Erlebnis-Meile mit „Weltpremiere“

Das Band durchschnitten: Seesens Bürgermeister Hubert Jahns eröffnet mit Elisabeth Paetz-Kalich an seiner Seite das "Max & Moritz-Erlebnisdorf". (Foto: Knoblich)
 
Ob ihr das Anglerglück wohl hold war? (Foto: Knoblich)

Bei strahlendem Sonnenschein lockt es Tausende zum Frühlingsfest nach Seesen

Von Karsten Knoblich

Das Wilhelm-Busch-Dorf Mechtshausen hat ernste Konkurrenz bekommen – wenn auch nur für einen Tag. Im Rahmen des diesjährigen Seesener Frühlingsfestes hatte sich am Sonntag der innerstädtische Jacobsonplatz in ein „Max-und-Moritz-Erlebnisdorf“ verwandelt. Bürgermeister Hubert Jahns sprach während der Eröffnung von einer „Weltpremiere“, und er dürfte da wohl richtig gelegen haben. Ein großes Lob richtete Jahns an die Adresse von Elisabeth Paetz-Kalich für die originelle und „Busch-getreue“ Kulissengestaltung, vor allem aber an Sabine Mogk-Hagemann (Veranstaltungsmanagement) und Elke Roch (Projektleiterin) vom Seesener Stadtmarketing für deren beispielhaftes Engagement. Das Ziel, das Erlebnisdorf in den nächsten Jahren zum Publikumsmagneten auszubauen, hat man fast schon aus dem Stand erreicht. Kaum hatte der Bürgermeister die Anfangsverse aus „Max & Moritz“ rezitiert, stilgerecht das Band durchschnitten und das „Dorf in der Stadt“ damit offiziell eröffnet, da setzte ein Besucherstrom ein, der bis zu den Abendstunden nicht mehr abriss. Und das war kein Wunder, fühlten sich die Besucher doch ganz und gar in die Zeit der beiden Lausbuben Max und Moritz zurückversetzt. Die Schneiderei Böck fehlte da ebenso wenig wie gleich nebenan die berühmte Brücke, durch die der Meister einst krachte. Für Kinder und Jugendliche war es ein Riesenspaß, das Bauwerk aus lauter Einzelteilen „neu“ zu gestalten. Die Kaffeestube von Witwe Bolte lud zum Verweilen ein, während nur ein paar Schritte weiter ihre knusprigen Hähnchen von Frühlingsfestbesuchern „schwuppdiwupp“ durch den Schornstein geangelt wurden. Nicht fehlen durften das Domizil von Meister Müller, eine Mosterei, die mit Wohlgerüchen lockende Backstube sowie ein 100-teiliges Max-und-Moritz-Puzzle, das die Passanten unter Aufbietung ihrer künstlerischen Fähigkeiten zeichnerisch vervollständigen mussten. Tierisch niedlich ging’s in der Mitte des Erlebnisdorfes zu. Ziegen, Hühner, Ponys und sogar ein paar kapitale (Oster-)Hasen zogen da die Blicke auf sich und freuten sich über viele Streicheleinheiten.
Doch das Geschehen konzentrierte sich natürlich nicht nur auf den Jacobsonplatz. Fast im gesamten Verlauf der Jacobstraße, ferner in der Bismarckstraße und auch in der Marktstraße herrschte ebenfalls munteres Treiben. Im Krankorb Seesen aus luftiger Höhe betrachten, im Formel-1-Simulator ein paar schnelle Runden auf der Rennstrecke drehen, den Modellbauern über die Schultern schauen, sich über die neueste Generation motorisierter Gartengeräte oder über energieeffiziente Pelletöfen von Experten informieren lassen, den mächtigen „Brauwers“-Truck bewundern, die Top-Modelle der Automobilhändler hautnah erleben, Pflanzen für den heimischen Garten einkaufen – alles das und noch viel mehr war am Sonntag möglich.
Währenddessen konnten die Kinder ein paar Runden auf dem Karussell drehen, sich beim Schminken „verschönern“ lassen, beim Ponyreiten ihr Glück versuchen oder auf dem Bungee-Trampolin ein paar Salti schlagen. Und die Damen? Die nutzten beispielsweise die Möglichkeit, ihre Fingernägel in neuem Glanz erstrahlen zu lassen oder bei Modenschauen Einblicke in die neuesten Trends zu nehmen.
Ohne Show und Musik läuft bekanntlich nichts. Und das galt auch für das Frühlingsfest. Da gab es live gesungene Countryhits und Evergreens, Trommelvorführungen mit Kay Boni, eine Zumba-Darbietung, feurige Flamencotänze mit der Gruppe „Las Rosas del Meson“ und sogar Drehorgelklänge wie anno dazumal, vorgetragen vom Windhäuser Duo „Renate und Wolfgang“. Auf großen Zuspruch stießen außerdem das Mitmachtheater „Löwenherz“ mit einem speziell auf Max & Moritz zugeschnittenen Programm sowie die szenische Darstellung einiger Streiche der beiden Busch-Schützlinge mitten im Erlebnisdorf. Und der verkaufsoffene Sonntag? Nun, in den geöffneten Geschäften wird es angesichts des tollen Frühlingsfest-Wetters etwas ruhiger zugegangen sein als draußen, aber im Sinne einer hervorragenden Werbung für Seesen dürften wohl alle zufrieden gewesen sein.
Fazit: Das beste Seesener Frühlingsfest seit langem mit einer Erlebnisdorf-Premiere nach Maß und einer Erlebnis-Meile, die diesen Namen auch wirklich verdient.