„Ein Manko, an dem man arbeiten muss“

Marie Bodemann, Studentin der Ostfalia Hochschule für Angewandte Wissenschaften.
 
Tim Simon, pädagogischer Leiter der Kurparkschule bei der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen e.V.

Themen „Handicap“ und junge Verkehrsteilnehmer bei JHV der Verkehrswacht Seesen-Langelsheim-Lutter im Fokus

Nicht wie gewohnt im Frühjahr, sondern diesmal zum Frühherbst hatte die Verkehrswacht Seesen-Langelsheim-Lutter zu ihrer Jahreshauptversammlung eingeladen, und der kleine Saal im Hotel „Wilhelmsbad“ war bis auf den letzten Platz ausgebucht.

Darüber zeigte sich Wilhelm Schöbel als Vorsitzender natürlich außerordentlich erfreut, spreche ein derartiger Zuspruch doch für ein reges Interesse an der Arbeit der hiesigen Verkehrswacht. Er ließ es sich auch nicht nehmen, einige Gäste besonders zu begrüßen. So hieß er Wolfgang Keunecke, Vorstand der Volksbank eG Seesen, mit Armin Gernhöfer ebenso herzlich willkommen wie Gabriela Schacht, Leiterin des Straßenverkehrsamtes und stellvertretende Leiterin der Fachdienste Ordnung, Verkehr und Rettungswesen beim Landkreis Goslar. Ebenfalls mit dabei waren die Leitung der Polizeistation Langelsheim, PHK Michael Krzenstek und POK Otto Brodthage, den Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr Rhüden, Mike Illers, Engelades Feuerwehrchef Tino Koerver, Engelades Ortsbürgermeister Patrick Kriener, den stellvertretenden Vorsitzenden des ratseigenen Verkehrsausschusses, Stefan Bettner, und nicht zuletzt den Vorsitzenden der Nachbarverkehrswacht Goslar, Peter Scheffel.
Die Regularien waren rasch abgewickelt und so konnte Schöbel auch gleich das erste Schwerpunktthema dieses Abends ankündigen. Tim Simon, pädagogischer Leiter der Kurparkschule und Marie Bodemann von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften hatten sich Gedanken über „Handicap im Straßenverkehr“ gemacht. Kompetent, fundiert und auch dem Laien verständlich spannten sie einen weiten Bogen von der Definition des Begriffes „Behinderung“, gesetzlichen Regelungen über Mobilitätsbarrieren als Risiko sozialer Ausgrenzung bis zur Möglichkeit einer problemfreien Nutzung des Verkehrssystems durch alle Menschen. Anschaulich und beeindruckend begleiteten sie ihre Ausführungen mit einem Film der Polizei Düsseldorf, der ein spezielles Verkehrstraining für Menschen mit Behinderung erläuterte. Zudem stellte Tim Simon das Projekt MogLi – Mobilität auf ganzer Linie – der Schule Vechtetal vor. Eine Vision, die neue Perspektiven eröffnete und den einen oder anderen Zuhörer doch nachdenklich machte.
Daran schloss sich unmittelbar der Geschäftsbericht des Vorsitzenden an. Aufgrund der Vielfalt von Projekten und Aktionen beschränkte sich Schöbel zunächst lediglich auf Kurzdarstellungen, bis er auf die drei Schwerpunktaktionen des Berichtzeitraumes zu sprechen kam: den Verkehrssicherheits- und Feuerschutztag in Engelade, die Teilnahme am 40-jährigen Jubiläum der Jugendfeuerwehr Langelsheim und an der Mini-Jeep-Challenge der Freiwilligen Feuerwehr Rhüden. Schwerpunkte deshalb, weil im Rahmen dieser Veranstaltungen seitens der Verkehrswacht die „Kids Cars VoBa 1 und 2“ zum Einsatz gekommen waren; mit Benzinmotor betriebene Kleinkraftfahrzeuge für Kinder zwischen zehn und 16 Jahren. Am Steuer dieser Fahrzeuge hatten die Lenker auf unterschiedlichen Parcours Gelegenheit, erstmalig zukünftige Anforderungen des Straßenverkehrs kennenzu- lernen. Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen waren angesagt. Möglich gemacht hatten die Anschaffung dieser Fahrzeuge für die Verkehrswacht die Stadt Seesen, die Samtgemeinde Lutter und als Hauptsponsor die Volksbank eG Seesen.
Der Vorsitzende nutzte die Gelegenheit der Zusammenkunft, um nochmals Danke zu sagen für alle Unterstützung, von welcher Seite sie auch erbracht worden war. Dies auch insbesondere vor dem Hintergrund, dass seitens der Landesverkehrswacht und auch der Deutschen Verkehrswacht für diese Alterszielgruppe keinerlei finanzielle Zuwendungen vorgesehen seien. Die Antwort auf eine diesbezügliche Anfrage sei ernüchternd gewesen. Ein Manko, „an dem man arbeiten muss“, so Schöbel.
Die besondere alljährliche Würdigung der „Dompteure des Knotens Jahnstraße/Lautenthaler Straße“, der Verkehrshelfer Bärbel und Volker Schnellbeck, sowie Fritz Hipp bereite ihm immer wieder große Freude, betonte Schöbel. Sie seien Tag für Tag bei Wind und Wetter an den dortigen Fußgängerüberwegen präsent, um den Kindern einen sicheren Weg zur Schule zu gewährleisten. Und als ob das noch nicht genug wäre, seien sie auch tatkräftig bei der Engeläder Aktion vor Ort.
Begleitet war dieser Dank jedoch von einen Wermutstropfen. Fritz Hipp musste leider aus persönlichen Gründen sein Amt aufgeben. Er wurde denn auch von Schöbel entsprechend verabschiedet mit den besten Wünschen für die Zukunft. Ein(e) Nachfolger(in) wird derzeit mit Hochdruck gesucht.
Damit leitete der Vorsitzende den Ausblick auf Planungen für das Jahr 2016 ein und nannte Aktionen mit Feuerwehren, Schulen, dem Paritätischen Seesen oder auch der Stadtjugendpflege. Besonders freue er sich über das Interesse der Polizei Langelsheim an einer Vertiefung der in diesem Jahr begonnenen Kooperation, betonte der Verkehrswachtvorsitzende.
Der Bericht der Schatzmeisterin Anke Müller, bestätigt durch Armin Gernhöfer als Kassenprüfer, die Entlastung des Vorstandes und selbst die Benennung eines neuen Kassenprüfers konnten reibungslos abgewickelt werden. Mit einem herzlichen Dank an sein Team schloss Wilhelm Schöbel eine äußerst kurzweilige Jahreshauptversammlung.