Es gibt noch Ehrlichkeit auf dieser Welt

Zum Dank gab es Teddybären: Günter Koschig (vorn) und Helmut Fischer (rechts) überreichten die Plüschtiere an Esra Yavuczetin und Sükriye Esgin. Im Hintergrund (von links): Sozialarbeiter und Buchautor Fadi Saad, Lothar Niemann, Herbert Kulp, Murad Yavuczetin, Berndward Geudert und Oliver Grotha, Leiter der Kripo in Goslar.
 
Beim Aufheben der Gelben Säcke im Hinterhof fand die Seesenerin Esra Yavuczetin die Beute aus dem Tresordiebstahl in Wofshagen.

Esra Yavuczetin findet 15.680 Euro zwischen Gelben Säcken und meldet den Fund der Polizei

Stellen Sie sich vor, Sie wollen die Gelben Säcke an die Straße stellen und finden dabei vor ihrer eigenen Haustür fast 16.000 Euro in bar! Passiert nicht? Doch, genau das ist Esra Yavuczetin aus Seesen vor wenigen Tagen passiert.

Als sie die neben der Mülltonne im Hinterhof der Kampstraße befindlichen Gelben Säcke am Abend des 13. Januars hochhob, entdeckte sie dort eine schwarze Tasche. In der befanden sich mehrere Kuverts mit Geldscheinen. Was nun? Was tun?
Esra informierte ihre Schwiegermutter Sükriye Esgin. Aufgeregt rief die 34-jährige Deutsch-Türkin dann sofort ihren Mann Murad an. Der zeigte sich genauso überrascht wie seine Frau und Mutter. Bald schon dämmerte Murad Yavuczetin, woher das Geld stammen könnte. Am 6. Januar hatten zwei Männer aus einem Hotel in Wolfshagen einen Dokumententresor mit rund 20.000 Euro Bargeld gestohlen. Die Männer hatten zunächst in Hannover-Langenhagen einen weißen Audi A3 mit Münchener Kennzeichen gestohlen und waren dann mit dem Fahrzeug nach Wolfshagen gefahren. Dort betraten sie das Hotel und nutzten einen günstigen Moment für den Diebstahl. Die Tat wurde kurz darauf angezeigt und die Fahndung eingeleitet. Die Täter flüchteten über den Sternplatz in Richtung Seesen, befuhren die Lautenthaler Straße und bogen hier in den Steinweg ab. Gegen 14.10 Uhr stellte eine Polizeistreife den Wagen schließlich mit laufendem Motor in der Jägerstraße parkend fest.
In der Nähe konnten die Beamten dann relativ schnell einen Tatverdächtigen festnehmen. „Er verstrickte sich sofort in Widersprüche. Auffällig war zudem, dass er keine Jacke trug und hektisch agierte“, erinnert sich der Polizeioberkommissar Herbert Kulp an den 6. Januar.

Die Beute blieb zunächst spurlos verschwunden



Der zweite Tatverdächtige war zunächst weiterhin flüchtig, konnte aber mittlerweile im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen ebenfalls ermittelt werden. Bei der Sicherstellung des mit laufendem Motors abgestellten Fahrzeuges konnte nur ein Teil der gestohlenen rund 20.000 Euro gefunden werden. Der Rest blieb für Tage spurlos verschwunden, und tauchte dann plötzlich unter den Gelben Säcken der Familie Yavuczetin wieder auf. Der Täter hatte offenbar nur wenig Zeit, seine Beute zu verstecken, nicht anders ist es zu erklären, warum er die Geldtasche mit Inhalt von 15.860 Euro nicht besser tarnen konnte.

„Wir würden immer wieder so handeln!“

Am Mittwoch dieser Woche fand in der Dienststelle des Polizeikommissariats Seesen eine kleine Feierstunde als Dankeschön für Familie Yavuczetin statt.
Mit dabei waren neben der Familie Yavuczetin/Esgin Oliver Grotha, Leiter der Kriminalpolizei in Goslar und Helmut Fischer, PK-Leiter in Seesen, Stellverterter Bernward Geudert, Polizeioberkommissar Herbert Kulp, Günter Koschig und Lothar Niemann vom Goslarer Präventionsteam sowie der Sozialarbeiter und Buchautor Fadi Saad. Alle sprachen der Familie ihren Dank und Respekt aus.
„Wenn Familie Yavuczetin nicht so ehrlich gewesen wäre, wäre die Straftat wohl nie aufgeklärt worden“, erklärte OIiver Grotha. Eine Belohnung gibt es derweil nicht. Zwar gab es kleine Geschenke wie Kinogutscheine, Teddybären und einen Kalender, mehr aber nicht. Das Geld stammt schließlich aus einer Straftat und wird nun dem Eigentümer, dem Hotelbesitzer aus Wolfshagen zurückgegeben. Damit ist die Straftat komplett aufgeklärt, und Seesen um eine ehrliche Finderin reicher.
„Wir würden das immer wieder so machen“, erklärte Murad Yavuczetin, der es für selbstverständlich ansieht, so zu handeln. Gezögert hatte er an dem Abend des 13. Januar nicht eine Sekunde. Ein Umstand, der in der Tat höchste Anerkennung verdient.