Es wird ein naturtrüber Geschmacksknaller

Peter Schuster (links) und Bürgermeister Erik Homann prüfen die Biere auf Geschmack, Geruch und Aussehen.
 
Schon beim Anblick dürfte hier so einigen Bierkennern das Wasser im Mund zusammenlaufen. Das Sehusa-Bier wird ein naturtrübes Spitzenprodukt aus dem Hause der Altenauer Brauerei.
 
Fünf einzigartige Proben wurden der Jury kredenzt.

Achtköpfige Jury befindet über Geschmack, Aussehen und Geruch des „Sehusa Bieres“

Bier zählt trotz stetig rückläufigen Konsums gemeinhin als Lieblingsgetränk der Deutschen. Der Bundesbürger, der im Schnitt laut Angabe des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr etwa 118 Liter des Gerstensaftes verzehrte, ist dabei besonders Stolz auf die Sortenvielfalt und das Deutsche Reinheitsgebot von 1516, das eine stets hervorragende und gleichbleibende Qualität gewährleisten soll.

Bier ist in Deutschland eine ernste Sache und immanenter Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens, wie es beispielsweise der amerikanische Regisseur Matt Sweetwood in seiner Dokumentation „Beerland“ treffend beschreibt.
Inzwischen kommen aber vielerorts Zweifel an der Einzigartigkeit deutscher Braukunst auf, da die großen Brauereien eher den Profit im Blick haben, und dabei das Wesentliche aus den Augen verlieren, nämlich ein richtig gutes Bier zu brauen.
Es wäre zwar unfair nun zu behaupten, dass es sich bei den großen TV-Bieren – Namen dürften an dieser Stelle keine Rolle spielen – nur noch um „wässrige Plörre“ handelt, aber es ist auch nicht gelogen, wenn man sagt, dass große Unterschiede zwischen den verschiedenen Marken nur sehr schwer zu schmecken sind, und sich die allgemeine Bierqualität in deutschen Landen verschlechtert hat.

Bei Bieren aus Altenau zählt vor allem die Qualität

Und genau an diesem Punkt setzt die Altenauer Brauerei mit ihren Produkten an und eröffnet eine Gegenbewegung. Denn egal, ob es nun das Altenauer Edel-Pils, der süffige Harzer Urstoff, das schmackhafte Harzer Hüttenbier oder das herzhafte Altenauer Mai-Bock ist: Die Produkte aus der letzten im Oberharz verbliebenen Brauerei überzeugen nämlich, anders als die Erzeugnisse ihrer „großen Marktbegleiter“ wie sie Altenaus Braumeister Jörg Balthasar bezeichnet, durch Geschmack, Aussehen, Geruch, Regionalität und der Liebe zur Braukunst, einem jahrhundertealten Handwerk, mit der jedes Bier hergestellt wird.
Vor diesem Hintergrund liegt es auch nahe, dass sich die Seesener Heimatzeitung „Beobachter“ in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing und der Stadt Seesen dazu entschlossen hat, mit der Altenauer Brauerei zusammenzuarbeiten, wenn es darum geht, nach vielen Jahren endlich wieder ein Bier für Seesen auf den Markt zu bringen. Wie der „Beobachter“ bereits berichtete soll dieses Bier, das den Namen „Sehusa Bier“ tragen wird, erstmals am 27. September im Rahmen des 1. Seesener Bierfestes ausgeschenkt werden.
Anfang der Woche machte sich die intern als „Geschmackfindungskommission“ bezeichnete Jury auf den Weg nach Altenau, um sich dort von Braumeister Jörg Balthasar bei einer interessanten Führung in die Geheimnisse des Altenauer Bieres einweihen zu lassen, um dann später den perfekten Geschmack für das Sehusa Bier zu ermitteln.

