„Ein Gottesdienst muss ein Fest sein“

Alexander Bischoff, Pfarrer der Freien Christengemeinde, will die Gemeinde mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. (Foto: Strache)

Pfarrer Alexander Bischoff von der Freien Christengemeinde Seesen setzt auf Wachstum

Von Maximilian Strache,
Seesen

Seit gut 40 Jahren gibt es in Seesen die Freie Christengemeinde. In der Öffentlichkeit und der kulturellen Landschaft der Sehusastadt hat die Gemeinde bisher aber keine große Rolle gespielt. Das soll sich, geht es nach Pfarrer Alexander Bischoff, in nächster Zeit ändern. Der 49-Jährige ist seit Anfang des Jahres in der Seesener Gemeinde und formuliert ein klares Ziel: „Wir wollen wachsen“.
Aktuell zählt die Gemeinde 72 Mitglieder. Es ist eine überschaubare Größe, für die das ehemalige Schulgebäude in der Linnenstraße 5 eigentlich viel zu groß ist. Das sieht Bischoff natürlich naturgemäß ganz anders. Er versteht die Freie Christengemeinde als einen „offenen“ Ort, an dem Menschen jeglicher Coleur willkommen sind und sich wohlfühlen sollen.
Der 49-Jährige Pfarrer, der die vergangenen 15 Jahre im Emsland in Papenburg wirkte, ist ein fröhlicher, ein optimis­tischer Mensch. Deshalb ist er auch guter Dinge, dass sein Vorhaben aufgeht. Er will die Freie Christengemeinde Seesen mehr in den öffentlichen Fokus rücken. Bischoff will sagen: „Hey wir sind da. Wenn ihr Lust habt schaut doch mal bei uns vorbei und seht was wir zu bieten haben.“
Die landläufigen Vorurteile, bei den Freien Christen würde es sich um eine Art Sekte handeln, können den studierten Theologen nicht schocken. Auf die direkte Frage, ob die Freien Christen denn eine Sekte wären, reagiert er mit einem Lächeln und sagt: „Ich kenne diese Vorurteile. Wir sind aber keine Sekte, sondern eine evangelische Gemeinde, die nach dem reformatorischen Grundverständnis lebt und handelt.“
Warum er der Landeskirche den Rücken gekehrt hat und sich den Freien Christen angeschlossen hat, hängt für den 49-Jährigen vor allem mit der „Unbeweglichkeit“ der kirchlichen Institutionen zusammen. „In den letzten Jahrhunderten hat sich die Gesellschaft, die Kultur und das Zusammenleben auf vielfältige Weise gewandelt. Die evangelischen Landeskirchen haben sich diesem Wandlungsprozeß aber nicht angepasst. Die sind vor etwa 500 Jahren als die lutherische Kirche gegründet wurde, stehen geblieben.“
Mit dieser Aussage will Bischoff natürlich nicht sagen, dass alles was in den evangelischen Gemeinden abläuft falsch sei, vieles sei aber nicht mehr zeitgemäß. „In den letzten Jahrzehnten haben sich die Menschen zusehends von der Kirche abgewandt. Die Got­teshäuser sind am Sonntag nur sperrlich besetzt und auch die Einnahmen aus der Kirchensteuer sprudeln schon lange nicht mehr so wie es sich die Verantwortlichen wünschen. Da wird doch wohl die Frage erlaubt sein, warum das so ist?“ sagt der 49-Jährige.
Bei der Freien Christengemeinde, dass ist Bischoff wichtig, geht es lockerer zu, es wird versucht, die Menschen dort abzuholen wo sie stehen. Wiederkehrende Rituale und Traditionen gibt es zwar, die Abläufe im Gemeindeleben sind aber nicht so festgefahren. „Ein Gottesdienst muss ein Fest sein. Der Höhepunkt einer Woche, die vom Glauben an Jesus Christus geprägt ist.“ Ein Gottesdienst bei den Freien Christen, das verrät Bischoff, ist gespickt mit vielen modernen Liedern und Lobpreisungen. Eine Band, bestehend aus Schlagzeuger, Gitarrist, Bassist und Keyboarder sorgt für den musikalischen Rahmen. Die Predigten orientieren sich, so sagt es Pfarrer Bischoff, mehr an Beispielen und Geschichten aus dem Alltag der Gemeindemitglieder. Die Inhalte der Bibel spielen dabei natürlich auch eine wichtige Rolle.
In Zukunft möchte Bischoff mit seiner Gemeinde an öffentlichen und kulturellen Veranstaltungen der Stadt Seesen teilnehmen und es werden gegenwärtig auch Überlegungen angestellt, die Räumlichkeiten der Gemeinde für Hilfesuchende und Arbeitslose zu öffnen, die die Möglichkeit bekommen sollen, einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen. Gespräche mit Bürgermeister Erik Homann hat der vor Tatendrank sprudelnde Pfarrer bereits geführt.
An den Gottesdiensten der Gemeinde, die jeden Sonntag um 10 Uhr gefeiert werden, darf jeder teilnehmen der Interesse hat. Auch bei den verschiedenen Gruppen sind Interessierte jederzeit willkommen. Um Mitglied der Freien Christengemeinde Seesen werden zu können, muss man sich jedoch taufen lassen, egal ob man bereits getauft oder konfirmiert ist. „Die Taufe ist ein klares Bekenntnis zu einem christlich-geprägten Leben. Dieser Entscheidung verleiht man durch die Taufe Ausdruck, und man muss sich dessen auch bewusst sein“, sagt Bischoff.