Einsatz für Belange hilfsbedürftiger Menschen

Landrat Thomas Brych heftet Hans-Werner Ohlsen (links) das Verdienstkreuz an.
 
Groß war die Zahl der Gratulanten.

Verdienstkreuz am Bande für Hans-Werner Ohlsen / Landrat Thomas Brych würdigt Leistungen des Seeseners

Der altehrwürdige Saal des Bürgerhauses bot am Dienstagnachmittag die Kulisse für eine Feierstunde der ganz besonderen Art. Im Kreise von Familie, Angehörigen, Freunden, langjährigen Wegbegleitern und Honoratioren, die Bürgermeister Erik Homann dort willkommen heißen konnte, wurde dem Seesener Hans-Werner Ohlsen das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Die Ehrung wird bundesweit jährlich nur 2000 bis 2500 Bürgerinnen und Bürgern zuteil.

„Das entspricht nur etwa 0,003 Prozent der deutschen Bevölkerung“, machte Landrat Thomas Brych deutlich, der zur Verleihung aus Goslar angereist war und zeitlich eine Punktlandung hinlegte.
Die zuweilen hinter vorgehaltener Hand geäußerte Frage, ob eine Preisträgerin beziehungsweise ein Preisträger die Auszeichnung überhaupt verdient habe, sie stellt sich bei Hans-Werner Ohlsen wahrlich nicht. Das macht allein die schwarz auf weiß nachzulesende, über jeden Zweifel erhabene Vita des Geehrten deutlich, in die der Chef der Kreisverwaltung einen Blick warf. „Der Verdienstorden der Bundesrepublik ist Ausdruck der Wertschätzung und der Anerkennung der besonderen Verdienste um das Gemeinwohl“, erklärte Brych. Die Verleihung stelle also nicht etwa eine Anerkennung für die Erledigung eigentlich selbstverständlicher Bürgerpflichten dar. Vielmehr sollen damit ganz besondere, im Interesse der Allgemeinheit erbrachte Leistungen gewürdigt werden.

Integrationsgedanken
beispielhaft umgesetzt

Thomas Brych ließ noch einmal wichtige Etappen des Wirkens von Hans-Werner Ohlsen Revue passieren. So ist der heute 81-Jährige seit 1967 Mitglied der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen, seit 1969 Vorstandsmitglied und seit 1986 Vorsitzender des Vereins. Unter seinem Vorsitz wurden 1989 ein Regelkindergarten und 1992 ein Integrationskindergarten der bestehenden Tagesstätte angegliedert. Heute beherbergt das „Haus am Kurpark“ neben der Kurparkschule als Tagesbildungsstätte mit dem Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“ und dem Heilpädagogischen Kindergarten auch den Regelkindergarten mit integrativer Krippe und den Integrationskindergarten. Ohlsen habe sich dauerhaft für die Umsetzung des Integrationsgedankens eingesetzt. Inzwischen bestehen in Trägerschaft des Vereins in Seesen, Bad Gandersheim und Gremsheim weitere Einrichtungen wie beispielsweise ein Sprachheilkindergarten und ein Autismus-Therapiezentrum. Die Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen hat mittlerweile 350 Mitglieder und 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Zudem war Hans-Werner Ohlsen maßgeblich an der Gründung der Lammetal-Werkstätten in Lamspringe beteiligt und ist Mitglied des Verwaltungsrates der Lammetal-Werkstätten Lamspringe GmbH. Aufgrund seines persönlichen Einsatzes sind die Angebote konsequent ausgebaut worden. Heute sind der Gründungswerkstatt in Lamspringe Wohnstätten und Wohngruppen in Bad Gandersheim, Alfeld, Harbarnsen und Seesen angegliedert. Im Juni 2013 wurden der zertifizierte Kneipp-Kindergarten und das Familienzentrum der Lebenshilfe Bad Gandersheim eröffnet.
2009 nahm Ohlsen Kontakt zu einer vergleichbaren Einrichtung wie der Lebenshilfe im polnischen Kozmin auf. Nach gegenseitigen Besuchen entstand eine reguläre Partnerschaft, die nicht nur Vorteile für alle Beteiligten hat, sondern auch den Gedanken der Völkerverständigung fördert. Als weitere ehrenamtliche Aufgabe hat Ohlsen vor etwa 20 Jahren die Redaktionsleitung des Senioren-Journals Seesen übernommen. Außerdem war er lange Jahre in der Kommunalpolitik tätig, war Mitglied im Rat der Stadt Seesen und im Kreistag Goslar sowie zwölf Jahre lang Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Seesen, dessen Ehrenvorsitzender er heute ist.
„Sie haben durch Ihr engagiertes Wirken wesentlich dazu beigetragen, die Arbeit mit behinderten Menschen kontinuierlich weiterzuentwickeln“, so der Landrat an die Adresse von Hans-Werner Ohlsen, dem er anschließend im Auftrag des Bundespräsidenten das Verdienstkreuz anheftete.

Ehrenamtliches Engagement als Selbstverständlichkeit

Nachdem er die stehenden Ovationen entgegengenommen hatte, wandte sich der Geehrte an die Gäste. Schon von Kindesbeinen an sei für ihn ehrenamtliches Engagement eine Selbstverständlichkeit gewesen. „Ohne ein solches kann die Demokratie, die doch vom Gemeinsinn lebt, nicht gedeihen“, so Ohlsen. Stets habe er Freude und innere Befriedigung darüber empfunden, etwas Sinnvolles neben seinen familiären und beruflichen Pflichten tun zu können. Namentlich listete er langjährige Weggefährt(inn)en aus Vereinsleben sowie auf beruflichem, kommunalpolitischem und sozialem Gebiet auf. Vor allem freute er sich über den Besuch einer mehrköpfigen Delegation aus dem polnischen Kozmin Wielkopolski, die vom dortigen Bürgermeister Maciej Bratborski angeführt wurde. Eine große Stütze seien ihm stets die Familienmitglieder gewesen, wobei er besonders seinen Sohn und die beiden Töchter hervorhob. Völlig unmöglich gewesen aber wäre sein jahrzehntelanges soziales Engagement nach eigenen Worten ohne die bedingungslose Unterstützung von Ehefrau Ruth.