Achtköpfige Jury befindet über die Ausrichtung

Die „Geschmackfindungskommission“ bestehend aus Bürgermeister Erik Homann, Stadtmarketing-Chef Thorsten Scheerer, Gastronom und Koch Manfred Brandt (Hotel „Alter Fritz“), Fritz Raffert (Obermeister der Bäckerinnung Goslar/Salzgitter), Walter Kien (Kulturforum Seesen), Peter Schuster (Historienfestverein Seesen), „Beobachter“-Verlagsleiter Bernd Voß, Wolfram Marx (Medienberater „Beobachter“ für die Altenauer Brauerei) und Claudia Reichardt (Verlagsrepräsentantin „Beobachter“) bekam von Braumeister Balthasar und Andreas Schlüter, Marketingleiter Klostergut Wöltingerode und Altenauer Brauerei, fünf verschiedene Vorschläge präsentiert. Diese unterschieden sich nicht nur in Farbe und Geruch, sondern vor allem auch in ihrem einzigartigen Geschmack.
Die Bewertung erfolgte mit Hilfe eines Verkostungsprotokolls, das Geruch, Geschmack, Rezenz (Kohlensäuregehalt) und Farbe abfragte. Bewerten musste jedes Jury-Mitglied nach den Schulnoten 1 bis 6, ohne sich vorher mit dem Tischnachbarn abzustimmen. Diskutiert wurde zwischendurch aber trotzdem. So beispielsweise die Frage, wie „naturtrüb“ ein Bier sein dürfe, um eine größtmögliche Akzeptanz in der Bevölkerung zu erzeugen.

Naturtrübe Biere liegen immer mehr im Trend

Walter Kien vertritt aus seiner Erfahrung bei den Veranstaltungen des Kulturforums beispielsweise die Überzeugung, dass die meisten Biertrinker eher auf ein klassisches Pils, also ein vollständig filtriertes, klares Bier zurückgreifen. Peter Schuster vom Historienfestverein, selber bekennender Dunkelbier-Trinker, sieht das anders, und meint, dass „das „Sehusa-Bier“ durchaus etwas mehr Farbe vertragen könne“, weil dies auch Auswirkungen auf den Geschmack hätte.
Thorsten Scheerer, ebenfalls leidenschaftlicher Biertrinker aber gleichzeitig eben auch Marketingprofi, befand, dass eine Mischung aus hellem und dunklem Bier der richtige Weg sei, um das „Sehusa Bier“ zum Erfolg zu führen. Damit lag der Stadtmarketingchef auch ganz auf der Linie von Manfred Brandt und Bürgermeister Erik Homann, die ebenfalls eine ausgewogene Mischung in der Farbgebung als wichtigen Erfolgsfaktor beschreiben.
Jörg Balthasar wies im Zuge dieser Diskussion aus fachlicher Sicht darauf hin, dass helles, filtriertes Bier, zwar immer noch des deutschen liebster Trunk sei, sich der Trend aber immer mehr zu „naturtrüben“ Erzeugnissen verlagere. „Auf dem Biermarkt ist viel Bewegung und in den letzten Jahren greifen die Konsumenten immer häufiger auf naturtrübe, hand-crafted (Anm. d. Red „handgemachte“) Brauerzeugnisse zurück. Dabei spielt auch der Gedanke der Regionalität eine große Rolle. Die Konsumenten wollen wieder wissen woher das Produkt stammt und welche Zutaten verwendet wurden“, so Balthasar.

Eigenständiger Geschmack, und eine tolle Optik

Um die Geschmacksnerven zwischen den einzelnen Proben auf das nächste Bier vorzubereiten, hatte Obermeister Fritz Raffert freundlicherweise für Brot und Brötchen gesorgt. Dabei überzeugten vor allem seine „Hexenbrot- und brötchen-Kreationen“, die er nach einem über hundert Jahre alten Rezept gebacken hatte.
Nach zahlreichen Probeschlücken, dem Ausfüllen der Bewertungsbögen und dem Führen unterhaltsamer Diskussionen ergab die Auswertung einen sehr deutlichen Befund. So sprachen sich sieben der acht Tester für die Bierprobe mit der Nummer 3 aus. Einem naturtrüben, fast bernsteinfarbenem Bier. Über den Geschmack wird an dieser Stelle nur verraten, dass er bei allen Testern einen bleibenden Eindruck hinterließ und als sehr süffig beschrieben wurde. Zudem unterscheide es sich deutlich von den Bieren der Massenmarken, da auch beim Sehusa-Bier der Altenauer-typische hohe Gehalt an Stammwürze nicht fehlen wird.
Mehr über die weitere Entstehung des „Sehusa Bieres“, das 1. Seesener Bierfest und ab wann der edle Gerstensaft im Handel erhältlich ist, folgt zu gegebener Zeit im „Beobachter“.