Familienführung und Museumskonzert

Gebannt folgten die Jüngsten den Erklärungen von Puppe Lilly und Marianne Wadsack.

Internationaler Museumstag: „Historische Kaffeetafel“ wie zu Uromas Zeiten

Zum Internationalen Museumstag am Sonntag hatte das Städtische Museum zu einer Sonderführung für die ganze Familie eingeladen. Die Museumsmitarbeiter gingen – tatkräftig von der Ausstellungspuppe Lilly unterstützt – mit den großen und kleinen Besuchern auf Entdeckungstour.

Mit allen Sinnen konnte hier der Geschichte unserer Essgewohnheiten von der Steinzeit bis zum täglichen Einkauf im Supermarkt nachgegangen werden. Wie hat ein Jagdspeer in der Hand gelegen und wie hat ein Feuerbohrer funktioniert? Was sind Kugeltöpfe und seit wann gibt es unser Tischgeschirr? Auf diese und viele anderen Fragen gab es Antworten.
Im Anschluss an die Führung konnte man bei einer biedermeierlichen Kaffeetafel Kuchen nach Rezepten von Henriette Davidis probieren. Ihr „Praktisches Kochbuch“ erlebte zwischen 1843 und 1960 unzählige Auflagen und war Vorbild für Generationen von Kochbuchautorinnen.
Und wer dann nicht zu dem mit Spannung erwarteten Museumskonzert gekommen war, hatte salopp gesagt, selber Schuld. Denn, diejenigen verpassten einen Konzertabend ganz einmaliger Art. Vor kleinem, aber begeisterten Publikum stellten das renommierte „Filarmonica-Quartett“ aus Novosibirsk zusammen mit dem aus Kassel kommenden, international konzertierenden Pianisten Iwan Urwalow ihr außergewöhnliches Können auf höchstem künstlerischen Niveau unter Beweis.
Der Abend begann mit federleicht musizierten Mozart-Quartetten und gipfelte in Johannes Brahms Klavierquintett f-Moll, das alle kompositorischen Grenzen zu sprengen scheint. Mit perfekter Technik und ungeheurer Spielfreude bescherten die Musiker dem Publikum ein Klangerlebnis von romantisch leisen Passagen, die an Brahms berühmtes Abendlied erinnerten, bis hin zu gewaltigen Sturm-und Gewitter-Szenarien, wie es der Steinway-Saal so noch nicht erlebt hat. Denn es war auch eine Premiere für Seesen im ehemaligen Festsaal des Jagdschlosses eine solche Veranstaltung über die Bühne gehen zu lassen.
Und wie das Publikum, fühlten sich auch die Musiker vom Geist dieses besonderen Ortes inspiriert, der sie zu Höchstleistungen anspornte.
Durchaus vorstellbar wäre es, dass hier einst der junge Louis Spohr für den Braunschweiger Herzog und seine Festgesellschaft musiziert hatte. So erklärt sich auch, dass die Louis- Spohr -Stiftung in Kassel zusammen mit der Stadt Seesen dieses Konzertereignis auf den Weg gebracht hat. Es war ein unvergesslicher Abend, der so viel mehr Publikum verdient hätte.