Eines großen Sozialdemokraten gedacht

Auch in diesem Jahr kamen Mitglieder der SPD Seesen zur Gedenkfeier an den Dr.-Heinrich-Jasper-Platz. Am 19. Februar 1945 starb Jasper im Konzentrationslager Bergen-Belsen. 
 
Ortsvereinsvorsitzende Michaela Meyer und Fraktionsvorsitzender Michael Conzen legten einen Kranz nieder.

69 Jahre nach seinem Tod legt die SPD Seesen am Dr. Heinrich-Jasper-Platz einen Kranz nieder

Am Mittwoch dieser Woche jährte sich zum 69. Mal der Todestag von Dr. Heinrich Jasper. Die Seesener Sozialdemokraten gedachten ihm auch diesmal wieder und legten vor dem Denkmal am Jasper-Platz einen Kranz nieder.

Das taten die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Michaela Meyer, und der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten im Rat der Stadt Seesen, Michael Conzen. Die anschließende Gedenkrede hielt Michaela Meyer.
Dr. Heinrich Jasper kam im Konzentrationslager Bergen-Belsen ums Leben. Er teilte damit das Schicksal tausender Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten. Wie viele andere wurde auch er im Volksfreund-Haus in Braunschweig unmenschlich misshandelt. Das Volksfreund-Haus in Braunschweig war bis März 1933 Sitz der SPD-Parteileitung, des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und der sozialdemokratischen Zeitung „Der Volksfreund“.
Ab 1933 wurde es zur Folterstätte der SS-Hilfspolizei und ein „Schutzhaftgefängnis“. Im Juli 1933 wurde es umbenannt in „Gerhard-Landmann-Haus“. Heute erinnert je eine Gedenktafel innen und außen an die Geschehnisse der NS-Zeit.
Heinrich Jasper wurde am 21. August 1875 in Dingelbe in der heutigen Gemeinde Schellerten im Landkreis Hildesheim geboren; nur wenige Jahre konnte er sich eines Elternhauses erfreuen. Sein vermögender Vater besaß in Bornhausen einen großen Wirtschaftsbetrieb.
Heinrich Jasper besuchte in Hildesheim das humanistische Gymnasium und studierte „Rechts- und Staatswissenschaften“ in München, Leipzig und Berlin. Bereits im Alter von 25 Jahren promovierte er und legte die große juristische Staatsprüfung ab. In Braunschweig ließ er sich im Jahre 1901 als Rechtsanwalt nieder.
Sein besonderes Anliegen war der Aufbau von Wohlfahrts- und Fürsorgeeinrichtungen. Durch eine Erbschaft wurde er finanziell in die Lage versetzt, sich derer anzunehmen, die sich wirtschaftlich und sozial in Not befanden. Dieses Engagement führte ihn zu den Sozialdemokraten. Bereits 1903 wurde er als sozialdemokratischer Abgeordneter in das Stadtverordnetenparlament gewählt.
Während des Ersten Weltkrieges stand Dr. Heinrich Jasper als einfacher Soldat an der Front. 1918 holte der Braunschweigische Herzog Ernst-August diesen „einfachen Soldaten“ aus dem Krieg zurück, da er in Heinrich Jasper einen gemäßigten Politiker sah, der das Schlimmste verhindern sollte. So war Dr. Heinrich Jasper Mitglied der Nationalversammlung von 1919/20 und wirkte an der Weimarer Verfassung mit.
In den Jahren von 1918 bis1933 wirkte er als Fraktionsvorsitzender im Landtag, er wurde Landesminister und Ministerpräsident des Landes Braunschweig.
Dann nahm der Schrecken des Nationalsozialismus seinen grausamen Verlauf. Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten wurden die Abgeordneten anderer Parteien massivsten Repressalien ausgesetzt. Sie wurden zum Austritt aus der „anders denkenden Partei“, zum Verzicht auf ihr Mandat oder auch zum Eintritt in die NSDAP gezwungen. Sie wurden misshandelt, gefoltert und ermordet.
Am 18. März 1933 wurde Dr. Heinrich Jasper verhaftet. Er verweigerte trotz schwerer Misshandlungen die Unterschrift für den Mandatsverzicht. Die NSDAP war nun bereits seit 1930 an der Staatsregierung beteiligt. „Schutzhaft“ bis 19. April 1933, zwei Monate später Inhaftierung im Gefängnis Rennelberg, wo er ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt bis 1935 verbleiben musste, um dann in das Konzentrationslager Dachau gebracht zu werden.
1938 wurde er wieder freigelassen; durch wen und warum dies veranlasst wurde, ist nicht bekannt. Zurück in Braunschweig, musste sich Heinrich Jasper täglich bei der Gestapo melden und wurde ständig überwacht.
1944 wurde Dr. Heinrich Jasper erneut inhaftiert, wie alle sozialdemokratischen Funktionäre, die noch in Freiheit waren; als Vorwand diente das Attentat auf Adolf Hitler. Dann – durch Folter und Haft gezeichnet, wurde Dr. Heinrich Jasper ins Konzentrationslager Sachsenhausen verbracht.
Im Zuge der Auflösung dieses Konzentrationslagers nach Bergen-Belsen verlegt, verstarb Dr. Heinrich Jasper vor 69 Jahren am 19. Februar 1945. Damit ging das Leben eines Staatsmannes von umfangreichem Wissen und einer unbestechlichen Persönlichkeit unter großen Qualen zu Ende.