Ein unvergesslicher Abend im Museum

Wolfgang Kohrt ließ seine Zuhörer in eine märchenhafte Welt eintauchen. (Foto: Ternedde)

Märchenstunde mit Holunderpunsch beim Freundeskreis

Unter dem Titel „Märchen für Erwachsene“ gestaltete der ehemalige Rektor der Sehusa-Schule, Wolfgang Kohrt aus Wolfshagen, einen unvergesslichen Abend im Städtischen Museum.

Die erste Vorsitzende des Freundeskreises, Renata Jahns, drückte in ihrer Einführungsrede zuerst ihre Freude darüber aus, dass über 50 Besucher den Weg zur Veranstaltung gefunden hatten. Sie begrüßte dann den Vortragenden und dankte ihm, dass er sich wieder zu einer literarischen Lesung bereit erklärt habe. Bereits im letzten Jahr hatte Wolfgang Kohrt eine gleichnamige Veranstaltungdurchgeführt, die ein großer Erfolg war. Renata Jahns in ihrer Begrüßung: „Menschen lieben Geschichten, sie lieben das Fabulieren, das Klönen, das Sich Mitteilen“. Die 1. Vorsitzende weiter: „Mit den Worten: in den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, beginnt der Froschkönig. Der Satz sagt eigentlich schon sehr viel über das Wesen des Märchens aus. Weder Raum noch Zeit ist festgelegt. Es ist eine wunderbare, unwirkliche, eben märchenhafte Welt, in der das Gute belohnt und das Böse bestraft wird.“
Wolfgang Kohrt erklärte in seiner Vorrede, dass er die Märchen nicht deuten werde und sich auch über die Dichter nicht auslassen wolle. „Ich möchte“, so Wolfgang Kohrt, „dass sie eintauchen in die Welt des Magischen und Mystischen, wie sie die Romantiker in einer Gegenbewegung zur rein mathematisch – mechanischen Sichtweise der Welt in den Märchen wiederentdeckten“. Nach einem kurzen Gedicht von Novalis, einem wichtigen Vertreter der Frühromantik, wurden die Besucher durch ein Klavierstück mit dem Titel „Widmung“ von Robert Schumann, in die besinnliche Stimmung eines Märchenabends versetzt.
Das erste Märchen, das Wolfgang Kohrt vorlas, war „Die Nachtigall und die Rose“ von Oscar Wilde. Es handelt von einem Studenten, der mit der Tochter eines Professors auf einem Ball tanzen möchte. Sie willigt aber nur ein, wenn er ihr eine rote Rose mitbringt. Da es aber im Garten keine rote Rose gibt, ist der junge Mann sehr unglücklich. Eine Nachtigall hat Mitleid und macht sich auf die Suche nach einer solchen Rose. Sie findet aber nur einen fast verdorrten Rosenstrauch, der allerdings bereit ist, eine Blüte hervorzubringen, wenn die Nachtigall ihm ihr Herzblut gibt. In der Nacht sticht sie sich einen Dorn in ihr Herz und singt für den Rosenstrauch. Nach ihrem Tod sieht der Student am nächsten Morgen die Rose und bringt sie sofort seiner Angebeteten. Diese aber weist ihn ab, weil ein anderer Verehrer ihr Schmuck versprochen hat. Enttäuscht wirft der Student die Rose fort und widmet sich wieder seinen Studien.
Nach einem Stück von Lydie Auvray mit dem Titel „Poseidon“ trug Wolfgang Kohrt das zweite Märchen vor. Es handelte sich um „Der Fischer und seine Frau“ von den Brüdern Grimm. Diese Geschichte war den meisten Gästen bekannt, gleichwohl freuten sie sich, dass sie mit norddeutschem Dialekt vorgetragen wurde. Der im Märchen immer wiederkehrende Vers: „Mantje, Mantje, Timpe Te, Buttje, Buttje inne See,myne Fru de Ilsebill will nich so, as ik will“ wurde von den Besuchern nach der zweiten Wiederholung begeistert im Chor mitgesprochen.
Es folgte eine ausgedehnte Pause, in der intensive Gespräche zwischen den Zuhörern stattfanden und Holunderpunsch und Kekse gereicht wurden. Die gesamte Organisation des Abends lag übrigens in den Händen von Marianne Wadsack, die die unteren Räumlichkeiten des Museums dekoriert und so für eine einladende Atmosphäre gesorgt hatte.
Der zweite Teil des Abends begann mit der Musik von Frédéric Chopin und dem Stück: „Nocture Nr. 5“, sowie einem Märchen von Hans Christian Andersen mit dem Titel „Die Nachtigall“.
Der Kaiser von China lebt in einem prunkvollen Schloss. Jeder, der es gesehen hat, spricht von nichts anderem mehr. Es gibt aber etwas, das den Glanz dieses Schlosses verblassen lässt, der Gesang der Nachtigall. Als der Kaiser von ihr hört, befiehlt er seinem Hofmeister das Geschöpf zu finden und ihm zu bringen. Aber niemand kennt die Nachtigall, obwohl sie in den kaiserlichen Gärten leben soll. Erst eine junge Köchin führt den Hofmeister zu ihr.
Dieser bittet die Nachtigall, am Abend für den Kaiser im Palast zu singen und diese willigt ein. Der Kaiser und sein gesamter Hofstaat sind so von dem Gesang angetan, dass die Nachtigall nun Abend für Abend im Palast singen soll. Eines Tages jedoch schenkt der japanische Kaiser dem Regenten einen mechanischen Vogel aus purem Gold, mit Edelsteinen besetzt. Diese künstliche Nachtigall singt nicht minder herrlich als die echte und der Kaiser entschließt sich, die „richtige“ des Landes zu verweisen. Doch als die mechanische Nachtigall nach einigen Jahren kaputt geht und der Kaiser schwer erkrankt, bereut er seinen Entschluss. Die echte Nachtigall kehrt daraufhin zurück und der Kaiser gesundet.
Da dieses Märchen recht umfangreich ist, hat Wolfgang Kohrt seinen Vortrag für ein Musikstück von Lydie Auvray mit dem Titel „Tivoli“ unterbrochen. Zum Schluss erklang noch das Klavierstück „Nocture Nr. 8“ von Frédéric Chopin.
Renata Jahns dankte Wolfgang Kohrt für seine Lesung und Marianne Wadsack für die Organisation und überreichte beiden ein Präsent. Am Ende kündigte die 1. Vorsitzende schon einmal eine Veranstaltung des Freundeskreises im Sommer 2016 an. Am 18. August findet eine Busfahrt nach Kassel zum Museum „Grimmwelt“ statt. Dort können die Besucher ihr Wissen über die Märchen noch erweitern.