„Ein Vorbild, auf das viele Menschen gewartet haben“

von Sandy Heinzel | am 27.01.2012 | 130 mal gelesen | 2 Bilder
Fadi Saad verteilte fleißig Autogrammkarten an die Schüler der Seesener Hauptschule.
 
Jürgen Reinecke und Günter Koschig (Weisser Ring) überreichen Schulleiter Eberhard Hey (rechts) Informationsmaterial für die Goslarer Zivilcouragekampagne.

Fadi Saad: Vom prügelnden Gang-Mitglied zum Sozialarbeiter /Autenthische Lesung vor Seesener Hauptschülern

Von Sandy Heinzel, Seesen

Wenn Schülerinnen und Schüler von einer Autorenlesung während der Unterrichtszeit hören, sind sie meist begeistert. Das heißt Abwechslung vom Schulalltag, kein Unterricht im eigentlichen Sinne und bestimmt auch keine Hausaufgaben. Für den einen oder anderen, der bislang noch nichts von Fadi Saad gehört hatte, machte sich im Vorfeld wohl die übliche Vorfreude auf eine unterrichtsfreie Schulstunde breit, als sie von dem Berliner Autoren hörten, der über sein Buch referieren sollte. Aber einige Schüler der Seesener Hauptschule hatten den Namen durchaus schon gehört, und wussten, dass sie keine übliche Lesung erwartet, bei der man unter Umständen Schwierigkeiten bekommen könnte, die Augen offen zu halten.
Fadi Saad ist 32 Jahre alt, seit zehn Jahren verheiratet und hat zwei Kinder. Er wurde in Berlin geboren und ist gelernter Bürokaufmann. Für sein Buch „Der große Bruder von Neukölln“ wurde er 2009 mit dem Deutschen Förderpreis Kriminalprävention ausgezeichnet. Seitdem tourt Fadi durch ganz Deutschland und referiert vor Jugendlichen – allerdings auf eine ganz andere, erfrischende Art und Weise.
Wenn Fadi erst einmal loslegt, hat er die Fans auf seiner Seite. Er hat den richtigen Draht zu Jugendlichen und findet auf gekonnte Weise Zugang zu seinem jungen Publikum. Er ist authentisch und weiß genau wovon er spricht. Der gebürtige Berliner nimmt kein Blatt vor den Mund und bindet seine Zuhörer auf symphatische Art und Weise aktiv in seine Lesung mit ein.
In seinem Buch beschreibt Fadi Saad seinen Weg von einem Gang-Mitglied zum Streetworker. „Ich habe schon ein erlebnisreiches Leben gehabt und dies hilft mir heute bei meiner Arbeit mit Jugendlichen“ schreibt Fadi Saad. „Mein Leben habe ich in diesem Buch auch deshalb aufgeschrieben, weil ich zeigen will, dass es sich lohnt, niemals aufzugeben. Nicht sich selbst – und im Übrigen auch nicht andere!“
Fadi Saad erzählt davon, wie es immer mehr zu einer Entfremdung zwischen ihm und seiner eigenen Familie kommt. Mit Erreichung der Strafmündigkeit landet er schließlich für ein Wochenende im Jugend­arrest. Ein prägendes Erlebnis, das er im Buch als „die längsten drei Tage meines Lebens“ beschreibt. Eines Tages wacht er auf, holt seinen Schulabschluss nach und absolviert schließlich erfolgreich eine Ausbildung zum Bürokaufmann.
Fadi Saad ist heute als Quartiersmanager in Moabit-Ost mit einem Vorort-Team tätig. Zu ihren Aufgaben gehört es die Bedarfe im Kiez zu erkennen und gemeinsam mit den Bewohnern und den Akteuren Projekte zu initiieren. Er plädiert für gegenseitige Anerkennung, Respekt Toleranz und Wertschätzung. Er fordert mehr Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt sowie mehr Engagement der Eltern Betroffener. Fadi Saad hält es für notwendig, mehr Polizisten, Lehrer und Sozialarbeiter migrantischer (vor allem arabischer und türkischer) Herkunft einzustellen.
Seit einigen Jahren unterstützt der Streetworker die Polizei und den Weißen Ring bei der Präventionsarbeit und engagiert sich unter anderem bei Kampagnen wie „Zivilcourage zeigen und 110 wählen“ oder „Verstecke Dich nicht! Zeige Gesicht“.
Das preisgekrönte Buch mit dem Titel „Der große Bruder von Neukölln / Ich war einer von ihnen – vom Gangmitglied zum Streetworker“ ist im Herder-Verlag erschienen. Es ist unter der ISBN 978-3-451-06257-5 zum Preis von 8,99 Euro im Buchhandel erhältlich.

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