Erste Lerntrainerin an der Grundschule

Grundschulrektorin Martina Starke (links) schaut Lerntrainerin Susi Salit über die Schulter. Die AWO-Mitarbeiterin hat an der Grundschule Am Schildberg einen Vertrag über 25 Stunden pro Woche, in denen sie versetzungsgefährdete Kinder aus Hartz-IV-Familien im eigenverantwortlichen Nachhilfeunterricht in Absprache mit den Lehrkräften fördert.

AWO-Mitarbeiterin Susi Salit fördert in der Einrichtung Am Schildberg Kinder aus Hartz-IV-Familien

Das Bildungspaket, das Kindern aus benachteiligten Familien helfen soll, wird im Landkreis Goslar kaum genutzt. Dabei ist der Kreis derjenigen groß, die davon provitieren könnten. Rund 5200 Personen aus Hartz-IV-Familien im Landkreis Goslar könnten Anträge stellen. Dazu kommen unter anderem rund 2600 Wohngeldbezieher.
An der Grundschule Am Schildberg haben sich die Schulleiterin Martina Starke und die Integrationslotsin, Marianne Kucz, dafür stark gemacht, dass leisungsberechtigte Familien ihren Anspruch geltend machen können.
Die Grundschule Am Schildberg ist die erste Einrichtung in der Stadt Seesen, die eine aus Bundesmitteln finanzierte Lerntrainerin beschäftigt: Susi Salit kümmert sich seit dem 1. Februar 2013 um solche Kinder, die aus einkommensschwachen Elternhäusern stammen und einen erhöhten Lernbedarf in den Fächern Mathematik oder Deutsch haben.
Möglich macht dies eine Kooperation aus Arbeiterwohlfahrt (AWO), Grundschule und Landkreis Goslar: Demnach stellt die AWO eine Mitarbeiterin zur Verfügung, die vertraglich an eine Schule gebunden ist. Bezahlt wird sie aber vom Landkreis, der dafür ein bestimmtes Kontingent an Bundesmitteln zur Verfügung hat.
Allerdings sollte dieses Angebot schon im vergangenen Jahr an den Start gehen, nachdem die Bundesregierung das Bildungs- und Teilhabepaket für die gezielte Förderung von Kindern aus sozialschwachen Familien auf den Weg gebracht hatte. „Doch bürokratische Hürden legten dem Projekt Steine in den Weg“, bemängelten Grundschulrektorin Martina Starke und Bernd Fricke, Geschäftsführer des AWO-Kreisverbandes Goslar.
Denn für den Förderantrag muss die Schule nicht nur ein eigens zu diesem Zwecke verfasstes Formblatt mit der Beurteilung des Kindes ausfüllen, sie muss auch eine Unterschrift der Eltern einholen. Liegt die Elterneinwilligung vor, muss die Förderung vom Landkreis bewilligt werden. „Und der tat sich damit anfangs schwer: Von den ersten Anträgen auf Lernförderung im Herbst 2012 bis zur ersten Unterrichtsstunde von Susi Salit im Februar 2013 vergingen fast sechs Monate“, berichtet Rektorin Starke.
Grund für den schleppenden Start seien unklare Vorgaben des Gesetzgebers gewesen, gibt der Landkreis Goslar zu bedenken. Der habe nicht genau festgelegt, welcher Notendurchschnitt zu Fördermaßnahmen berechtige und wer diese dann wo übernehmen darf. Außerdem muss ein Lerntrainer eine fachliche Qualifikation vorlegen.