„Essen heißt, ich lebe noch!“

Viele waren der Einladung der Horizont-Hospizinitiative gefolgt. (Foto: Husar)

Rupert Schmidts Kochkunst steht im Mittelpunkt der Veranstaltung der Horizont-Hospizinitiative

Die Horizont-Hospizinitiative Seesen hatte am vergangenen Sonnabend zum Brunch eingeladen. Zu Gast an diesem Tag war die Journalistin, Autorin und Filmemacherin Dörte Schipper mit der Vorstellung ihres Buches und Filmes zum Thema Hospizarbeit. Mit diesem Thema beschäftigt sie sich seit Längerem.

Eine gemeinsam mit einem Kollegen erstellte Fernsehreportage „Der Luxuskoch vom Hospiz“ wurde im Januar 2009 mit einem der ältesten deutschen Journalistenpreise, dem „Erich-Klabunde-Preis“ des Deutschen Journalistenverbands Hamburg, ausgezeichnet.
Was zählt im Leben wirklich? Kann ein Tag voller Genuss ein Jahr der Leere aufwiegen? Wie wollen wir sterben? Wie leben? Um diese Fragen zu beantworten, hat Dörte Schipper den Sternekoch Ruprecht Schmidt an seiner Arbeitsstelle im Hospiz „Leuchtfeuer“ auf St. Pauli zehn Tage begleitet. Erlebnisse, die sehr nahegehen. Erlebnisse, die bewegen. Erlebnisse, die danach rufen, mit anderen geteilt werden zu wollen.
So entstanden das Buch und der Film: „Den Tagen mehr Leben geben, über Ruprecht Schmidt, den Koch und seine Gäste“. Bei der Lesung aus ihrem Buch schildert sie eindrucksvoll den Umgang mit den Sterbenden. Ruprecht Schmidt ist Koch. Ein großartiger Chefkoch eines Nobelrestaurants. Das war er. Heute ist er Koch im Hospiz. Er hat keine spezielle palliative Ausbildung. Seine anfänglichen Ängste in Bezug auf die Kontaktaufnahme, den Gesprächsinhalten und die eigene Wirkung verflogen sehr schnell. Er empfindet seine neue Arbeitsstelle als „einen Sechser im Lotto“. Statt Angst dominiert das Gefühle von Erfüllung. Von Dankbarkeit. Die Dankbarkeit der Hospizbewohner ist immer wieder in dem ebenfalls gezeigten Film zu sehen. Bewegende Eindrücke des Kochalltags im Hospiz. Ruprecht Schmidt gelingt es immer wieder über die Geschmacksnerven Nähe zu schaffen. Jeder Hospizbewohner bekommt bei ihm das Gefühl ein besonderer Gast zu sein. Die Wirkung auf die Besucher im vollbesetzten Kirchenzentrum ist tief ergreifend. „Ich habe schon viele Veranstaltungen hier erlebt, aber keine war so berührend“, sagte eine Zuschauerin nach dem Film.
Musikalisch eingerahmt wurde die Veranstaltung durch den Flötenkreis der evangelischen Kirche unter der Leitung von Claudia Schaare. Der 1. Vorsitzende Pfarrer Tim-Florian Meyer dankte Dörte Schipper mit einem Buch von Wilhelm Busch „ Essen und Trinken“ und Honig aus Seesen. „So riecht Seesen, so schmeckt Seesen.“
Das anschließende gemeinsame Essen wurde von der Asklepios Klinik gestiftet. Signierte Ausgaben des Buchs von Dörte Schipper können in der Buchhandlung Isabella Beier zum Preis von 9,95 Euro bezogen werden.