum hatte unterwegs seine Eindrücke schriftlich festgehalten.
Nun sollen die Bilder, die Töne und der entstandene Text übereinandergelegt werden und einen asynchronen Film ergeben. Mittlerweile sind sie wieder zurück in Leipzig angekommen, können nach den Strapazen der Wanderung wieder regelmäßig duschen und haben das Wandergepäck längst im Schrank verstaut.
Alle drei arbeiten nun gemeinsam an dem Film, der ihnen in den 24 Tagen ihrer Reise zu Fuß zwar viel Entbehrungen gekostet, aber auch eine Menge Erfahrungen eingebracht haben dürfte. Gefördert wurde das besondere Kunstprojekt im Übrigen von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und dem Kulturamt der Stadt Leipzig sowie dem Werkleitz-Institut in Halle