Ein lebender Hund ist besser als ein toter Löwe

Nicole Barnert eröffnete die Veranstaltung mit einem Klavierstück.

Vortrag „Tod und Sterben unter dem Davidstern“ im Städtischen Museum Seesen

Was stellen sich Juden nach dem Tod vor? Wie sehen jüdische Friedhöfe aus? „Tod und Sterben unter dem Davidstern“ lautete der Titel des einstündigen Vortrages von Helga und Sidney Gromnica am vergangenen Mittwochabend, anlässlich der Ausstellung „Orte der Stille“ im Städtischen Museum Seesen.

Auch Bürgermeister Erik Homann ließ sich diesen Abend nicht entgehen. „Dieser Vortrag soll Euch die jüdische Kultur näher bringen und aufzeigen, welche Vorstellung diese Religion vom Leben nach dem Tod hat“, so der Bürgermeister.
Nach einer bewegenden Darbietung von Nicole Barnert am Klavier, zeigte Helga Gromnica ihre Fotos von jüdischen Friedhöfen. „Diese Friedhöfe zu fotografieren hat sich als sehr schwierig gestaltet, da sie fast alle verschlossen sind. Seesen war der einzige Friedhof, der frei zugänglich war“, so die Referentin. Helga Gromnica bewundere es, wie locker in Seesen mit der jüdischen Geschichte umgegangen wird. Unterstützt durch Sidney Gromnica, der dem Publikum mit Hilfe eines Beamers zum Thema passende Bilder präsentierte, gab die Referentin den Gästen Aufschluss darüber, was sich Juden nach dem Tod vorstellen. So gebe es in dieser Religion eine riesige Variationsbreite was das Leben nach dem Tod betrifft. „Im Gegensatz zu manch anderen Religion wird hier das Leben auf der Erde nicht als Vorstufe zum Glück nach dem Tod angesehen. In der jüdischen Religion wird nämlich das Leben als die Hauptaufgabe des Menschen angesehen“, sagte Gromnica. Demnach gebe es drei Hauptauffassungen, was nach dem Tod passiert. Die erste Auffassung ist, dass Seele und Körper sterben. Eine leibliche Auferstehung erfolgt, wenn der Messias kommt. Eine zweite Annahme besagt, dass die Seele den Körper verlässt und ohne ihn weiterlebt. Als dritte Möglichkeit besteht eine Vermischung der beiden Auffassungen.
Eine der wichtigsten Pflichten sei im Judentum die Sorge um Tote. Ein Sterbender dürfe deshalb grundsätzlich nicht alleine gelassen werden. „Der Stillstand der Atmung wird mit einer Feder überprüft. Wenn ein Jude verstorben ist, wird er mit den Füßen zur Tür mit einem weißen Laken bedeckt und mehrmals mit Wasser begossen“, berichtete Helga Gromnica.
Den Abschluss einer jüdischen Beerdigung bildet das Kaddisch-Gebet. Danach folgt eine siebentägige Trauerphase in der die Angehörigen zu Hause bleiben und von Freunden versorgt werden. Bis zum 30. Tag erfolgt dann die zweite Phase der Trauer, in der Kleidung mit einem Riss als Kennzeichen getragen wird. Eine wichtige Bedeutung schreibe die jüdische Religion den Grabsteinen zu, so Gromnica. „Der Grabstein hält die Verbindung zu den Lebenden aufrecht. Wenn Juden ein Grab besuchen, legen sie einen kleinen Stein als Zeichen, dass sie da waren auf den Grabstein. Dies dürfte manchen aus der Schlussszene des Films „Schindlers Liste“ bekannt vorkommen“. Ein lebender Hund ist besser als ein toter Löwe. Diesen Bibelspruch gab die Referentin den Zuhörern abschließend mit auf den Weg.