Es wird ein kleines bisschen konkreter

Erweiterte Lenkungsgruppensitzung in Münchehof. Das Regionale Entwicklungskonzept nimmt Formen an. Bis zum Abgabetermin haben die Akteure aber noch jede Menge zu tun.

Regionalmanager gehen bei ihrem Entwicklungskonzept (REK) ins Detail

Draußen peitschte der Wind den ersten kalten Herbstregen des Jahres durch die Straßen, und drinnen, im warmen und trockenen Dorfgemeinschaftshaus in Münchehof, tagte am Mittwoch eine erweiterte Lenkungsgruppe des Regionalmanagements Westharz um sich mit der Konkretisierung ihres Entwicklungskonzeptes zu befassen, das im Januar als Bewerbung um Fördermittel im Leader-Programm nach Hannover geschickt werden soll.

Seit den öffentlichen Veranstaltungen in Seesen (der „Beobachter“ berichtete), Clausthal-Zellerfeld, Langelsheim und Braunlage ist zwar noch nicht allzu viel Zeit vergangenen, doch seitdem hat sich relativ viel bewegt. Weitere Treffen haben stattgefunden auf denen die Ergebnisse der Bürgerveranstaltungen erfasst und ausgewertet, Entwicklungsziele formuliert und verschriftlicht sowie Kontakte zu den Akteuren der ILE im Nördlichen Harzvorland hergestellt wurden. Der Kontakt ins Nördliche Harzvorland wurde gesucht, weil die ländliche Entwicklung von Lutter über Salzgitter, Liebenburg, Schladen bishin nach Wolfenbüttel erfolgreich und gut vernetzt agiert, und sich die Westharzer den einen oder anderen guten Tipp erhoffen.
Bürgermeister Erik Homann, der am Dienstag mit einigen Amtskollegen aus dem Westharz in Schladen auf Akteure des Nördlichen Harzvorlandes traf, betonte, dass er eine Kooperation begrüßen würde: „Die ILE Nördliches Harzvorland ist sehr erfolgreich und hat bereits viele Erfahrungen sammeln können. Zudem verbinden uns ähnliche Schwierigkeiten. Ein gegenseitiger Austausch kann beiden Regionen helfen.“ Regionalmanager Wolfgang Kleine-Limberg (Büro Mensch und Region) merkte zwar an, dass es sich bei den Akteuren im Nördlichen Harzvorland streng genommen um Konkurrenten bei den Bemühungen um Fördermittel handelt, ein Austausch aber dennoch nicht schaden könne.
Insgesamt umreißt das REK für den Westharz, das den Titel „Aus Tradition innovativ“ tragen soll, sechs Handlungsfelder, die um Themen wie die demografische Entwicklung, die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme, Klima- und Umweltschutz, Regionale Wirtschaftsförderung, Kultur und Bildung sowie dem sozialen Leben kreisen.
Mit den Fördermitteln und Maßnahmen soll die Region als Wohn- und Arbeitsort gestärkt, der Tourismus als wichtiges Standbein weiterentwickelt und das Profil als Wissens- und Wirtschaftsregion geschärft werden. Darüber hinaus soll das Image der Region verbessert und eine regionale und überregionale Vernetzung und Kooperation gefördert werden.
In den einzelnen Handlungsfeldern finden sich weitere Unterpunkte, die ein klein wenig konkreter werden. In Handlungsfeld 1 beispielsweise, dass sich mit der demografischen Entwicklung und Stärkung der öffentlichen Daseinsvorsorge befasst, sollen beispielsweise Maßnahmen getroffen werden, die die Attraktivität der Region für junge Familien steigern. Konkrete Projekte werden jedoch weiterhin ausgespart.
Wie Bürgermeister Erik Homann auf Nachfrage dieser Zeitung erklärte, gehe es bei dem Leader-Programm vor allem darum, Initiativen aus der Bevölkerung zu stärken. Als Beispiel nannte Seesens Verwaltungschef dabei das inzwischen beerdigte Projekt eines Dorfladens in Bornhausen. „Das Leader-Programm verfolgt den Ansatz, private Vorhaben, die einen öffentlichen Mehrwert versprechen, zu fördern und so für eine bessere regionale Vernetzung und Zusammenarbeit zu sorgen. Der Dorfladen in Bornhausen war ein solches Beispiel, ist jedoch am mangelnden Interesse oder vielleicht auch Bedarf gescheitert“, so Homann.
In dem Berwerbungsschreiben wird es laut Kleine-Limberg zunächst auch nicht konkreter. „Was wir jetzt festgehalten haben, ist das Konkreteste was es zum aktuellen Zeitpunkt gibt“, so Regionalmanager Kleine-Limberg.
Im weiteren Verlauf der Lenkungsgruppensitzung befassten sich die Teilnehmer noch mit dem Feinschliff einzelner Punkte. So meldete sich beim Punkt Imageaufwertung beispielsweise Andreas Lehmberg, stellvertretender Geschäftsführer des Harzer Tourismusverbandes, sehr deutlich zu Wort: „Immer diese Imagefrage. Es sind allein die Harzer, die ihr eigenes Image immer wieder schlecht reden. Es wird Zeit, dass die Bevölkerung hier auf den Stand kommt, wie der Harz bundesweit gesehen wird. Laut repräsentativen Umfragen zählt der Harz nämlich zu den beliebtesten Urlaubszielen in der gesamten Bundesrepublik. Von einem Imageproblem kann also nur intern die Rede sein.“
Eine Einschätzung, die auch der bekannte Harzer Geologe und Naturschützer Dr. Friedhart Knolle teilt: „Es ist richtig, dass das Image des Harzes vor allem intern, also bei der Bevölkerung, als schlecht empfunden wird. Vielleicht sollte deshalb eher an einer internen Imageverbesserung gearbeitet werden.“
In den nächsten Monaten werden die Regionalmanager das Entwicklungskonzept noch verfeinern, um im Januar die engültige Fassung nach Hannover zu schicken.