Einer von vier Schlägern muss hinter Gitter

Seesener (22) in der Nacht zusammengeschlagen und ausgeraubt – Brutalo-Quartett jetzt verurteilt

Man hätte – aufgrund der Körperhaltung – den Eindruck bekommen können, dass die vier jungen Männer, die am Dienstag den Gerichtssaal des Seesener Amtsgerichts betraten, ein wenig „Bammel“ vor der bevorstehenden Verhandlung hatten. Vielleicht war es aber auch einzig die le­thargisch-antriebslose Grundhaltung der vier „Müßiggänger“, die mit ausdruckslosen Gesichtern, hängenden Schultern und einer schlurfenden Gangweise Einzug hielten.

Sandy Heinzel

Seesen. Schon bei der Aufnahme der Personalien des streitbaren Quartetts wurde klar: Viel Eigenantrieb haben die jungen Männer in ihrem Leben bislang noch nicht entwickelt. Die Lebensläufe der Seesener enthalten lediglich Abgangs- statt Abschluss­zeugnisse; abgebrochene Lehren und Maßnahmen der Arbeitsagentur durchziehen die gesamten Werdegänge der jungen Männer. Die gefüllten Aktenordner der Jugendgerichtshilfe sprechen Bände.
Angeklagt waren die vier Seesener im Alter von 20 bis 25 Jahren nun wegen des gemeinschaftlichen Raubes. Am 20. Februar des vergangenen Jahres, frühmorgens gegen 1.35 Uhr, hatten die Angeklagten einen 22-jährigen Seesener in Höhe der Bis­marckstraße / Ecke Drakenpfuhl brutal zusammengeschlagen und ausgeraubt. Der stark betrunkene Seesener hatte die Gruppe seinerzeit lediglich nach dem Weg fragen wollen. Er kam von einer Betriebsfeier und hatte mit 1,56 Promille den Weg nach Hause vergessen. Als er näher an die Gruppe herantrat, musste er feststellen, dass diese nicht willens war, ihm den Weg zu zeigen. Sie hatte es ganz offensichtlich auf die Wertsachen des 22-jährigen Mannes abgesehen.
Einer der Angeklagten, Fabian F. *, fühlte sich angeblich provoziert und schlug dem Betrunkenen sofort mehrmals mit der Faust ins Gesicht, während Daniel S. das Handy des 22-Jährigen entriss. Der Geschädigte fiel dabei zu Boden und wurde von F. geschlagen und getreten. Gleichzeitig gelangte ein weiterer Täter, Robert K., an das Portemonnaie des am Boden Liegenden und entwendete daraus etwa 20 Euro.
Der 22-Jährige konnte sich schließlich von der Gruppe losreißen und lief davon. In Höhe des Seesener Parkhauses traf der Verletzte auf eine weitere Gruppe Seesener Jugendlicher, die schließlich den Notruf absetzte und die Polizei informierte.
Der 22-Jährige erlitt bei der Auseinandersetzung Prellungen und Abschürfungen im Gesicht und am Oberkörper.
Neben einer Einblutung im Auge kam es zudem zu einer Verletzung des Trommelfells. Schlimme Verletzungen also, die ihm die vier Brutalo-Schläger eigentlich grundlos zufügten. Insgesamt verbrachte der Geschädigte zwei Tage im Krankenhaus, bis er sich schließlich auf eigenen Wunsch entließ. Fabian F. entschuldigte sich bei dem geschädigten Familienvater, der vor Gericht am Dienstag als Zeuge ausgesagt hatte – wohl auch, weil der Pflichtverteidiger ihm diesen Tipp gegeben hatte. Auch Daniel S. bat das Opfer um „Vergebung“.
Robert K., der bereits vier Eintragungen im Vorstrafenregister hat, wurde unter schwers­ten Bedenken zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Zusätzlich hat er 200 gemeinnützige Arbeitsstunden abzuleisten.
Paul P. hat bislang fünf Vorstrafen und wurde von Richter Rolf Stratmann eindringlich verwarnt. Neben einem Freizeitarrest hat P. 100 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten. Wie Robert K. und Paul P. wurde auch Daniel S. nach dem Jugendstrafrecht verurteilt.
Daniel S. sei das Sorgenkind der Gruppe, so Stratmann. Wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung wurde der 20-Jährige bereits im August 2010 zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Stratmann bezog das Urteil mit ein und kam zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten – diese wird nicht zur Bewährung ausgesetzt.
Fabian F., mit 25 Jahren der älteste der Gruppe, wurde als einziger nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt. Da er seine vorherigen Strafen bereits verbüßt hatte, wurde er nun zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Moanten zur Bewährung verurteilt. Weiterhin muss F. insgesamt 200 Stunden ge­meinnützige Arbeit ableisten, von denen 100 Stunden teilvergütet werden und dem Geschädigten in Form von Schmerzensgeld zugute kommen sollen.


*Anmerkung der Redaktion: Die Namen der vier Angeklagten wurden ge­än­dert.