Ein erlesener Genuss

Die Norddeutsche Barocksolisten begeisterten ihr Publikum in der St.-Andreas-Kirche. (Foto: Dürich)

2. Abonnementkonzert in der St.-Andreas-Kirche / Konzert mit Martin Wellen und Josef Ziga

Zum 2. Abonnementkonzert begrüßte Werner Heindorf von Konzerte an St. Andreas neben den Solisten Martin Weller (Trompete), Josef Ziga (Violine, Staatsorchester Braunschweig) und den Norddeutschen Barocksolisten gut 300 Zuhörer in der stilvollen St.-Andreas-Kirche zu Seesen.

Das italienisch geprägte Programm versprach schon in der illustrativen Einführung des künstlerischen Leiters Martin Weller maritime „Stiefel-Freuden“ sechs barocker Komponisten, die bis ins romantische Rokoko reichen sollten.
Wellers hell-lockender Trompetenton mit verzückenden Trillern und Verzierungen brachte spontan frohes Fühlen in unbeschwerter Größe. In der 5-sätzigen Sonate für Trompete, Streicher und Cembalo von Corelli brillierte schon hier der tänzerisch-schwingende, kristallin-feine Ton der hohen Konzerttrompete (Piccolo) in diamantener Brillanz. In bestechend bester Abstimmung mit dem Streicherensemble wurde den jeweiligen Solisten weiter Interpretationsraum gegeben, was besonders in den Kadenzen entzückte.
„La Primavera“, also der Vivaldi-Frühling, kann sicher als Publikumsliebling gelten. Das lebensfrohe Naturerwachen mit authentisch klangschönen Vogelstimmen zauberte die Vorstellung aufblühender Landschaften in beglückender Schönheit in die geschmackvolle Barockkirche. Im andächtigen Largo floss das erwachende Leben im ruhigen Fluss der drei Violinen, während die Viola im Konsens mit dem Cello heiter phrasierte Spitzen keck dazugab. Der Sommer zeigte sich launisch, teils behäbig und träge, dann wieder äußerst hektisch mit flirrenden Saiten.
Nach der Pause kamen Werke, die „tief ins Gemüt“ gingen. Einmal der Grave-Satz von Baldassare, dann besonders das Adagio in g-Moll von Albinoni. Der kontinuierliche Bass kam diesmal sehr ausdrucksstark, fast schon beängstigend drohend, von der Orgel. Gut, dass Josef Ziga mit wunderschön sanftem Violinton in faszinierender Klangbildung schmerzende Gefühle besänftigte und in ergreifender Kommunikation zusammen mit dem Orchester ein beeindruckendes Erleben im vollbesetzten Kirchenschiff formte.
Generell boten alle Künstler Spitzenleistungen in höchster Technik. So lebten im Largo-Satz von Romanino Trompeten und Violinsoli aussageschön in technischer Brillanz über sanften Streicher-Pizzicati.
Ein wirklich erlesener Genuss, der den Künstlern kaum enden wollenden Beifall einbrachte, wofür sie sich mit drei Zugaben (Vivaldi und Torelli) furios gespielt bedankten.