„Ein feste Burg ist unser Gott“

Der Einzug in das Gottenhaus. (Foto: Koch)
 
Helmut Schwabe präsentiert den Adventskalender 2010. (Foto: Koch)

Die Visitation in Seesen endet mit zwei Gottesdiensten

Nachdem der Landesbischof Dr. Friedrich Weber von Mittwoch bis Sonnabend der vergangenen Woche die Propstei und die Kirchengemeinde besucht („visitiert“) hatte, schloss sich am Sonntag dann der Kreis mit einem Kinder- sowie einem Erwachsenengottesdienst.
Seesen (JK). Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn sich am Sonntagmorgen rund 70 Kinder und rund 30 Erwachsene im Kirchenzentrum versammeln, um miteinander Gottesdienst zu feiern. Eine Tatsache, die zwar in Seesen, durchaus aber nicht überall in der Landeskirche so gegeben sein dürfte. Zu dieser Auffassung kam jedoch der Landesbischof, da er den besten Überblick über seinen Amtsbereich hat.
Ganz bewusst hatten die Mitarbeitenden, unter ihnen Diakonin Redecker, Klaus und Bärbel Schilling sowie engagierte Mütter und Väter auf den üblichen Show-Effekt verzichtet. Vielmehr wollten sie dem Bischof Normalität „as usual“ präsentieren. Anhand von kindgerechten Aktionen zum Thema „Zachäus“ wurde den Kindern der Gedanke und das Anliegen des Reformationstages nahegebracht.
Die Kinder brachten sich dabei begeistert und lebendig ein, so dass sich ein wechselseitiges und farbenfrohes Miteinander ergab. Dieser schöne Effekt zielt ja durchaus auf das Hauptanliegen reformatorischen Gottesdienstes: Miteinander Gemeinschaft erleben und dabei Gott ganz nahe sein zu dürfen.
Am Nachmittag wiederholte sich dieses ermutigende und die Gemeinde stärkende Ereignis im die Visitation abschließenden Gottesdienst für alle Altersgruppen. Trotz des Seesener Herbstfestes, das durch einen verkaufsoffenen Sonntag viel Aufmerksamkeit auf sich zog, versammelte sich die Gemeinde sehr zahlreich. Nach dem feierlichen Einzug des Bischofs mit dem Propstei- und Kirchenvorstand entspann sich ein lebendiges Miteinander, das vor allem durch eine breit aufgefächerte Palette von Kirchenmusik, klar strukturierter Predigt sowie einfühlsamem Gebet geprägt war.
Ein auf Hochglanz gebrachtes Gottesdienstprogramm führte die Gemeinde sicher durch die bunte Vielfalt. Hierbei musizierten der Propstei-Posaunen-Chor unter der Leitung von Christian Riegert ebenso wie die weiteren, durch Propstei-Kantor Andreas Pasemann geleiteten Gruppen: die Kantorei, der Jugend- und Gospel-Chor sowie die frisch aufgestellte Mädchen-Kantorei.
In seiner Predigt stellte Propst Gleicher mit klaren Worten das reformatorische Anliegen von vor 500 Jahren so klar in den Vordergrund, dass es für Hörer der Gegenwart deutlich zu verstehen ist. Pfarrer Weißer hatte dazu passend die Seligpreisungen Jesu rezitiert. Pfarrer Meyer führte die Gemeinde dann im Rahmen der Abkündigungen, die Gemeinde durch die Eckdaten des Gemeindelebens der kommenden Woche. Dabei übergab er das Wort an Helmut Schwabe. In seiner Eigenschaft als Kuratoriumsmitglied der Stiftung „Kirche in unserer Zeit“ präsentierte er den druckfrisch eingetroffenen Seesener Adventskalender 2010. Er wies darauf hin, dass er ab sofort käuflich zu erwerben ist. Von diesem Angebot nahmen die Gläubigen im Anschluss an den Gottesdienst sofort regen Gebrauch.
Landesbischof Dr. Weber nahm in seiner Grußadresse an die versammelte Gemeinde dann auch Bezug auf das, was er gemeinsam mit seiner persönlichen Referentin Pfarrerin Cornelia Götz während der rund 50 Termine und Begegnungen im Rahmen der Visitation erlebt hatte. „Wir können dankbar sein für die vielen Menschen in Seesen und in der Propstei, die durch ihr unermüdliches, oft genug ehrenamtliches, Tun dafür sorgen, dass Kirche ein klares, positives und erkennbares Profil zeigt. Dies liege, so der Bischof, vor allem daran, dass die Mitarbeitenden offenbar eine wache Präsenz für die Fragen der Gegenwart beweisen.
„Visitation“, so der oberste Dienstherr, sei zwar keine Kontrolle, sondern vielmehr ein wachsames Wahrnehmen und Wertschätzen des Vorhandenen. Aber es gälte im Sinne einer positiven Verstärkung des Vorhandenen auch offene Fragen und ausbaufähige Handlungsfelder zu erkennen. Dazu wird dann im Dezember Gelegenheit bestehen. Denn dann wird der Bischof noch einmal nach Seesen kommen, um gemeinsam mit dem Propsteivorstand und am selben Abend mit dem Kirchenvorstand eben diese Fragen zu erörtern.