Erste Ernteetappe schon im Schlussspurt

Die Ernte der Wintergerste steht bereits kurz vor dem Abschluss.

Jürgen Hirschfeld: Wintergerste hat auf einigen Standorten „geprahlt“

Die Ackerbauern nutzen das hochsommerliche Wetter für Erntearbeiten: Die Ernte der Wintergerste dürfte bereits weitgehend abgeschlossen sein. Die Erträge bezeichnen die Landwirte nach Umfragen des Landvolk-Pressedienstes als durchschnittlich bis gut.
„Allerdings gibt es durchaus Überraschungen, auch negativer Art mit deutlich niedrigeren Erträgen als erwartet“, schildert Jürgen Hirschfeld (Seesen) als Vorsitzender des Ausschusses pflanzliche Produkte im Landvolk Niedersachsen. Die Wintergerste habe in erster Linie auf einigen guten Standorten „geprahlt“ und dort mehr Ertrag vorgegaukelt als dann tatsächlich in den Mähdrescher gelangte.
Nach ersten Prognosen der Agrarstatistiker, die allerdings die Trockenheit noch nicht berücksichtigt haben, könnten die Hektarerträge etwa zehn Prozent über dem Vorjahreswert liegen. Inzwischen setzen die Mähdrescher im Raps sowie im Winterroggen den Erntereigen fort.

Die Rapserträge schwanken ebenfalls recht stark, da kaltes Wetter zur Blütezeit den Kornansatz schmälerte. Sorgen bereitet den Bauern jetzt die lange Trockenperiode. Der Weizen als ertragsstärkste Getreideart benötigt dringend Regen und etwas weniger Hitze, damit die Sonne den erhofften Ertrag nicht „verbrennt“, sagt Hirschfeld.
Hier liegen die Prognosen mit einem Plus von acht Prozent deutlich über dem schwachen Vorjahr, aber nur geringfügig über dem langjährigen Mittelwert. In der Summe rechnen die Agrarstatistiker mit einer Getreideernte, die mit gut sechs Millionen Tonnen über dem schwachen Vorjahreswert liegt. Diese positive Schätzung basiert auf den guten Eindrücken im kühlen Juni, die durch die Julihitze zu erwartenden Ertragsminderungen sind dabei noch nicht eingeflossen. Die Prognose reicht bei Weitem nicht an die Rekordwerte von gut sieben Millionen Tonnen im Jahr 2001 heran.
Nach einem schwierigen Start mit Kälte und Trockenheit im Frühjahr leiden Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln nun erneut unter der Trockenheit, aber auch den hohen Temperaturen. Die Pflanzen sind noch in der Hauptwachstumsphase und signalisieren den Landwirten mit eindeutigen Symptomen ihr Unbehagen über die große Hitze. Mais rollt die Blätter ein, um die Verdunstung zu verringern, die Felder ähneln derzeit eher einer Agavensteppe als einem Maisfeld. Zuckerrüben symbolisieren mit schlapp herunterhängenden Blättern in der Tageshitze eine Schlafphase. Kartoffeln und Wiesen brauchen jetzt ebenfalls Wasser, damit das Wachstum wieder in Gang kommen kann. Auf den leichteren Sandstandorten im Norden und Nordosten des Landes können die Landwirte mit der Feldberegnung einen Teil der fehlenden Niederschläge ausgleichen, allerdings zu hohen Kosten. Eine kleine Entspannung nach der Hitzeperiode würde zudem in Niedersachsens Wäldern die Brandgefahr etwas entschärfen.