Euro-Krise! Das sagen die Seesener

Die Titelseiten der großen Nachrichtenmagazine und Tageszeitungen kennen seit Monaten kaum ein anderes Thema.
 
„Das Gerede über die Eurokrise geht bei mir inzwischen zu einem Ohr rein und zum anderen wieder raus” Daniela Wegener, Seesen

Solidarität mit notleidenden Staaten sinkt / Mehrheit kann das Wort Euro-Krise nicht mehr hören

Von Julia Möhle & Max Strache, Seesen

Die Euro-Krise ist seit Wochen das dominierende Thema in Zeitung, Radio und Fernsehen. Die Medien berichten fast im Sekundentakt über immer neue Rettungspakete in Milliardenhöhe für krisengeschüttelte Euro-Staaten. Griechenland, das größte Sorgenkind der Währungsunion, soll, geht es nach führenden deutschen Koaltitionspolitikern, keine weiteren Hilfen mehr erhalten. Auch der internationale Währungsfonds (IWF) schließt inzwischen weitere Hilfszahlungen für Athen aus. Ein Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone wird vor diesem Hintergrund immer wahrscheinlicher. Den Währungshütern und Regierungschefs steht auf jeden Fall ein heißer Sommer bevor.
Doch wie beurteilen eigentlich die Seesener die Situation der Gemeinschaftswährung? Können die Vorharzer das Wort Euro-Krise noch hören? Und wie verhält es sich bei den Sehusastädtern mit ihrer Solidarität für Griechenland, Spanien und Co.? Wir haben uns in der Innenstadt umgehört und festgestellt, dass sich das Verständnis für kriselnden Euro-Staaten inzwischen stark in Grenzen hält.
Bankier Volker Ernrich macht zunächst deutlich, dass es sich nicht um eine reine Währungskrise, sondern um eine Staatsschuldenkrise handelt. Das bedeutet, dass die notleidenden Staaten nicht mehr in der Lage sind ihre aufgelaufenen Verbindlichkeiten zu bedienen. Ernrich sagt: „Das Thema Eurokrise ist in aller Munde, doch nur wenige hinterfragen wirklich die Ursachen. Die Diskussion über die Probleme der Gemeinschaftswährung erfolgt in der öffentlichen Debatte leider nur an der Oberfläche.“
Daniela Wegener ist inzwischen nur noch genervt von der ewigen Berichterstattung über die Euro-Krise. „Man hört ja nur noch mit einem Ohr zu, da die immer neuen Berichte über weitere Rettungspakete langsam überhand nehmen.“
Ein Seesener Ehepaar, (die namentlich nicht genannt werden wollen/Anm. der Redaktion) stimmt mit der Meinung von Daniela Wegener fast über­ein. Die Beiden sind der Ansicht, dass langsam Schluss sein muss mit immer neuen Hilfeleistungen für finanzschwache Länder. Ferner stimmen die Seesener Eheleute mit vielen Politikern über­ein, dass die Griechen zunächst ihre eigene Verwaltung in den Griff bekommen müssen und die angekündigten Reformen in Gang setzen, bevor über weitere Hilfen beraten wird.
Der Student Philipp Pape sieht das Problem vor allem bei den Banken:„Das Geld muss richtig eingesetzt werden und nicht ausschließlich der Rettung maroder Banken dienen.“ Mit dieser Aussage befindet sich der junge Seesener auf der Linie des SPD-Parteivorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Sigmar Gabriel, der in einem Thesenpapier die Rolle der Banken in der Finanz- und Eurokrise zum Wahlkampfthema erklärt hat. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Seesener von der ewigen Krisenberichterstattung genervt sind, und nicht glauben, dass weitere Rettungspakete zu einer Entspannung in der Eurozone führen werden. Ängste vor einer Abwertung oder dem entgültigen Aus der Gemeinschaftswährung haben die Seesener aber nicht.