Erste Erfolge auf dem langen Weg zur Inklusion

Der langjährige Geschäftsführer der Lammetal-Werkstätten in Lamspringe, Lothar Hampe (links), konnte aus den Händen des 1. Vorsitzenden der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen, Hans-Werner Ohlsen, die Ehren-Medaille der „Lebenshilfe“ entgegennehmen. (Foto: Poerschke)

Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen zieht Bilanz / Ehrenmedaille für Lothar Hampe

Seesen (poe). 351 Mitglieder, knapp 100 Mitarbeiter und eine Bilanzsumme, die sich im vergangenen Jahr auf immerhin rund 4,75 Millionen Euro belief – Daten und Fakten, die deutlich machen, dass die Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu den festen Größen in der Region zählt. So fanden die vom Vorstand und der Geschäftsführung eingebrachten Berichte das ungeteilte Interesse der Teilnehmer an der jüngs­ten Mitgliederversammlung. Dabei ließ man zum einen die vergangenen zwölf Monate Revue passieren und sich zum anderen über neue Projekte und künftige Aktivitäten aus erster Hand informieren. All das erstmals nicht, wie sonst üblich, im November und arrondiert durch ein zünftiges Grünkohlessen, sondern bereits Ende September im Rahmen eines nicht weniger zünftigen Oktoberfestes.
Der besondere Gruß des 1. Vorsitzenden Hans-Werner Ohlsen galt den Repräsentanten der Städte und Gemeinden, dem ehemaligen Geschäftsführer der Lammetal-Werkstätten, Lothar Hampe, sowie dem Seesener Seelsorger Thomas Weißer.
Weißer, der seit März dieses Jahres in den Klassen 1 bis 3 der Kurpark-Schule den Religions-Unterricht erteilt und die Grüße der Kirchengemeinde Seesen überbrachte, ging auf die Gemeinsamkeiten ein, die die Kirchengemeinde und die „Lebenshilfe“ verbinden. Beide fühlten sich der Diakonie, also dem Dienst am Nächsten, verpflichtet; beide wüssten um die Notwendigkeit gezielten Handelns, um anderen Menschen ohne Ansehen der Person, der Herkunft, der Religion oder aber der körperlichen und geistigen Verfassung helfen zu können, und beide würden die daraus erwachsenen Aufgaben und Herausforderungen sehr ernst nehmen.
Vor diesem Hintergrund lobte Weißer „das starke soziale Engagement der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“. Er merkte ergänzend an, dass deren Arbeit zudem sensibilisierend in die Gesellschaft hinein wirke und machte den Mitarbeitern und Mitgliedern Mut, die Interessen von Menschen mit Behinderungen auch künftig mit allem Nachdruck zu wahren und zu vertreten.
Wie Hans-Werner Ohlsen in seinem sich anschließenden Rückblick erinnerte, sei es nicht zuletzt das Thema „Inklusion“ gewesen, das die Arbeit seit der letzten Mitgliederversammlung geprägt habe. Um – wie auch international als Leit-Konzeption festgelegt – Menschen mit Behinderungen eine stärkere Teilhabe in den Kindergärten und Schulen, im Beruf und im Bereich „Wohnen“ zu ermöglichen, hätte es nach seinen Worten nämlich einer Vielzahl organisatorischer Voraussetzungen bedurft. Die entsprechenden Ansätze vor Ort könne man dabei durchaus als Erfolge bezeichnen. Ohlsen: „Ein greifbares Ergebnis ist unter anderem die Eröffnung unserer Integrativen Kinderkrippe im November letzten Jahres“.
Ein Projekt von vielen, mit dem die Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen zu­kunfts­orientiert auf aktuelle oder sich abzeichnende Entwicklungen reagierte. Da wurde beispielsweise Ende Februar der „Treffpunkt für alle“ im Seesener Bahnhof eingeweiht, öffnete Mitte Mai die Logopädie-Praxis in der Kampstraße ihre Pforten, um der steigenden Zahl an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit angeborenen oder erworbenen Sprach- und Stimmstörungen durch das Angebot geeigneter Therapiemaßnahmen begegnen zu können, fiel der Startschuss für das Projekt „Schulbegleitung respektive Integrationsassistenz“ mit dem Ziel, behinderten Kindern unter bestimmten Voraussetzungen den Zugang zu Regelschulen zu ermöglichen; gab der Vorstand am 20. September grünes Licht für den Kneipp-Kindergarten im „Haus am Kurpark“; ist man schließlich dabei, die letzten Weichen für ein Autismuszentrum zu stellen, das ebenfalls in der Kampstraße seinen Standort finden wird.
Zum Abschluss seiner Ausführungen streifte der 1. Vorsitzende noch kurz die Partnerschaft mit der Schule in Kozmin/Polen und die offizielle Besiegelung dieser Partnerschaft im März. „Die Begegnung der Abschluss-Stufe mit einer polnischer Schülergruppe in Dresden, der Besuch einer polnischen Schü­lergruppe anlässlich des Sommerfestes Ende Juni im Bad Gandersheimer Kindergarten, die Teilnahme an der Feier aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums der polnischen Schule am 10. Juni sowie der Besuch der polnischen Schulleitung Ende August in Seesen sind deutliche Zeichen dafür, dass diese Partnerschaft schon jetzt mit viel Leben erfüllt ist“, betonte Ohlsen.
Geschäftsführer Bernward Steinkraus, der die wirtschaftlichen Ergebnisse der einzelnen Abteilungen aufgelistet und die im Jahre 2010 freigesetzten Investitionen mit einem Gesamtvolumen von rund 172.000 Euro beziffert hatte, sprach vor dem Hintergrund der Inklusion von einer Reihe sich ändernder Aufgabenfelder. Steinkraus: „Einige Umstrukturierungen, so die Einrichtung einer Integrativen Krippe und einer Kooperationsklasse am Gymnasium Bad Gandersheim, die Kooperationen der Klassenstufe I mit dem Schulkindergarten Rhüden, der Klassenstufe II mit der Realschule Seesen, der Klassenstufe III mit dem Gymnasium Seesen sowie der Abschlussklasse mit der Berufsschule Seesen fanden bereits im Jahr 2010 statt. Maßnahmen mit Blick auf die Praxis für Logopädie, auf das Autismus-Therapiezentrum Süd-Ost Niedersachsen und auf den 'Treffpunkt für Alle' werden in den nächsten Jahren ihre Fortsetzung finden“.
Noch bevor nach der einstimmigen Entlastung des Vorstandes und des Geschäftsführers der Schlussstrich unter den offiziellen Teil der Mitgliederversammlung gezogen wurde, wartete der ehemalige Geschäftsführer der Lammetal-Werkstätten, Lothar Hampe, mit seinem Bericht auf.
Ihm wurde übrigens noch eine besondere Ehrung zuteil, konnte er doch aus der Hand von Hans-Werner Ohlsen die Ehrenmedaille der „Lebenshilfe“ entgegen nehmen – „als äußeres Zeichen des Dankes und der Anerkennung für den jahrzehntelangen Einsatz auf ehrenamtlicher und später dann hauptamtlicher Basis für die Sache der Lebenshilfe“, wie es im Text der Urkunde heißt.