Erinnerungen an die Comedian Harmonists

„Basta“ begeisterte beim Seesener Kulturforum. (Foto: Jung/Mateo)

„Basta“ begeistern beim Seesener Kulturforum / Standing Ovations für das Kölner Gesangsquintett

Beim Seesener Kulturforum wurde a capella-Gesang angeboten, fein, vielfältig, spielfreudig, sprachwitzig, ironisch, publikumsnah. Ausverkauft! Basta! Das Gesangsquintett präsentierte sich anlässlich seines zehnten Geburtstages auch in der Aula des Schulzentrums. Die Boygroup mit René Overmann, Werner Adelmann, William Wahl, Andreas Hardegen und Thomas Aydintan ist inzwischen erwachsen geworden. Die Vielfertigkeiten ihres Herkommens machen die Gruppe so flexibel und gleichzeitig komplett: Da steht der gelernte Sänger neben dem Theatermacher, der Musik-Paukende neben dem Pianisten und dem gelernten Architekten.
Die zahlreichen Basta-Fans im Saal lassen zu Beginn die Jungs auf der Bühne kaum „zu Wort“ kommen, so hat man das Gefühl. Die Wahl-Texte – soweit reproduzierbar – werden mitgesungen und wie Ohrwürmer begrüßt, nicht nur das ABBA-SOS in der William-Version. „Sie war hässlich wie die Nacht“ heißt es im romantischen Liebeslied „Ich glaub´ ich habe mich verliebt.“ Wieder setzt das Publikum den Background: A capella ma con publico! Die Spielereien mit Sprache sind erfrischend: Was bleibt vom „Du bist cool“, wenn der kalte Drink im Dekolleté landet?
René ist Schauspieler, Parodist und Pantomime (Sänger natürlich auch!), wenn wir ihn mit einer Dean Martin-Version à la Madonna auf dem Barhocker erleben („Like a Virgin“) und die soft steps eher dem Hochprozentigen geschuldet sind. In der Basta-Dezenniums-Retrospektive ist der Titel über weibliche Fußball-Randpuppen („Spielerfrauen haben immer blonde Haare“) ein neues Stück. Boshafte Sprach-Konstruktionen persiflieren die Reimkultur („Lauch … auch!“); sächselnde Scat Vocals nähern sich mühsam den Ipanema-Träumen an; ein ungestimmtes Plastik-Blockflöten-Terzett lässt ein am Bühnenboden zerstörtes Mundstück zurück. Die rote Flöte ist zerschlagen.
Nach der Pause formen sich Djungle-Voices zu Sprache und Musik („Like a Lion“). Die Basta-Ratschläge zur Klimaerwärmung sind nachvollziehbar boshaft: Die Überfischung senkt den Meeresspiegel! Die Gewalt-Parodie um „Blutwurst“ ist krass inszeniert und bringt Musical-Atmosphäre auf die Bühne des Seesener Kulturforums. Wer die Wahl hat, hat die Qual („Wer hat eigentlich gesagt...“), den Schnellst-Sprecher in einem Caskaden-System aus 32tel-Noten wirklich zu verstehen. Eine kleine Randbemerkung: Eine bessere Tonaussteuerung durch die mitgereisten Techniker hätte den Genuss noch erhöht. Eigentlich haben die fünf Sänger den Verstärkeraufwand nicht immer nötig: Im „Bratislawa-Lover“ ist das Volumen jedes Einzelnen bestens zu spüren und in der unplugged-Zugabe im Foyer kommen plötzlich Erinnerungen an die Comedian Harmonists in den Vordergrund. Eigentlich müsste zum Schluss auch noch die Rosenberg-Grönemeier-Parodie hier gewürdigt werden, und dann noch … und …
Auf jeden Fall danken die Fans mit Applaus und Standing Ovations und warten schon auf das nächste Mal.
Joachim Frassl