Ein Glücksfall für die Stadt Seesen

Zum Tod von Antonio Melone

Ein Zufall führte Antonio Melone im Sommer 1963 in den Vorharz. Eigentlich hatte sich der junge Mann aus Montecorvino Schweden als Ziel seiner Reise gesetzt. Seesen sollte nur ein Etappenziel sein. Ein Zwischenstopp sozusagen. Hier wollte der 19-jährige Italiener eine Pause einlegen und seinen Bruder besuchen. Geblieben ist er für immer. Seesen wurde seine zweite Heimat. Die Stadt und ihre Menschen wuchsen ihm ans Herz. Dieses Herz hörte am Dienstag dieser Woche auf zu schlagen. Antonio Melone ist im Alter von 67 Jahren verstorben.
Für Seesen war Antonio Melone ein Glücksfall. Es gibt wohl nur wenige Menschen, die sich derart für eine Stadt und ihre Menschen engagieren, wie es Antonio Melone in den vergangenen 47 Jahren getan hat. Auf Anhieb fand der junge Antonio, damals 19 Jahre jung, der in seinemHeimatland eine Ausbildung zum Maler gemacht hatte, eine Anstellung bei der Firma Schilling in Seesen.Schnell fasste er dank seiner aufgeschlossenen Art Kontakt zu den Seesenern. In Seesen lernte Antonio Melone auch seine spätere Ehefrau Marlene Martens kennen, die er 1967 heiratete. Noch im selben Jahr erblickte Tochter Nicolina das Licht der Welt; ein Jahr später wurde Sohn Mario geboren. Beruflich fand Antonio Melone 1969 eine Anstellung als Betriebsmaler bei der Firma Züchner; Anfang der 80er Jahre machte er sich mit dem Betrieb „Melone Malereibetrieb“ selbstständig.
Neben Familie und Beruf fand Antonio Melone Zeit, sich ehrenamtlich für seine Mitmenschen einzusetzen.Es war imJahr 1980, als er in Seesen den Fußballverein FCAzzurri Seesen gründete – einenVerein, der international aufgestellt war und in den Folgejahren aufblühte. 2003 gingen die Azzurris dann in den SV Union Seesen über.
Doch nicht nur dem Fußball galt das Interesse. Auch politisch war Antonio Melone ein streitbarer, aber stets geachteter Mann.Als erster Ausländer überhaupt bekam er für die SPD ein Mandat imStadtrat Seesens. Hier machte er sich in den Jahren 1996 bis 2006 stark für die Kontakte zwischen seiner alten Heimat Montecorvino Rovella und seiner neuenHeimat Seesen. Melones Engagement war es schließlich zu verdanken, dass im Jahr 2005 die Städtepartnerschaft Montecorvino Rovella und Seesen entstand. Auch die italienischen Konzerte des Partnerschaftsvereins fußen auf demEngagements Antonio Melones.
Im November 2009 wurde dann ein Krebsleiden festgestellt. Trotz der Krankheit, die die folgenden zweiJahre bis zu seinemTod mitprägten, zog sich Antonio Melone nicht aus dem öffentlichen Leben zurück. Noch im Mai dieses Jahres besuchte er mit einer 50-köpfigenReisegruppe aus Seesen seinen Geburtsort Montecorvino Rovella undSizilien. Es war der letzte Besuch in seiner Heimat. Am Dienstag schlief Antonio Melone für immer ein. Ulrich Kiehne