Enttäuschung bei Münzsammlern ist oft riesengroß

Wertlos oder wertvoll? Der Seesener Münzenverein hilft bei dieser Frage gern weiter.

Wertvolle „Schätze“ sind oft ohne Wert / Seesener Münzenverein gibt Liebhabern wichtige Tipps

Seesen (li). Zum letzten Mal in diesem Jahr trafen sich am Sonntag die Mitglieder des Seesener Münzenvereins im „Alten Fritz“ zum regelmäßigen Informationsaustausch und zwang-losen Treffen mit der Möglichkeit, doppelte Münzen zu tauschen oder bei Sammlerfreunden das eine oder andere Stück zu erwerben. Manch Seesener Bürger nutzt dabei die Gelegenheit, seine in früheren Jahren gesammelten Stücke oder aus Nachlässen und Erbschaften erworbenen „Schätze“ kos­tenlos und unverbindlich begutachten und bewerten zu lassen. Und wie fast immer, war auch diesmal bei einigen dann die Enttäuschung sehr groß, stellten sich doch viele der vermeintlichen Schätzchen als reine Umlaufmünzen oder ausländisches Resturlaubsgeld heraus, die heutzutage bei keiner Bank mehr eingelöst werden – geschweige denn einen Sammlerwert besitzen. Der Vorsitzende des Münzenvereins, der sach- und fachkundige Horst Schiller, rät dazu, diese Stücke zur Erinnerung für Kinder und Jugendliche zu bewahren.
Noch größer ist häufig die Enttäuschung der Besitzer, wenn sie mit sogenannten „Limitierten Serien“ von dubiosen Versendern oder Anbietern aus dem Internet sowie von Verkäufern der Verkaufssender im TV erscheinen. Wurden doch hier häufig dieser Schrott als „… einzigartig, selten und weltweit geschätzt, streng limitiert und Premium-Qualität mit Wertsteigerungspotenzial“ sowie Zertifikate mit Echtheitsgarantie, nummerierte Besitzurkunden und repräsentative Münzenkassetten sowie als sichere Anlage bei Zeiten des kriselnden Euros den Käufern versprochen.
Diese versprochenen Wertsteigerungen lösen sich an­schlie­ßend meistens in Luft auf. Denn viele dieser Münzen sind keine gesetzlichen Zahlungsmittel, sondern „Medaillen“ mit in der Tat geringen Auflagen von Miniländern oder kleinen und kleinsten Inselchen wie beispielsweise Palau, Vanatu und weiteren herausgegeben wurden – geprägt in europäischen Prägeanstalten. Teilweise sind diese überhaupt keine Zahlungsmittel und werden auch von keiner europäischen Bank akzeptiert. Häufig liegen dann beim Verkauf die Erlöse unter dem Metallwert bei früheren Verkaufspreisen, die häufig in die Hunderte gingen. Und dann auch noch vorausgesetzt, dass überhaupt ein Interessent für diese Teile vorhanden ist.
Horst Schiller empfiehlt, Münzen als Geldanlage nur bei Banken oder seriösen Händlern zu erwerben. Hier eignen sich vorrangig nur Silbermünzen und auch nur sogenannte „Sonderprägungen“, vorausgesetzt die Auflagen gehen nicht in die Millionen Stücke. Am sichers­ten haben sich offizielle Goldmünzen (keine Medaillen) erwiesen, die bei Banken und Händlern verkauft – aber auch wieder angekauft werden und deren Kurse täglich in Anlehnung an den Goldpreis festgesetzt werden. In keinem Fall sollten Goldmünzen/Medaillen gekauft werden, die als Serie von „kleinste Goldmünzen“ oder nur mit Größe/Umfang, aber ohne Gewicht und ohne Feingehalt des Goldes angegeben werden.
Natürlich soll der interessierte Sammler mit kleinem Budget seinem liebgewonnenen Hobby als Euro- oder DM-Sammler nach wie vor nachgehen – aber bevor man den unseriösen Verkäufern sein gutes Geld zukommen lässt und eventuell dabei auch noch ein langfristiges Abonnement eingeht, empfiehlt der Münzenverein, sich immer vorab beim fachkundigen Sammler und seriösen Händler oder einem Mitglied des Münzenvereins zu informieren.