Eine sehr ernüchternde Resonanz

Im Anschluss an die Einführungen waren die Besucher gefragt. An Stellwänden sollten sie Ideen skizzieren und Probleme ansprechen. Dieser Teil der Veranstaltung sorgte dann auch für eine gewisse Auflockerung.
 
Holger Broja.

Bürger zeigen wenig Interesse an Auftaktveranstaltung zum Regionalmanagement für die Förderperiode 2014 bis 2020

Auf geringes Interesse stieß am Dienstagabend im Seesener Bürgerhaus die Auftaktveranstaltung des Regionalmanagements Westharz für die EU-Förderperiode 2014 bis 2020.

Die Verantwortlichen waren aufgrund der schlechten Resonanz jedoch um keine Ausrede verlegen und meinten, dass, hätte die Veranstaltung in einem Dorfgemeinschaftshaus eines Seesener Ortsteils stattgefunden, die Zuschauerreihen wahrscheinlich deutlich besser gefüllt gewesen wären.
Ob Bürgermeister Erik Homann und die Regionalmanager mit dieser Einschätzung richtig liegen, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden, es drängt sich jedoch die Vermutung auf, dass die Projekte des Regionalmanagements, gleich ob sie auf der Förderung als ILE-Region (Intergrierte Ländliche Entwicklung) oder dem sogenannten nun angestrebten Leader-Programm gründen, für viele Bürger nicht wirklich greifbar sind und das Interesse an aktiver Mitgestaltung deshalb gegen Null tendiert.
Der Seesener Walter Kien brachte es nach gut einer Dreiviertelstunde im Gespräch mit dem „Beobachter“ auf den Punkt: „Das Einzige, was ich bisher als konkretes Ziel mitnehmen konnte, ist die Aussage, dass 2,4 Millionen Euro an Fördergeldern eingeworben werden können. Ansonsten hängt an der Geschichte ein riesiger Wasserkopf, und die Projekte und Ideen sind für uns Bürger nicht wirklich greif- und eine Umsetzung nur schwer vorstellbar.“
Nichtsdestotrotz hielten die Regionalmanager an ihrem Konzept für diesen Abend fest. Zunächst war es an Bürgermeister Erik Homann, die Bedeutung der Veranstaltung hervorzuheben.
In seiner Einführungsrede skizzierte Seesens Verwaltungschef in knappen Worten die größten Probleme der Region. Dabei spiele neben dem Bevölkerungsschwund die teils marode Infrastruktur und der Wegfall wichtiger Industriearbeitsplätze die übergeordnete Rolle. Homann bezeichnete diese sich gegenseitig bedingenden Effekte gar als „Teufelskreis“, aus dem es auszubrechen gelte. Aus diesem Grund misst er dem Regionalmanagement auch eine wichtige Bedeutung bei, lassen sich durch die Teilnahme an derartigen Programmen doch Fördermittel generieren, die sonst nicht zur Verfügung stünden.
Zwar räumte Homann ein, dass bei Förderprogrammen jedweder Art auch immer der Eigenanteil bedacht werden müsse, „es aber fahrlässig sei, mögliche Förderpotentiale ungenutzt verstreichen zu lassen“.
Im Anschluss an die Rede Homanns meldete sich Holger Broja, stellvertretender Dezernatsleiter im Bereich Strukturförderung ländlicher Raum beim Amt für regionale Landesentwicklung Braunschweig, zu Wort. Broja arbeitete die einzelnen Punkte seiner Ausführungen in einem derartigen Tempo ab, dass es mitunter schwer fiel, ihm zu folgen. Schwer vor allem auch, weil Broja auf seinem Gebiet unbestritten ein Experte ist und weiß wovon er redet, es ihm aber nicht gelang, die komplexe Thematik verständlich aufzuschlüsseln.
Eine etwas konkretere Darstellung des Sachverhalts gelang dann Regionalmanager Wolfgang Kleine-Limberg vom Büro „Mensch und Region“, das zusammen mit dem Planungsbüro „Aland“ die Abläufe des Regionalmanagements koordiniert.
Kleine-Limberg erläuterte, dass das nun zu erarbeitende Regionale Entwicklungskonzept (REK) als Wettbewerbsbeitrag zu werten sei. Mit diesem Konzept werde die Region beim Land Niedersachsen um Aufnahme in das Programm als Leader-Region antreten. Die Bewerbung muss bis zum 10. Januar nächsten Jahres in Hannover eingegangen sein. Mit einer Entscheidung aus der Landeshauptstadt ist jedoch nicht vor Mai 2015 zu rechnen.
Das Konzept, sprich die Bewerbung, soll aber so ausgelegt werden, sollte es am Ende nicht mit dem Leader-Programm klappen, eine Förderung als ILE-Region weiterhin möglich ist.
Im Grundsatz werden sich die zu beackernden Themenfelder im neuen REK deshalb auch nicht großartig von den bisherigen Schwerpunkten unterscheiden, die im Zeitraum von 2010 bis 2014 Rahmen der ILE-Förderung bearbeitet wurden.
Im Mittelpunkt stehen also weiterhin die Themen „Demografische Entwicklung sowie Sicherung und Steuerung der öffentlichen Daseinsvorsorge“, „Reduzierung der Flächeninanspruchnahme“ (sog. Innenentwicklung), „Klima- und Umweltschutz“, „Regionale Wirtschaftsförderung“ (z.B. Tourismus) sowie „Kultur, Soziales & Bildung“.
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung waren dann die wenigen Gäste gefragt, an vorbereiteten Stellwänden Ideen und Vorschläge zu platzieren. Dieser Abschnitt des Abends gestaltete sich dann auch deutlich angenehmer, konnten die Besucher doch selbst ein wenig aktiv werden.
Dabei sollten die Bürger die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken in den zuvor skiziierten Themenfeldern bewerten. Im Bereich Kultur wurde beispielsweise das geringe Angebot für Jugendliche kritisiert. Positiv wurde hingegen die wachsende Versorgung mit Ladestationen für Elektroautos sowie die hervorragende Schulbusanbindung bewertet.
Diese Ideen, die in ähnlicher Form auch in den anderen Kommunen des Regionalmanagements Westharz gesammelt wurden, sollen nun in das REK einfließen. Sollte das Regionalmangement bei dem Wettbewerb um die Aufnahme in das Programm als Leader-Region erfolgreich verlaufen, kann sich die Region auf Fördermittel in Höhe von 2,4 Millionen Euro freuen. Dieses Geld wird in jährlichen Tranchen von etwa 600.000 Euro ausgezahlt. Voraussetzung für die Auszahlung ist jedoch, dass konkrete Projekte vorliegen, zu denen sich auch Verantwortliche bekennen und der Eigenanteil gestemmt werden kann.
An dieser Stelle soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass die in Aussicht gestellten Fördermittel für das gesamte Regionalmanagement Westharz gelten. Der Kuchen ist also relativ klein, wollen alle vier beteiligten Kommunen ein Stück davon abbekommen.