Exotik über dem Nierentisch

Zahlreiche Aktdarstellungen umfasst die Exotik-Ausstellung.
 
Ausstellungseröffnung mit (von links) Kurator Dr. Gerald Könecke, Professor Ströhlein, Bürgermeister Erik Homann und Dr. Joachim Frassl.

Wandmasken, Figuren und Gefäße sind in einer neuen Ausstellung im Städtischen Museum zu bewundern

„Exotik über dem Nierentisch“ lautet der Titel einer Ausstellung, die seit gestern im Städtischen Museum zu sehen ist. Gezeigt werden Wandmasken, Figuren und Gefäße, die in Fredelsloh bei Moringen hergestellt wurden – die Ausstellung präsentiert die sogenannten Goldscheider-Keramiken in ihrer Vielfalt und bettet sie in die Entstehungsgeschichte der Wiener Firma Goldscheider ein.

Am Mittwochabend fand die Eröffnung der Ausstellung statt. Die Begrüßung vor rund 40 interessierten Gästen nahm Bürgermeister Erik Homann vor, ein Grußwort sprach Professor Dr. Gerhard Ströhlein vom Museumsverband Südniedersachsen, Dr. Joachim Frassl gab „Einsichten zum Geleit“ und Dr. Gerald Könecke schließlich als Ausstellungskurator gab eine Einführung in die Ausstellung.
Professor Ströhlein beglückwünscht Seesen für seine außerordentlich gelungene Kultur- und Museumsarbeit.
Als Vorsitzender des Verbundes sei er bedauerlicherweise nicht allzu oft an der praktischen Arbeit und inhaltlichen Gestaltung der einzelnen Ausstellungen und museumspädagogischen Projekten beteiligt. Zu Seesen und zu seinem Museum fühlte er sich allerdings bereits von 1979 bis 1984 verbunden und habe dann wieder mit dem Museumsverbund seit 1998 sehr gute Kontakte entwickelt und Freundschaften gebildet. Er wünschte der Ausstellung „Exotik unterm Nierentisch“ viel Erfolg und einen Besucheransturm.
Dr. Frassl fasste in einem Tagebuch die Vorbereitungen der Ausstellung bis hin zur Eröffnung zusammen. Dabei legte er Wert darauf, dass seine Gedanken zur Ausstellung ihn seit Monaten verfolgen. Im Mai dieses Jahres hörte er erstmals von der geplanten Keramik-Ausstellung um „Goldschneider“. In der Folgezeit hat Frassl sich mit der Ausstellung auseinandergesetzt, Fotoserien begutachtet, Ausstellungsstücke angesehen und für Seesen ausgewählt. Zwischenzeitlich kommt Frassl zu dem Fazit: „Das wird die bei Weitem aufwendigste Ausstellung, die das Museum seit Jahren gesehen hat.“
Frassls Tagebuchausführungen folgte letztlich die Einführung durch Ausstellungskurator Dr, Könecke, der im Jahre 1987 zum Tönnieshof kam, um Rohstoffe aus der Konkursmasse aufzukaufen. Viel einschneidender sei aber die Entdeckung der Keramiken gewesen.
So konnte er den Konkursverwalter davon überzeugen, dass „Ausräubern“ zu stoppen, um die Keramiken für die Nachwelt zu erhalten. So kamen nach und nach 8000 Keramiken zusammen. Anfang der 2000er Jahre verlagerte Könecke seine Arbeit in Richtung der Figuren- und Wandmaskenherstellung zwischen 1953 und 1960 der Tochtergesellschaft „Goldscheider West Germany Tönnieshof“ der Manufaktur Carstens.
Als 1953 auf dem Tönnieshof die Goldscheider-Herstellung anlief, begann man zuerst mit vor 1940 in Wien entworfenen Figuren. Ab 1954 bestimmten Exotik und neuere Aktdarstellungen die Tönnieshof-Entwürfe des Verkaufsprogramms.
In der in Seesen zu sehenden Ausstellung wird vorgestellt, wie dieses Programm von Wien zum Tönnieshof kam. Neben den gezeigten Figuren, Wandmasken und Gefäßen werden auch Einblicke in die Herstellung gegeben.