Erdverkabelung: „Widersprüchliche Aussagen“

BI „Der Ambergau wehrt sich“ bezweifelt Hartmann-Beurteilungen

Seesen (bo). Der Agrarausschuss des niedersächsischen Landtages hat am 1. April eine Expertenanhörung zum weiteren Ausbau der Stromnetze durchgeführt. Insbesondere wurde auch die Erdverkabelung von Trassen beleuchtet. Dabei hat aus Sicht der Bürgerinitiative „Der Ambergau wehrt sich“ Tennet-Chef Lex Hartmann widersprüchliche Aussagen zur Erdverkabelung gemacht. Die von ihm genannten fünf- bis zehnmal höheren Kosten könnten durchaus in Zweifel gezogen werden. Zum einen gebe es Berechnungen unter anderem des Landes Niedersachsen, die von zwei- bis dreimal höheren Kosten ausgehen. Zum anderen hätten die Vertreter des Netzbetreibers im Arbeitskreis Hochspannung selbst von nur 3,5-fachen Kosten gesprochen. Diese Angaben würden übrigens auf einem konkreten Angebot eines Kabelherstellers für die Trasse Wahle-Mecklar basieren.
In der NDR-Sendung „Jetzt reicht’s“ in Bad Gan­dersheim habe Hartmann ausgeführt, dass das Kapital für die Mehrkosten kein Problem wäre, sofern der rechtliche Rahmen geschaffen werde. Nunmehr gebe er offen zu, dass die Tennet die Mehrkosten nur ungern vorfinanzieren möchte. Also stünden die wirtschaftlichen Interessen doch über denen der betroffenen Bürger. Allerdings werde es schwer werden, gegen deren Willen solche Projekte durchzuziehen.
Vor vier Jahren sei die 380 kV-Trasse den Bürgen noch als Transporttrasse für den Windstrom von der Küste verkauft worden. Als dann seitens der Bürgerinitiativen die HGÜ-Erdverkabelung vorgeschlagen worden sei, sollten plötzlich Abzweige nach Göttingen und Hildesheim erfolgen, was ein solches Projekt erheblich verteuern würde. Welche Variante – Erdkabel oder Freileitung – anfälliger für Störungen sei, sei ebenfalls strittig, so die BI weiter. Auf jeden Fall sei ein Erdkabel extremen Witterungseinflüssen nicht ausgesetzt. Immerhin gebe Hartmann zu, dass erhebliche technische Fortschritte in der Erdkabeltechnik zu verzeichnen seien. Dass die Strecke Wahle-Mecklar mit rund 200 Kilometern Streckenlänge für ein HGÜ-Erdkabel zu kurz sein solle, sei nicht nachvollziehbar.
Immerhin habe Siemens den Zuschlag für ein HGÜ-Erdkabelprojekt zwischen Spanien und Frankreich erhalten, das sich nur über 65 Kilometer erstreckt. Und das in den Pyrenäen – ein sicherlich anspruchsvolleres Gelände als der Vorharz.