Eine Wild(katzen)brücke über die Autobahn 7

Die Bauarbeiten zum sechsspurigen Ausbau der A7 schreiten voran. Auch eine Wildkatzenbrücke soll im Bereich Harzhorn entstehen.

Kosten: Über sieben Millionen Euro / Wandernde Wildtiere schützen / Population aus Ost und West vernetzen

Die Nord-Süd-Bundesautobahn (BAB 7, kurz A 7) ist die längste Autobahntrasse in deutschen Landen. Der Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Seesen und Echte wurde am 14. November 1959 für den Verkehr freigegeben. Jetzt geht es in diesem Abschnitt um den sechsspurigen Ausbau der wichtigen Verkehrsader. Seit Juli dieses Jahres wird zur Finanzierung eine öffentlich-private Partnerschaft gesucht (der „Beobachter“ berichtete).
Der Aushau auf sechs Fahrstreifen zwischen den Anschlussstellen Seesen und Bockenem soll bis Herbst 2015 realisiert sein, der Ausbau zwischen Bockenem und dem Salzgitter-Dreieck bis August 2013. Sollte die Planung für den Abschnitt zwischen Seesen und Echte zügig verlaufen, die Finanzierung sicher sein, dann könnte nach Vorliegen des Planfeststellungsbeschlusses im Frühjahr 2014 der Baustart erfolgen.
Im Zusammenhang mit dem sechsstreifigen Aushau der A 7 steht der Bau von Wild(katzen)brücken, auch Grünbrücken genannt. Die Brücken dienen als Querungshilfe für wandernde Wildtiere über die vielbefahrende Asphaltpiste. Im Bereich zwischen Hohe Rott und Harzhorn soll eine solche Wildbrücke entstehen, die die A 7 und die näher an die Autohahn verlegte Bundesstraße 248 überbrücken wird.
„Im Zuge des geplanten symmetrischen Ausbaus der A 7 besteht das Erfordernis, eine Querungshilfe für wandernde Wildtiere in dem betreffenden Ausbauabschnitt der Autobahn zu schaffen", heißt es in den Planungsunterlagen. Verwiesen wird auf die Studie „Untersuchung zur Durchlässigkeit von Bundesstraßen und Autobahnen für Wildtiere in Südniedersachsen“, aus der hervorgeht, dass nur wenige Querungsbauwerke im Planungsbereich für wildlebende Mittel- und Großsäuger geeignet sind. Und da sich diese Bauwerke auch noch nahe Verkehrswegen und Ortslagen befinden, sei es unwahrscheinlich, dass scheue und störungsempfindliche Arten wie die Wildkatze oder der Luchs diese Wechsel nutzen.

Populationen
vernetzen


Durch eine Wildbrücke soll nicht nur sichergestellt werden, dass die Wildtiere vielbefahrene Verkehrsstraßen sicher queren können. Es heißt es in den PIanunterlagen: „Durch eine Grünbrücke soll sichergestellt werden, dass Populationen zu­mindest in einem Ausmaß vernetzt bleiben, dass keine negativen Wirkungen auf den Erhaltungszustand der Populationen festzustellen sind und ein genetischer Austausch zwischen den Teilpopulationen soweit gewährleistet bleibt.“ Dies gelte besonders für Wildkatze und Luchs.
Im Zusammenhang mit den Planungen für den A 7-Ausbau ist vor einigen Jahren eine Wildkatzenerfassung durchgeführt worden – im Bereich südlich der Anschlussstelle Seesen und nördlich der Anschlussstelle Nörten-Hardenberg. Das JagdEinrichtungsBüro Karsten Hupe hat 2009 festgestellt: „Die Anzahl der im und im unmittelbar benachbarten Planungsbereich tot aufgefundenen Wildkatzen ist sehr hoch.“ Und es sei von einer „Dunkelziffer" auszugehen.
Im Rahmen der Wildkatzenerfassung im Winterhalbjahr 2008/2009 beiderseits der Autobahn wurde deutlich: „Im Bereich Hohe Rott – Rodenberg – Rodenbergbachniederung – Harzhorn kommt die Wildkatze regelmäßig vor.“ Vermehrt östlich, also im Bereich Hohe Rott/Rodenberg.

Genetische
Verarmung


Beim Ausbau der A 7 auf sechs Fahrbahnen erwarten die Wildbiologen eine wachsende Gefahr für Wildtiere. Ein Wildschutzzaun ist offenbar auch keine Ideallösung, würde er doch „die Barrierewirkung verstärken“, zu einem „Isolationseffekt“ für Tiere werden und ein „Genaustausch“ zwischen den durch die A 7 getrennten Populationen wäre nicht mehr möglich. Die Folge: Isolierte Gruppen haben langfristig keine Überlebenschance, es tritt eine genetische Verarmung ein, Inzuchteffekte sind nicht auszuschließen.
Das Land Niedersachsen ist ein Land mit einem Herz für die Wildkatze, macht sich stark für den Erhalt der Wildkatze und deren Vernetzung. Niedersachsen hat derzeit das größte Wildkatzen-Vorkommen in Norddeutschland. Da die Autobahn einer Vernetzung der Wildkatzen-Teilpopulationen aus Harz und Solling wie eine Barriere entgegensteht (auch dem Luchs, dem Rothirsch) muss eine Wildbrücke her, die die Wanderbewegungen der Tiere sichert und verbessert
Als „wichtige Vernetzungsstruktur“ gilt der Bereich Hohe Rott - Rodenberg - Bauernhai – Harzhorn – Vogelberg. Die Wildkatzenuntersuchung von 2008/2009 hat die Wildkatze in diesem Bereich nachgewiesen.

Topografie
am Harzhorn


Der Standort für die Wildbrücke/Grünbrücke im Bereich zwischen Rodenbergbach (östlich der A 7) und dem Bergsporn Harzhorn (westlich der Autobahn) bietet „optimale Vernetzungsbedingungen“, so ist den Planunterlagen zu entnehmen, und: „Die Geländetopografie, insbesondere im Be reich Harzhorn bietet aufgrund der nach Osten gerichteten Handneigung nahezu optimale Bedingungen zur Anlage einer Querungsmöglichkeit.“ Eine Wildbrücke, die die sechsspurige Autobahn und die unterhalb des Harzhorn in einem Teilbereich umverlegte Bundesstraße 248 queren würde, würde mit 7.246.666 Euro zu Buche schlagen. So ist zumindest der Stand der derzeitigen Kostenermittlung.